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Umgeblättert heute: „Literarische Meisterschaft“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Ignacij und seine fünf wilden Kinder“: Roman Rozinas Hundert Jahre Blindheit fängt eine bewegte Vergangenheit im Brennglas einer Familiengeschichte ein. „Seine Romankonstruktion ist unübersehbar schematisch, nicht nur was die Zeit angeht, in der er spielt, sondern auch in der Anlage, fünf Geschwister je unterschiedlichen Heilsversprechungen anhängen zu lassen. Zugleich ist es ein großes Vergnügen, den Wendungen dieses breit angelegten Romans zu folgen, der sein historisches Kolorit sparsam und wirkungsvoll einsetzt. Statt detailversessen die Fassade einer bestimmten Epoche zu errichten, setzt Rozina Schwerpunkte, etwa wenn er einige Buchseiten dem Radio widmet, den Bedingungen, unter denen in den Dreißigerjahren Sendungen entstanden und gehört wurden, und der Wirkung des Mediums auf seine Hörer.“

  • Roman Rozina, Hundert Jahre Blindheit. Roman. (aus dem Slowenischen von Alexandra Natalie Zaleznik; Verlag Klett-Cotta)

„Mercedes für Begräbnisfahrt dringend gesucht“: Überleben verpflichtet: Meja Mwangis Roman Kasim, der Komiker erzählt satirisch zugespitzt von Geschäftemacherei in Kenia. „Die Idee, den gesamten Roman einzig um die verzweifelte Suche nach der Luxuskarosse kreisen zu lassen, trägt nicht über 450 Seiten und schafft Wiederholungen des immer gleichen Musters. Das liegt gewiss in der Natur der Sache, wie auch die statischen Figuren dem Genre der Satire zugehören. Doch hätte gerade die Zuspitzung auf der Hälfte des Erzählraums stärkere Wirkung entfaltet.“

  • Meja Mwangi, Kasim, der Komiker. Roman. (aus dem Englischen von Jutta Himmelreich; Peter Hammer Verlag)

„Der Tod ist ein schamloser König“: Als hätte Marcel Proust einen Thriller geschrieben: Laurent Mauvignier zeigt in dem Roman Geschichten der Nacht seine literarische Meisterschaft. „Mauvigniers ausschweifende, dabei nie überfrachtete und von Claudia Kalscheuer kongenial übertragene Satzgefüge spüren den Innenwelten der Figuren bis hin zur kleinsten Regung und ihrem Ursprung nach, seien es Emotionen, Erinnerungen oder die Geräusche, Farben und Gerüche der Gegenwart. Von der scheinbar nüchternen Beschreibung der Szenerie kippt die Erzählung immer wieder in die wie im Tagtraum schwebenden Bewusstseinsabläufe der Figuren und erzeugt damit eine klaustrophobische Unmittelbarkeit.“

  • Laurent Mauvignier, Geschichten der Nacht. Roman. (aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer; Matthes & Seitz)

heute nichts

„Was andere so tun“: Drachen, Nudel, Moos: Französin Eva Offredo wirft einen so unterhaltsamen wie lehrreichen Blick auf das Leben in Japan. „Es wäre unvernünftig zu glauben, mit diesem Band bekäme man die Fremde in den Griff. Es wird aber deutlich, dass etwas fremd sein kann – und darf, Große-Augen-Machen ist erlaubt – und trotzdem schön, anregend und anderen ganz vertraut.“

  • Eva Offredo, Japan Yahho! (a. d. Franz. v. Tobias Scheffel; Moritz)
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