Home > Bücher in den Medien > Umgeblättert heute: „Eine Phänomenologie des Abgründigen“

Umgeblättert heute: „Eine Phänomenologie des Abgründigen“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Nie mehr allein gegen die Mafia“: Wenn Bewunderung zur erzählerischen Kraft wird: In Roberto Savianos Roman Falcone über den mutigen italienischen Vorkämpfer gegen das organisierte Verbrechen klingt nichts amtsstubentrocken, obwohl er sich eng an dokumentierte Fakten hält. „Saviano maßt sich nie an, Falcone zu kennen – obwohl er das Material zum Maxi-Prozess vermutlich besser kennt als irgendwer sonst. Die Vorbereitung dieses Verfahrens gewinnt bei ihm durch Zeitsprünge, Perspektivwechsel und Dialoge, durch die Darstellung von Hoffnungen und Ängsten den Charakter eines Kriminalromans. Hier ist nichts amtsstubentrocken, im Gegenteil, das ist packend erzählt.“

  • Roberto Saviano, Falcone. Roman. (aus dem Italienischen von Annette Kopetzki; Hanser Verlag)

„Wokeness, Cancel Culture und andere Unarten“: Ideengeschichtlich ausführlich: Yascha Mounk warnt vor politischen Gefahren des Imports von Identitätsideologie. „Das Buch ist mit Sicherheit eine kompetente Darstellung dieser Ideologie, die sonst unter Schlagwörtern wie Wokeness, Cancel-Cultur oder Identitätspolitik läuft. Mounk zufolge ist sie eine Synthese aus sieben fundamentalen Haltungen, darunter eine grundsätzliche Skepsis gegenüber der objektiven Wahrheit, das Bekenntnis zu essenzialistischen Identitätskategorien und insbesondere ein tief sitzender Zweifel gegenüber der Möglichkeit, in unseren Gesellschaften auch zwischen diesen Identitätsgruppen noch zu einer Verständigung zu gelangen.“

  • Yascha Mounk, Im Zeitalter der Identität. Der Aufstieg einer gefährlichen Idee. (a. d. Englischen von H. Dierlamm und S. Reinhardus; Klett-Cotta Verlag)

„Da hast du einen Lauf“: Arne Rautenberg ist ein Hochgeschwindigkeitsdichter. Aber wer in seinem neuen Band „sekundenfrühling“ nur Sprachspiel sieht, übersieht einen Abgrund. „Wer denkt, es handele sich um heiter naives Sprachspielvergnügen, liegt falsch. Mit hintersinnig spröder Tarantino-Komik entwirft Rautenberg eine Phänomenologie des Abgründigen. Seine Höchstgeschwindigkeit birgt Absturzgefahr (…)“

  • Arne Rautenberg, „sekundenfrühling“. Gedichte. (Wunderhorn Verlag)

„Börne-Preis für Daniel Kehlmann“: Daniel Kehlmann erhält den diesjährigen Ludwig-Börne-Preis. Kehlmann sei „ein virtuoser wie subtiler Erzähler von Parallelwirklichkeiteiten“, so die Preisrichterin Felicitas von Lovenberg.

„Das ist die Härte“: Zwei Bücher über Pionierinnen des Journalismus zeigen, was es brauchte, damit Frauen in diesem Beruf etwas werden konnten.
  • Rainer Hank, Die Pionierinnen (Penguin)
  • Judith Mackrell, Frauen an die Front. Kriegsreporterinnen im Zweiten Weltkrieg. (aus dem Englischen von Sonja Hauser und Susanne Hornfeck;  Suhrkamp

„Was tun gegen die Einsamkeit?“: Seit den Demonstrationen in Belarus lebt Volha Hapeyeva im Exil. Ihr funkelnder Roman Samota stellt die große Frage aller Heimatlosen. „Zu den großen Vorzügen von Volha Hapeyevas Roman Samota gehört es, dass man beim Lesen ständig das Gefühl hat, in mehreren Welten parallel unterwegs zu sein.“

  • Volha Hapeyeva, Samota. Die Einsamkeit wohnte im Zimmer gegenüber. Roman. (Deutsch von Tina Wünschmann und Matthias Göritz; Droschl Verlag)

„Kein Volltreffer von Paul Auster“: In seinem Essayband Bloodbath Nation versucht der Schriftsteller verzweifelt, Amerikas Obsession mit Schusswaffen zu verstehen. „Als Manifest ist Austers Buch zu unentschieden, als Mentalitätsgeschichte zu oberflächlich. Am Ende sind Autor und Leser ratlos wie zuvor.“

  • Paul Auster, Bloodbath Nation (mit Fotos von Spencer Ostrander; Rowohlt Verlag)

„‚Brennend aktuelle Mahnung’“: Der Ludwig-Börne-Preis geht an den Schriftsteller Daniel Kehlmann, Jurorin Felicitas von Lovenberg würdigt die Relevanz seiner Bücher.

Anzeige
Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige