
Der Name ist Programm. Von Morgen Verlag nennt sich die Neugründung, mit der die Schriftstellerin und Übersetzerin Jenny-Mai Nuyen vor drei Jahren an den Start gegangen ist und seither zunehmend erfolgreich am digitalen Buchmarkt mitmischt. Liebesromane, Romantasy und Fantasy für Jugendliche und Erwachsene prägen das Programm, in dem sich in Amerika erfolgreiche Autorinnen wie K.F. Breene oder Lucy Score ebenso finden wie der deutsche Multibestsellerlieferant Kay Meyer. Und offenbar weiß die 34jährige Verlegerin, was die Stunde geschlagen hat. Denn etliche ihrer Titel schaffen es auf die einschlägigen Bestsellerlisten.
Nuyen hat es aber auch von der Pike auf gelernt: Sie hat selbst ihren ersten Spiegel-Bestseller mit nur 18 Jahren veröffentlicht, ein Wunderkind der Jugendbuch-Fantasy. „Das Drachentor“ und „Nijura – Der Erbe der Elfenkrone“ hießen ihre ersten Erfolge. Später folgten Bücher für Erwachsene, die sich nicht mehr eng an Genregrenzen hielten, aber dennoch mit Motiven der Phantastik spielten.
Mit ihrem Verlag versucht Nuyen bisher in Deutschland unbekannte, aber erfolgreiche Autorinnen und Autoren erfolgreich und vergriffene Titel deutscher Erfolgsautoren wieder lieferbar und einer jungen, digital-affinen Zielgruppe zugänglich zu machen. Offenbar gibt ihr der Markt dabei recht. Doch zufrieden ist die Jungverlegerin nicht: „Es kann nicht sein, dass alle, die im digitalen Literaturbusiness tätig sind, völlig von Amazon abhängig sind“, beklagt sie. „Amazon ist längst nicht so böse, wie es immer wieder dargestellt wird. Vielen Autoren hat das Unternehmen überhaupt erst ermöglicht, am Literaturbetrieb teilzunehmen und veröffentlicht zu werden. Aber dabei ist ein Monopol entstanden, das allen schadet – am Ende sogar Amazon selbst. Wir müssen das Unternehmen dazu bringen, seine Monokultur zu durchbrechen und vom Exklusivitätsanspruch abzurücken.“ Denn wer seine Werke etwa in Amazons Onleihe Kindle Unlimited geben möchte, darf diese auf anderen Plattformen nicht anbieten.
Außerdem beklagt Nuyen, dass die Vergütungsmodelle – nicht nur bei Amazon, aber auch dort – undurchsichtig sind, das Unternehmen seine Marktmacht nutzt, um einzelne Partner bei den Konditionen herunterzuhandeln oder ohne nähere Begründung ganz aus seinem Angebot zu verbannen. „Viele Selfpublisher müssen in der ständigen Sorge leben, ihr Account könnte ohne Erklärung gelöscht werden“, erklärt die Verlegerin. „Sobald der Algorithmus einen vermeintlichen Verstoß gegen die Richtlinien erkennt, werden sämtliche Zahlungen eingestellt. Dabei handelt es sich um Geld, das Amazon mit den Werken der Autoren verdient hat und das diesen zusteht!“
Diese und andere Themen will sie nun in einem Symposium mit Branchenteilnehmern in ihren eleganten neuen Räumlichkeiten in der Berliner Eulerstraße diskutieren. „Es geht nicht darum, Amazon klein zu kriegen“, erklärt sie. „Ich will keine Sieger und Besiegten. Es geht darum, die Möglichkeiten digitalen Publizierens zuzulassen und faire und transparente Geschäftsmodelle zu fördern. Wenn wir dazu ein bisschen beitragen können, wird es nur Sieger geben. Amazon ist nicht ohne Grund der führende Onlineshop für Bücher geworden. Es gibt viel von Amazon zu lernen. Aber es ist an der Zeit, sich zu fragen: Wie können wir es für Autoren, Leser und alle, die mit Büchern arbeiten, noch besser machen?“
Dazu lädt Nuyen am 18. Mai in ihren Verlag. Prominente Branchenvertreter wie Readfy oder Matthias Matting/Brandon Q. Morris haben ihr Mitwirken bereits angekündigt. Die Veranstaltung steht aber jedem offen und kann auch virtuell besucht werden. Anmeldung unter kontakt@von-morgen-verlag.de