
Der guatemaltekische Autor Eduardo Halfon erhält den Berman Literature Prize 2024. Der Preis ist mit rund 750 000 schwedischen Kronen dotiert.
Die Begründung der Jury lautet:
„Eduardo Halfon erhält den Berman Literature Prize 2024 für seinen Roman Canción, der mit unnachahmlichem Stilgefühl und einer impressionistischen autofiktionalen Erzählung die Grenzen zwischen Identität und Maske, Heimat und Zerstreuung, Vergangenheit und Gegenwart auflöst.“
„Eduardo Halfons Werk Canción beschreibt facettenreich, wie das Leben unabhängig von Sprache und Kultur von verschiedenen Identitätsschichten geprägt wird und sich Zufall und Gewalt auf Menschen auswirken“, sagt der Jury-Vorsitzende Daniel Pedersen. „Ein kurzer Roman, dem das Kunststück gelingt, die langen und gebrochenen Linien der Geschichte zu versöhnen.“
Eduardo Halfon (1971) wurde in Guatemala geboren und hat unter anderem in den USA, Spanien, Paris und Berlin gelebt. In all seiner autofiktiv angelegten Kurzromane wie Der polnische Boxer (2008), Monasterio (2014), Duell (2017) und Canción (2021) geht er dem weitverzweigten Erbe der Diaspora und der transformativen Dynamik der Vorstellungskraft auf den Grund. Halfons Werke wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt, wie zum Beispiel Englisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Dänisch, Norwegisch und Niederländisch, und er hat eine Reihe von Preisen und Auszeichnungen gewonnen, insbesondere den Premio Nacional de Literatura de Guatemala. Der Roman Canción, in dem ein Autor namens Eduardo Halfon zu einer in Japan stattfindenden Konferenz für libanesische Autoren eingeladen wird und beginnt, sich mit der syrisch-libanesischen Herkunft eines jüdischen Großvaters und dessen dramatischer Entführung durch die guatemaltekische Guerilla in den 1960er-Jahren auseinanderzusetzen, wurde mit dem spanischen Literaturpreis Premio Cálamo 2021 ausgezeichnet und für den Dublin Literary Award 2024 nominiert. Eduardo Halfon lebt mit seiner Familie in Berlin.
Der Berman Literature Prize wurde im Jahr 2020 gestiftet. Mit ihm werden Schriftstellerinnen und Schriftsteller ausgezeichnet, die im Geist der jüdischen Tradition schreiben, sich der reichen jüdischen Kultur stellen, wie es in den Statuten des Preises heißt, und zugleich »die Zeiten und Kulturen zu überschreiten« versuchen, im Sinne eines universell Menschlichen.