
Gestern Abend eröffnete Tanja Graf, die Leiterin des Münchner Literaturhauses, das Literaturfest München im überfüllten großen Saal. Nicola Bardola war vor Ort.
Das Fest dauert noch bis zum 11. April und sucht neue Wege, um für Bücher zu begeistern: „Das Motto klingt nach Rückzug ins Private, aber die Veranstaltungen zeigen: Literatur ist immer politisch. Es sind die starken Texte, die uns all das vermitteln, was uns begeistert und zusammenhält, was uns provoziert und empathisch für andere sein lässt“, so Graf.
Kuratiert hat das Festival der Berliner Autor Daniel Schreiber. „Wir sind nicht machtlos und es gibt auch keinen Grund unsere Hoffnungen zu begraben. Denn die Zukunft ist noch nicht geschrieben. Dass schon so viel zerstört wurde, darf uns nicht davon abhalten, das zu retten, was wir noch retten können. Wir müssen dem Hass unsere Sprache der Liebe entgegensetzen“, so Schreiber. Er präsentiert eine große Palette an Autor:innen, u.a. Samira Akbarian („Recht brechen“, C.H. Beck), Kristine Bilkau („Halbinsel“, Luchterhand), Helene Bracht („Das Leben danach“, Hanser), Asal Dardan („Taumland“, Rowohlt), Hasnain Kazim („Deutschlandtour“, Penguin), Loretta Würtenberger und Hubertus Graf Zedtwitz („Eine Sprache der Liebe“, Friedenauer Presse), Mirjam Zadoff („Trotzdem sprechen“, Ullstein).

In einer berührenden und engagierten Rede über ihre drei Sprachlosigkeiten (Momente des Schweigens angesichts ungeheuerlicher Ereignisse in ihrem Leben) appellierte zur Eröffnung Luisa Neubauer („Was wäre, wenn wir mutig sind?“, Rowohlt) insbesondere an die Autor:innen: „Dies ist ein Aufruf an die Welt der Literatur. Kommt uns allen und der Welt zu Hilfe. Schließt euch denen an, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten angefangen haben, den rhetorischen Widerstand gegen die ökologische Sprachlosigkeit zu formen. Schreibt die Geschichten von Menschen, die sich in die Welt verlieben“. Eine Besonderheit dieses Festivals: Während der gesamten Dauer sind Online-Formate kostenfrei abrufbar.
Nicola Bardola