Home > Auszeichnungen > Jury-Mitglied Kathrin Matern zum anstehenden Deutschen Buchpreis: „Vielfältige Themenlage und Perspektiven“

Jury-Mitglied Kathrin Matern zum anstehenden Deutschen Buchpreis: „Vielfältige Themenlage und Perspektiven“

Kathrin Matern (Foto: Ulrike Seidel)

Kathrin Matern vom Frau Rilke Buchladen in Neustrelitz, der zur Verbundgruppe eBuch gehört, ist in diesem Jahr eine der Jurorinnen für den Deutschen Buchpreis, dessen Longlist morgen veröffentlicht wird. Was hat sie bei der diesjährigen Auswahl besonders überrascht und wie unterscheidet sich der Blick der Buchhändlerin von denen der anderen Jurymitglieder? Wir haben nachgefragt.

BuchMarkt: Wie sind Sie an die Jurystelle gekommen und wieso haben Sie sich dafür entschieden?

Kathrin Matern: Ich hatte eine Mailanfrage vom Deutschen Buchpreis, die mich überrascht und sehr gefreut hat. Die Jury wird jedes Jahr von der Akademie Deutscher Buchpreis gewählt. Dies ist eine große Ehre, aber auch eine große Verantwortung. Ich habe geahnt, dass dies eine zeitintensive Aufgabe sein würde. Ich kenne Jury-Arbeit vom Johnson-Förderpreis und vom Annalise Wagner-Literaturpreis. Aber ich ahnte gleichzeitig, dass man wahrscheinlich nie wieder einen so guten Überblick über die deutschsprachigen Neuerscheinungen haben wird. Und ich habe mich sehr auf den Austausch mit den Jury-Kolleg:innen gefreut und deshalb mit großer Freude zugesagt.

Was hat Sie bei der Sichtung der Titel und der Diskussion mit der Jury besonders überrascht?

Es ist schon bemerkenswert, wie viele Titel eingereicht werden und wie vielfältig die Themenlage ist, vom Familien- über den Gesellschafts- bis hin zum dystopischen Roman. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der morgen veröffentlichten Longlist wider. Ich war sehr gespannt auf die Jury-Kolleg:innen, einige kannte ich aus ihrer Arbeit beim Rundfunk oder als Kritikerin oder Herausgeber. Wir sind ja insgesamt sieben Juror:innen mit unterschiedlichen Backgrounds, aus verschiedenen Wirkungsbereichen und sind alle woanders zu Hause. Es ist schon besonders, aus sehr verschiedenen Perspektiven auf Literatur zu schauen. Das begeistert und bereichert mich.

Wie unterscheidet sich die Perspektive einer Buchhändlerin auf die Titel ggf. von der der anderen Jurymitglieder?

Wir arbeiten als Buchhändler:innen einerseits sehr eng mit den Verlagen und Vertreter:innen zusammen und erfahren schon sehr früh durch die Vorschauen, was die Verlage auf ihre Agenda setzen, welche Themen und Autor:innen im Verlagsprogramm platziert werden sollen. (Da kann man u.a. auch mitbekommen, welche Autor:in einen Verlag wechselt usw.) Andererseits sind wir sehr nah an den Lesenden, an ihren Wünschen und Erwartungen. Wir sind gewissermaßen eine Schnittstelle. Und bieten auch Raum für demokratische Auseinandersetzung. Für ein Miteinander. Wir haben daher vielleicht eine kleine Ahnung davon, welcher Titel bei den Lesenden gut ankommen könnte – unabhängig davon, ob er mit einem Buchpreis ausgezeichnet wird. Das ist natürlich auch ein bisschen davon abhängig, wie gut man sein Lesepublikum kennt. Wie nah man den Kontakt hält. Wir veranstalten z.B. monatlich Autor:innen-Lesungen im Laden, haben außerdem ein eigenes Format („Brot & Bücher“), in dem wir die erscheinenden Titel vorstellen und setzen sehr auf Beratung. Das alles ist gut, um mit dem Publikum in einen Diskurs zu gehen.

Wann und wie sind Sie selbst zu Ihrer Buchhandlung gekommen?

Ich habe 25 Jahre lang als Journalistin und Moderatorin für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gearbeitet. Ich wollte mir irgendwann, bevor ich 50 werde, den lang gehegten Traum vom eigenen Buchladen erfüllen. Also habe ich erstmal einige Jahre als Angestellte in der mehr als 30 Jahre lang etablierten Buchhandlung Wilke in Neustrelitz gearbeitet. Von der damaligen Inhaberin Barbara Wilke konnte ich sehr viel lernen, auch, dass man Langmut braucht, Geduld und dass es oft um die Niederungen des Alltags geht.  Ein eigenes Unternehmen ist ja eher ein Langstreckenlauf :-). Wir haben dann keine klassische Übernahme im eigentlichen Sinn gemacht, sondern ich habe – nachdem Frau Wilke im Januar 2024 in Rente gegangen ist – am 1. Februar 2024 meinen Frau Rilke Buchladen in Neustrelitz drei Hausnummern entfernt in der Strelitzer Straße eröffnet. Da war ich 49 :-). Aus „Wilke“ wurde „Frau Rilke“. Ich fühle mich hier sehr am richtigen Platz.

Wie wird sich der Deutsche Buchpreis in Ihrer Buchhandlung widerspiegeln und was würden Sie anderen Buchhändler:innen empfehlen?

Wir haben natürlich die nominierten Titel in unserem Sortiment. In der Natur der Sache liegt, dass ich unabhängig von der Jury-Arbeit für den Deutschen Buchpreis lese, lese, lese. Was ich jetzt prima fand: Auch mal zu Romanen zu greifen, die ich vielleicht sonst nicht in die Hand genommen hätte.

Die Fragen stellte Hanna Schönberg

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige