
Die Autorin Chris Warnat moderiert seit vier Jahren den Podcast Kreativdate und trifft sich dort zum Austausch mit anderen Buchmenschen. Dabei geht es u.a. um den Schaffensprozess von Büchern, aber auch um Persönlichkeitsentwicklung. Wir haben sie gefragt, was sie daraus mitnimmt.
BuchMarkt: Wie sind Sie vor vier Jahren darauf gekommen einen Podcast zu starten?
Chris Warnat: Ich bin damals mit einem Freund durch den Wald gestreift, wir haben wie so oft stundenlang über unsere Schreibprojekte gesprochen und irgendwann meinte er: „Eigentlich könnten wir echt ein Mikro mitlaufen lassen und einen Podcast machen.“ Ich dachte erst, das sei ein Scherz, aber er meinte es ziemlich ernst. Kurz darauf haben wir einen Piloten aufgenommen und im Mai 2021 ging die erste Folge live. Inzwischen ist mein Co-Host ausgestiegen und das Format hat sich von einem „Laberpodcats“ zu einem Gesprächsformat entwickelt. Seit über zwei Jahren lade ich einmal im Monat spannende Buchmenschen ein, um über die Arbeit, das Schreiben, Kreativität, die Branche, aber auch angrenzende Themen wie Persönlichkeitsentwicklung und Zweifel zu quatschen. Das sind keine klassischen Interviews, sondern innige, lustige und emotionale Gespräche, wie man sie auch mit der Freundin im Café führen würde. Inzwischen waren unter anderem Melanie Raabe, Eva Lohmann, Mona Lang und Florian Valerius zu Gast.
Was war Ihre Motivation bzw. Ihr Ziel dabei?
Schreiben ist mitunter sehr einsam und ich wollte mich gerne mit anderen vernetzen, in Kontakt treten. Ich liebe es, mich mit anderen Buchmenschen auszutauschen und neue Perspektiven zu hören. Jedes KREATIVDATE ist eine Bereicherung für mich. Der Podcast fungiert als digitales Tagebuch – und wie ein Katalysator. Ich habe das Schreiben damals zu meiner Priorität gemacht, schließlich wollte ich ja jede Woche etwas zu erzählen haben. Plötzlich war richtig Zug auf der Sache und sie wurde ernst. Meine Genese als Autorin von Beginn an zu dokumentieren, hätte furchtbar schiefgehen können. Ich hätte scheitern können bei der Agentursuche oder bei der Suche nach einer passenden Verlagsheimat. Und auch das hätte ich dokumentiert, weil Umwege und Rückschläge nun einmal zur Realität von Autor*innen gehören. Es ist es mir ein großes Anliegen, diese Realität transparent zu machen, und den Hörerinnen und Hörern einen ungeschönten Blick hinter die Kulissen zu geben. Wie schreibt man ein Buch? Mit welchen Schwierigkeiten ist man unterwegs konfrontiert? Wie findet man eine Literaturagentur und braucht man die überhaupt? Wie geht man mit Absagen und miesen Rezensionen um? Wie ist Autorin xy auf die Idee zu ihrem Roman gekommen?
Welche Erkenntnisse haben Sie seitdem gesammelt?
Dass es keine allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten gibt in der Buchbranche. Wenn der eine Dir erzählt, Du seist verbrannt, wenn das erste Buch nicht zündet, hörst Du an der nächsten Ecke die Geschichte einer Autorin, bei der es fünf Anläufe brauchte, bevor das sechste Buch geflogen ist. Was eine Person erlebt, muss nicht zwingend auch für dich gelten. Deshalb bin ich inzwischen sehr vorsichtig mit allem, was ich so aufschnappe. Inklusive Schreibtipps. Die haben mich eine Zeitlang ziemlich in die Irre geführt, weil ich dachte: so macht man das dann wohl als „echte“ Autorin! Für mich funktionierte das aber gar nicht und ich brauchte ewig, um Routinen zu finden, die mir dienen. Gleichzeitig finde ich es jedes Mal so heilsam, wenn ich bei den Aufnahmen merke, dass wir am Ende doch alle dieselben Sorgen und Gedanken teilen. Dass ich nicht alleine bin mit meiner leichten Obsession fürs Schreiben, meinen Problemen und Unsicherheiten. Und ich hoffe, das geht den Hörerinnen und Hörern ähnlich.
Was hat Sie besonders erstaunt?
Ich hätte nie, wirklich nie gedacht, wie wichtig der Podcast mal für mich werden würde. Als Marketingtool, um meine Autorinnenmarke aufzubauen und meine Bücher zu bewerben. Aber auch als Schule, um über mein Schaffen zu sprechen. Ich bin nach vier Jahren sehr geübt im Sprechen und Erzählen. Das ist mir erst so richtig aufgefallen, als ich meine ersten Lesungen hatte und merkte: wow, das macht mir echt Spaß und ich kann das auch. Außerdem hat der Podcast ein Stück weit meine Realitätsverzerrung kuriert. Anfangs dachte ich nach jeder Folge, ich hätte nur Quatsch erzählt, mich ständig verhaspelt und keinen geraden Satz zustande gebracht. Nur um dann im Schnitt verblüfft festzustellen, dass es halb so wild war und meine Wahrnehmung einfach ein bisschen verquer ist. Diese Erkenntnis hat mir ungemein geholfen.
Warum ist der Austausch zwischen Autor:innen gewinnbringend und was können die Zuhörer:innen dabei ggf. lernen?
Die Gespräche werden oft sehr schnell sehr privat und intim, was vermutlich daran liegt, dass wir immer auch uns meinen, wenn wir über unsere Bücher reden. KREATIVDATE funktioniert also hoffentlich nicht nur für eine spitze Zielgruppe mit Special Interests, sondern universell für alle, die sich für die Menschen hinter den Büchern, deren Werdegang, das Schreiben, die Branche und allgemein Kreativität interessieren. Ich erlebe den Podcast als ungemein unterhaltsam und auch lehrreich und bin mir sicher, dass sich viele Einsichten auf das eigene Leben übertragen lassen.
An welchem nächsten Buchprojekt sitzen Sie?
Gerade habe ich das Lektorat von Band 2 meiner Wase-Rahimi-Reihe abgeschlossen. Band 1 15 SEKUNDEN ist im Mai erschienen, im Frühjahr nächsten Jahres folgt der zweite Teil. Im Moment denke ich auf meinem dritten Thriller herum. Ich darf noch nicht so viel verraten, aber das Exposé steht, der Verlag und ich sind schwer verliebt, und allmählich plustert sich die Geschichte in meinem Kopf auf. Szenenpartikel docken sich an, Spleens der Figuren, Ideenfragmente, ganze Sätze. Ich lerne diese Welt immer besser kennen, tauche ein, verstehe, wie das Personal darin tickt, was es antreibt, welche Themen ich berühren möchte und welche nicht. Stand jetzt erscheint das Buch übrigens im Frühjahr 2027 im Penguin Verlag.
Die Fragen stellte Hanna Schönberg