Die erste Fachgruppenversammlung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels 2025 für den Bereich Verlage zeigte klar: Die Branche steht vor großen Herausforderungen. Aufgeführt wurden die zentralen Themen, mit denen sich der Verband und die Verlage derzeit beschäftigen, garniert mit zahlreichen Links als Absprungbrett, sich intensiver damit auseinanderzusetzen. Ein knapper Überblick:
Zum Auftakt stellte Börsenvereins-Statistikerin Jana Lippmann die Ergebnisse der Schnellumfrage vor, die auch das Börsenblatt intensiver präsentiert hatte.
Börsenvereins-Geschäftsführer Peter Kraus vom Cleff wies trotz der Einigung beim Thema E-Lending darauf hin, wie komplex das Thema im Spannungsfeld zwischen Nutzerinteressen und Verlagswirtschaftlichkeit bleibe.
Jo Lendle, Verleger des Hanser Verlags und Vorsitzender des Fachausschusses Verlage, verdeutlichte, dass die Verlage die Kennzeichnungspflicht von KI-generierten Inhalten sowie die Schwierigkeiten bei den Druckereien weiterhin intensiv beschäftigen. Dies griff auch Jessica Sänger auf, die zwar den AI Act grundsätzlich lobte, bei dessen Umsetzung aber Lücken erkannte. „Man untergräbt gute Regelungen durch unpräzise Vorschriften und eine fatale Schonfristpolitik.“ Die Branche erwarte Klarheit – insbesondere bei der Transparenzpflicht von KI-Trainingsdaten und der Wahrung von Urheberrechten.
Auch beim Thema Late Payment Regulation wurde Tacheles gesprochen: Der erste Entwurf sei misslungen, es bestehe aus Sicht des Börsenvereins kein Regelungsbedarf, was die Mitglieder durch ihre Teilnahme an der Konsultation bis 25. September ebenfalls möglichst zum Ausdruck bringen sollten.
Außerdem treibt die Branche weiterhin die EU-Verordnung zur Entwaldungsfreiheit (EUDR) weiter um, insbesondere die Frage, welche Pflichten auf Verlage, Druckereien und Händler:innen zukommen. Martina Stemann, die u.a. für das Thema Nachhaltigkeit zuständig ist, und Detlef Bauer, der sich u.a. mit Produktmetadaten beschäftigt, erläuterten die Anforderungen rund um das Due-Diligence-Statement (DDS), das ab Ende 2025 für größere, ab Juli 2026 auch für kleinere Unternehmen verpflichtend ist. „Die Lieferkette muss dokumentiert und die nachhaltige Bewirtschaftung der genutzten Rohstoffe belegt werden“, so Bauer. Er schlug einen Meldeschlüssel über das VLB vor.
Rechtsanwältin Susanne Barwick informierte zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Die Buchbranche sei insgesamt gut vorbereitet und wurde von offizieller Seite gelobt. Doch auch hier bleiben Fragen: Wie sieht es mit der Backlist aus? Müssen Bibliotheken einbezogen werden? Und wann kommt endlich das nationale Umsetzungsgesetz? Parallel dazu warten viele Akteur:innen auf echte Entbürokratisierung. Zwar wird diese von der Politik angekündigt, konkrete Schritte fehlen jedoch noch.
Peter Kraus vom Cleff zeichnete ein nüchternes Bild der Bundespolitik: Beim Kulturpass herrsche Stillstand, die Förderprogramme wie der Verlags- oder Buchhandlungspreis stünden jedoch immerhin nicht infrage, doch bei der Verlagsförderung bleibe es zäh: „Dicke Bretter müssen gebohrt werden.“ Beim Thema KI und Plattformbesteuerung gebe es Bewegung aber noch nichts Konkretes. Dass die Buchpreisbindung aktuell kein Thema sei, wirke fast schon beruhigend – angesichts eines politischen Betriebs, der insgesamt als unentschlossen wahrgenommen wird.
Stefanie Herr von der IG Digital präsentierte, was in Sachen Weiterbildung und Zukunftsarbeit passiert, von Webinaren (z. B. zur KI am 2. Oktober) bis zum Digitalen Wissenshub mit Artikeln und Whitepapers.
Abschließend wurde die Nachwuchsarbeit des Verbands mit Mentor:innenprogramm, Nachwuchscamp und den Zukunfts-AGs vorgestellt.