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Autor Uwe Timm verabschiedet KiWi-Veranstaltungsfrau Susanne Beck in den Ruhestand

Susanne Beck (Foto: Michael Roehrig)

Rund 30 Jahre betreute Susanne Beck die Veranstaltungen des Verlags Kiepenheuer & Witsch. An ihrem letzten Arbeitstag verabschiedet sie sich heute in den Ruhestand. Der Autor Uwe Timm dankt ihr für die jahrelange gute Zusammenarbeit:

„Und jetzt verlässt sie uns. Gute dreißig Jahre hat Susanne Beck, nach einer Buchhandelslehre, die Lesungen der Autorinnen und Autoren des KiWi-Verlags organisiert, ja betreut. Und gute fünfundzwanzig Jahre haben wir zusammengearbeitet, wir sind also zusammen älter geworden. Sie hat meine ersten Lesungen organisiert, darunter auch linke Buchhandlungen, wo mir schon mal Matratzenlager angeboten wurden und die Zuhörerzahl überschaubar war, später hat sie die größeren und großen Lesungen abgesprochen und, um es gleich zu sagen, mit einer Ausnahme hat es in all den Jahren nie ein Problem gegeben. Es war diese stille, perfekte Arbeit, mit der sie die Termine sinnvoll koordinierte, die Verträge absprach und die Reisepläne aufeinander abstimmte. Das setzt Erfahrung und Einfühlungsvermögen voraus, wo welcher Autor zu welcher Veranstaltung passt, sich beide wohlfühlen, der Veranstalter, Buchhändlerin oder Buchhändler, und der Autor, das Terrain muss bereitet werden, damit Zuhörer kommen, die Presse erscheint, und dann muss man noch wissen, wer abgeholt und an die Haustür zurückgebracht werden muss.

Wie kompliziert, ja extravagant die Wünsche mancher Kollegen sind, habe ich staunend erst aus dem in der FAZ erschienenen Bericht „Wir Unsichtbaren“ erfahren, über die Frauen – und es sind nur Frauen –, die in den Verlagen die Lesungen organisieren. Fünf Frauen aus fünf Verlagen haben da aus dem Nähkästchen geplaudert. Was Susanne wohl alles erlebt hat mit ihren Schützlingen aus dem Haus Kiepenheuer & Witsch, frage ich mich nach der Lektüre. Sie hat nie gejammert, nie über andere Autoren, ich benutze das generische Substantiv, geplaudert. So intim lernen andere Verlagsmitarbeiter, einmal abgesehen vom Lektor, nie die Autoren kennen. Da entstehen regelrechte Partnerschaften. Der oder die Lesende ist unter Stress, kommen die Zuhörer, wird der Saal nur halbvoll, werden dumme oder kluge Fragen gestellt? Darauf hatte Susanne keinen Einfluss. Aber gab es besondere Wünsche? Ökologischen Rotwein aus der Maremma? Musste unbedingt nach Geschäftsschluss noch eine weiche Zahnbürste für eine Autorin besorgt werden? Musste sie einmal einen tobenden Autor niederringen?

Ich bin, das darf ich sagen, ein pflegeleichter Autor, komme, lese, fahre weiter – nur das Hotel muss gut sein. Nie ist etwas Dramatisches passiert, bis auf diese eine Ausnahme. Ich saß, auf dem Weg zu einer Lesung im Zug, sagen wir Richtung Tübingen, als Susanne anrief und mich fragte, ob man mich in Bielefeld abholen solle. Was, wieso Bielefeld?, ich fahre nach Tübingen. Nein, Du liest heute in Bielefeld. Ich hatte eine Lesung in Tübingen zugesagt und vergessen, es ihr zu melden. Der Autor liest an zwei verschiedenen Orten zur selben Zeit, was gegen die Grundregel der Logik verstößt. Sie blieb am Telefon ganz ruhig. Und das ist eine weitere ihrer zahlreichen Tugenden, heiter beruhigend sagte sie: Mach Dir keine Sorgen, ich regle das.

Sie hat es tatsächlich, in der ihr eigenen freundlichen, ruhigen Art, geregelt. Der Buchhändler war zwar entsetzt, aber nicht verstimmt. Die Lesung habe ich ein paar Monate später nachgeholt.

Vielleicht schreibt Susanne Beck jetzt ihre Memoiren. Ich würde sie mir wünschen und wäre gewiss einer der ersten Leser.

Liebe Susanne, ich – wir – die Autorinnen und Autoren von KiWi, werden Dich und Deine so einfühlsame wie entschiedene Fürsorge vermissen.

Uwe Timm

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