
Mona Lang leitet das neue Imprint von Kiepenheuer & Witsch, kiwi space, das sich mit einem Community-Ansatz an die Zielgruppe der 20- bis 30-Jährigen richtet. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was das konkret bedeutet.
BuchMarkt: Neue Imprints für die New-Adult-Zielgruppe gibt es inzwischen viele. Was ist Ihr Gedanke hinter kiwi space?
Mona Lang: Diese Zielgruppe muss ganz anders angesprochen werden als über klassische Vertriebs- und Pressestrategien. Da geht es um Communitybuilding, vor allem in den sozialen Netzwerken, aber auch über Newsletter und neue Veranstaltungskonzepte. Daher wollten wir ein eigenes Imprint gründen, das freier agieren kann. So entstand kiwi space, das auch nach der Umbenennung aus markenrechtlichen Gründen von der Community extrem positiv aufgenommen wurde.
Wer konkret ist die Community?
Das ist eine berechtigte Frage – „Community“ ist ein Begriff, der schnell schwammig wird. Für uns ist das zuerst einmal ganz konkret unsere Follower:innenschaft auf Instagram und TikTok, aktuell etwa 6.000 auf Instagram. Dazu kommen die Newsletter-Abonnent:innen, Buchblogger:innen, Buchhändler:innen, die mit uns zusammenarbeiten, und alle, die sich mit unserem Imprint verbunden fühlen.
Uns geht es aber nicht nur um digitale Reichweite. Wir wollen echte Begegnungen schaffen – bei Book Walks, Silent Reading Partys oder auf der Buchmesse. Kürzlich haben wir unseren ersten Book Walk in Köln veranstaltet, bei dem Leser:innen mit unserem Team durch die Buchhandlung Litty und die Stadt spaziert sind und danach unseren Verlag besucht haben. Die 40 Tickets waren innerhalb eines Tages ausverkauft. Solche Formate wollen wir ausbauen.
Sie haben zum Start ein Abo-Modell angeboten – wie kam das an?
Das war tatsächlich eine spontane Idee, die wir einfach ausprobiert haben. Man konnte die fünf Bücher des ersten Programms im Abo bestellen und erhielt sie dann jeweils zwei Tage vor dem offiziellen Erscheinungstermin – mit Goodie und handgeschriebener Post. Die Bücher sind ja doch sehr unterschiedlich – von Romance bis Horror, von Sachbuch bis Healing Fiction. Trotzdem haben die Leute gesagt: „Ich will das alles lesen.“ Das bestätigt unsere These: (Junge) Leser:innen lassen sich nicht mehr so leicht in Genre-Schubladen stecken. Sie sind offen – wenn sie das Gefühl haben, jemand kuratiert mit Verstand und Haltung.
Das klingt nach einem sehr anderen Ansatz als im klassischen Kiwi-Programm. Wie fügt sich kiwi space in den Gesamtverlag ein?
Das war natürlich eine unserer wichtigsten Fragen in der Planungsphase. Wir wollten verhindern, dass die Marke Kiwi verwässert. Deswegen haben wir uns ganz bewusst für ein eigenständiges Imprint entschieden – mit eigener Struktur, eigenem Marketing, eigenem Auftritt.
Trotzdem ist uns wichtig: Wir machen keine Bücher, nur weil sie gerade auf TikTok funktionieren. Alle Titel durchlaufen ein strenges Lektorat und eine inhaltliche Qualitätskontrolle. Das unterscheidet uns vielleicht von manch anderem Imprint, das ausschließlich auf Trends setzt. Wir fragen uns immer: Ist das etwas Besonderes? Passt es zu uns? Würden wir das selbst gerne lesen?
Wie beeinflusst diese neue Arbeit Ihre Rolle?
Ich trage gerade tatsächlich mehrere Hüte: Ich leite die internationale Literatur bei Kiwi, bin Teil der Geschäftsleitung, betreue Autor:innen wie Thomas Melle und Sophie Passmann und verantworte kiwi space. Vor ein paar Wochen standen wir mit einem Romance-Titel von kiwi space auf Platz 10 der Bestsellerliste, gleichzeitig war Thomas Melle auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Für mich ist das das größte Glück, so arbeiten zu dürfen.
Was ist als Nächstes geplant?
Wir werden das Abo-Modell fortführen, unsere Events weiterentwickeln und neue Formate ausprobieren. Im November feiern wir eine kleine kiwi space-Party bei uns im Verlag, das zweite Programm ist gerade angekündigt und wir arbeiten fleißig am dritten. Es lohnt sich also, uns bei Instagram und TikTok zu folgen und Teil von kiwi space zu werden.
Die Fragen stellte Hanna Schönberg