
Die Kompliz:innen haben sich innerhalb der Buchhandelsverbundgruppe eBuch als Arbeitsgruppen von Buchhändler:innen zu verschiedenen Themen zusammengeschlossen. In einer Kolumne bei BuchMarkt berichten sie von drängenden Themen, die sie beschäftigen. Dieses Mal erläutert Tanja Drecke von der Buchhandlung Schwarz auf Weiß in Buxtehude, warum Geschenke einpacken bei ihr jetzt Geld kostet.
Die Weihnachtszeit rückt näher und der Tag fängt für mindestens eine von uns damit an, die vielen schönen Bücher der Kund:innen in liebevoll eingepackte Geschenke zu verwandeln. Ein Grund, warum wir in dieser Zeit extra Personal vorhalten. Dieses Jahr haben wir bereits über 1.000 Geschenke verpackt. In der Vorweihnachtszeit vervielfacht sich das Ganze dann noch mal erheblich. Nach dem letzten Weihnachtsgeschäft haben wir daher eine Entscheidung getroffen:
Bei uns kostet das Einpacken 50 Cent pro Geschenk.
Nicht nur steigende Papierpreise, Personalkosten, Energiekosten etc. haben diese Entscheidung beeinflusst, sondern auch der Wunsch danach, dass diese Zusatzarbeit auch finanziell wertgeschätzt wird. Das kostenlose Angebot hat bei einigen Menschen nämlich durchaus dazu geführt, sich das Buch für sich selbst einpacken zu lassen, damit sie zuhause etwas zum Auspacken haben oder sich für die sieben gekauften Bücher, sieben Bögen Papier mitgeben zu lassen, damit sie noch einmal in die Bücher reinschauen können.
Dabei bezieht sich unser Preis nicht nur auf das Geschenkpapier selbst, sondern vor allem auf die aufgewendete Zeit und die versteckten Mühen dahinter, die vielen vermutlich nicht bewusst sind. Denn mit dem bloßen Einpacken ist es noch lange nicht getan. Es beginnt bereits bei der Auswahl des Geschenkpapiers…
Jedes Jahr setzen wir uns aufs Neue hin und suchen geeignetes Geschenkpapier aus. Passend zu den Jahreszeiten sollte es sein, möglichst nachhaltig, vielseitig, robust und mehrere Designs, damit die Kund:innen etwas zum Aussuchen haben. Das extra Kinderpapier darf natürlich auch nicht fehlen.
Dann brauchen wir passendes Geschenkband dazu, ebenfalls möglichst nachhaltig und in verschiedenen Farbvarianten. Meistens gibt es dann noch kleine Herzanhänger, Weihnachtssterne oder Blumenkärtchen zum Verzieren dazu. Wie oft hören wir: „Sie packen die Geschenke immer so schön ein.“, „Sie haben das schönste Geschenkpapier in ganz Buxtehude.“ etc..
Sind alle Utensilien bereit, geht es ans Einpacken. Etwas, was in großen Ketten oft schon gar nicht mehr angeboten wird. Möglicherweise gibt es noch eine separate Einpackstation, an der sich Kund:innen anstellen können, um ihre Geschenke selbst einzupacken. Also warum entschuldigen wir uns manchmal trotzdem noch dafür, wenn wir Kund:innen auf unsere Einpackgebühr hinweisen?
Interessanterweise gibt es im Schulbuchgeschäft keinerlei Beschwerden, obwohl die Einschlaggebühr der Schulbücher und Arbeitshefte deutlich über 50 Cent liegt. Denn meist sind die Eltern einfach nur froh, es nicht selbst machen zu müssen und nehmen die Extrakosten gern in Kauf. Also warum ist es beim Geschenke einpacken so anders?
Eine Frage, die wir uns noch nicht genau beantworten konnten. Vielleicht liegt es daran, dass das Einschlagen der Schulbücher immer schon Geld gekostet hat, während das Geschenkeeinpacken immer kostenlos war. Das würde vielleicht auch erklären, warum die jüngeren Kund:innen überhaupt kein Problem mit der finanziellen Wertschätzung unserer Arbeit haben. Für sie ist es viel selbstverständlicher, dass Serviceleistungen auch Geld kosten.
Unsere Arbeit ist es wert bezahlt zu werden! Schließlich können wir nur deshalb Bücherhändlerinnen sein, weil Bücher unsere Leidenschaft sind. Wir brauchen jede Menge Zeit neben der Arbeitszeit, um zu lesen (es gibt Schlimmeres 😉), wir führen auch gern lange Beratungsgespräche, weil wir „Book-Talk“ lieben, wir bilden uns fort, um Social Media, E-Rechnungen etc. bedienen zu können, wir sind für viele Menschen Gesprächspartner und wir sind ein Wohlführort, ein Safe Space, ein Ort der Begegnung und der Kultur. Zum Glück sieht der Großteil unserer Kund:innen das genauso.
Eine Antwort
Danke fuer den sehr informativen Beitrag . Da stimme ich Ihnen 100 % zu . Gruesse aus New York