Markt & Marketing JIM-Studie 2025 zur Mediennutzung von Jugendlichen zeigt: KI boomt aber Bücher bleiben überraschend stabil

Die JIM-Studie untersucht seit 1998 das Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen. Für die aktuelle Ausgabe haben der der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs), eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, der Medienanstalt Rheinland-Pfalz und des Südwestrundfunks, 1.200 Jugendliche im Alter von zwölf bis 19 Jahren zwischen dem 02. Juni und dem 12. Juli 2025 mittels telefonischer Interviews (50 %) und Online-Fragebögen (50 %) befragt.

Als eine der zentralen Erkenntnisse der Studie wird in einer Pressemitteilung die Bedeutung von KI hervorgehoben. Ganze 91 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzen demnach Anwendungen mit Künstlischer Intelligenz in ihrem Alltag. Doch auch für das Nutzungsverhalten von Büchern liefert die JIM-Studie 2025 spannende Erkenntnisse: Gedruckte Bücher bleiben ein fester Bestandteil der Medienwelt junger Menschen – trotz und aufgrund von TikTok, Streaming und Gaming.

Der langfristige Vergleich zeigt ein bemerkenswert konstantes Bild: Das regelmäßige Lesen gedruckter Bücher oder Comics – ohne Schullektüre – hält sich über die letzten zehn Jahre erstaunlich stabil. Besonders bei Jungen zeigt sich hier eine Kontinuität, die angesichts der wachsenden digitalen Konkurrenz überrascht.

Aktuell geben 84 Prozent der befragten Jugendlichen an, zumindest selten ein Buch aufzuschlagen. 35 Prozent lesen sogar regelmäßig, also täglich oder mehrmals pro Woche. Weitere 20 Prozent greifen wöchentlich oder zweiwöchentlich zu einem Buch, knapp 30 Prozent tun dies monatlich oder seltener. Der Anteil der Nichtleser:innen liegt bei 16 Prozent – und damit weiterhin auf moderatem Niveau.

Mädchen lesen allerdings weiterhin häufiger und regelmäßiger als Jungen. 42 % der Mädchen lesen mehrmals pro Woche, bei den Jungen sind es 28 %. Und auch bei den Nichtleser:innen zeigt sich ein klares Gefälle: 20 % der Jungen lesen überhaupt nicht, bei den Mädchen sind es nur 11 %.

Auch im Altersverlauf wird eine klare Tendenz sichtbar: Jüngere lesen häufiger. Während 45 Prozent der 12- bis 13-Jährigen zu den regelmäßigen Leser:innen zählen, sind es in der Altersgruppe der 18- bis 19-Jährigen nur noch 27 Prozent.

Die Schulform wirkt sich spürbar auf das Leseverhalten aus. Während auf dem Gymnasium 37 % regelmäßige Leser:innen und 12% Nichtleser:innen sind, besuchen die Haupt- und Realschule 30% regelmäßige Leser:innen und 23% Nichtleser:innen.

Lesedauer sinkt deutlich

Ein deutlicher Rückgang zeigt sich bei der durchschnittlichen Lesedauer:
2025 lesen Jugendliche werktags im Schnitt nur noch 49 Minuten, ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr (61 Minuten).

Dabei lesen Mädchen im Schnitt 61 Minuten pro Tag und kommen damit fast auf den doppelten Wert der Jungen (38 Minuten). Der Rückgang zeigt sich zwar bei beiden Geschlechtern, fällt bei Jungen jedoch mit –15 Minuten besonders stark aus (Mädchen: –9 Minuten).

Etwas mehr als die Hälfte der Jugendlichen gab zum Befragungszeitpunkt an, aktuell ein Buch zu lesen. Zwischen Jahresbeginn und Juni/Juli 2025 lasen Jugendliche im Mittel rund sieben Bücher – also etwa eines pro Monat.

Die Streuung ist dabei groß: 28% lasen ein bis zwei Bücher, rund ein Viertel drei bis fünf Bücher, ein weiteres Viertel mehr als fünf, 20% hatten bis zur Befragung noch kein Buch gelesen.

E-Books bleiben Nische

Trotz zunehmender Digitalisierung und der starken Nutzung von KI spielen E-Books bei Jugendlichen weiterhin eine Nebenrolle: Nur 34% nutzen E-Books überhaupt (2024: 38 %). Zwei Drittel lesen digitale Bücher nie. 16% greifen mindestens alle zwei Wochen zu einem E-Book.

Lesen im Kontext des Medienalltags

Im Gesamtbild der jugendlichen Medien- und Freizeitnutzung behauptet sich das Buch in einer hochdigitalen Welt erstaunlich gut. Doch die Konkurrenz ist groß:

  • 96% nutzen täglich das Internet
  • 93% hören regelmäßig Musik
  • 83% schauen regelmäßig Videos im Netz
  • 70% spielen mehrfach pro Woche digitale Spiele oder streamen Serien
  • Das Smartphone bleibt mit 98% das zentrale Medium.

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