Die Medienunternehmen Die Welt, Radio 3 RBB, Neue Zürcher Zeitung und ORF-Radio Österreich 1 stellen monatlich die „Sachbücher des Monats“ zusammen. Dieses Mal dabei:
1. Willi Winkler: Hannah Arendt. Ein Leben, Verlag Rowohlt Berlin, 509 Seiten, € 32,00
2. Mirjam Schaub: Radikalität und der Riss zwischen Theorie und Praxis. Eine unerhörte Kulturphilosophie; Radikalität und der Mut zum Gebrauch des eigenen Lebens, 2 Bände, Felix Meiner Verlag, zusammen 848 Seiten, 94,00 €
3. Helmut Kiesel: Schreiben in finsteren Zeiten. Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933 – 1945, C. H. Beck Verlag, 1392 Seiten, € 68,00
4. Julian Nida-Rümelin: Der Epochenbruch. Auf dem Weg in eine neue Weltordnung, Verlag Matthes & Seitz Berlin, 102 Seiten, € 12,00
5. Aladin El-Mafaalani: Misstrauensgemeinschaften. Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologien, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 128 Seiten, € 16,00
6. Erika Thomalla: Gegenwart machen. Eine Oral History des Popjournalismus, Schöffling Verlag, 256 Seiten, € 36,00
7.-8. Alice Ceresa: Kleines Wörterbuch der weiblichen Ungleichheit. Übersetzt von Sabine Schulz, Diaphanes Verlag, 136 Seiten, € 18,00
Manon Garcia: Mit Männern leben. Überlegungen zum Pelicot-Prozess. Übersetzt von Andrea Hemminger, Suhrkamp Verlag, 195 Seiten, € 20,00
9. Susanne Baer: Rote Linien. wie das Bundesverfassungsgericht die Demokratie schützt, Herder Verlag, 384 Seiten,
€ 22,00
10. Florian Illies: Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary, S. Fischer Verlag, 336 Seiten, € 26,00
Besondere Empfehlung des Monats Dezember: Dr. Franziska Augstein (Autorin/Publizistin): Sebastian Haffner: Geschichte eines Deutschen. Die Erinnerungen 1914 – 1933, Pantheon Verlag, 304 Seiten, € 20,00
Der Publizist Sebastian Haffner (1907 bis 1999) hat bis heute einen guten Namen. Als wertkonservativer Verfechter liberaler Rechtsstaatlichkeit personifizierte er, was man als den Kern, ja den Konsens der Bonner Republik bezeichnen kann. Seine Bestseller über die „verratene Revolution“ 1918/19, über die Weimarer Republik, Hitler und Churchill sind unvergessen. Mochten auch einige seiner Thesen nicht haltbar sein, zu ihrer Zeit machten sie Furore, weil sie beides waren: klug und zugespitzt. Sein letztes Werk, „Geschichte eines Deutschen“, das postum 2000 erschien, ist mindestens so mitreißend wie seine berühmten Bücher; anders als diese ist es ein frappierend hellsichtiges, autobiographisches Zeitdokument. Anfang 1939 – im Vorjahr war er nach England emigriert – verfasste Haffner seine Erinnerungen an die Jahre von 1914 bis zu Hitlers Machtübernahme. Anhand seiner Erlebnisse als junger, in eine Jüdin verliebter Berliner Jurist schildert er, wie seine Landsleute sich mit dem Nazi-Wesen einrichteten: mit dem Militarismus, der Judenverfolgung, dem alltäglichen Terror. Wie konnte „ein großes Volk, das immerhin nicht nur aus Feiglingen besteht, widerstandslos der Schande verfallen“? Anschaulicher und zupackender ist das noch selten erklärt worden. Haffners Buch ist die „Geschichte eines Deutschen“, im Grunde aber erzählt es auch von der Natur des Menschen. (Franziska Augstein)
Die Jury: Tobias Becker, Der Spiegel; Natascha Freundel, radio 3 vom rbb; Dr. Eike Gebhardt, Berlin; Knud von Harbou, Feldafing; Prof. Jochen Hörisch, Unversität Mannheim; Günter Kaindlstorfer, Wien; Dr. Otto Kallscheuer, Sassari, Italien; Petra Kammann, FeuilletonFrankfurt; Jörg-Dieter Kogel, Bremen; Dr. Wilhelm Krull, Hamburg; Marianna Lieder, Berlin; Lukas Meyer-Blankenburg, Redaktion Das Wissen, SWR; Gerlinde Pölsler, Der Falter, Wien; Marc Reichwein, DIE WELT; Thomas Ribi, Neue Zürcher Zeitung; Prof. Dr. Sandra Richter, Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar; Wolfgang Ritschl, ORF Wien; Florian Rötzer, krass-und-konkret, München; Norbert Seitz, Berlin; Mag. Anne-Catherine Simon, Die Presse, Wien; Prof. Dr. Philipp Theisohn, Universität Zürich; Dr. Andreas Wang, Berlin; Prof. Dr. Harro Zimmermann, Bremen; Stefan Zweifel, Zürich.