
Acht Berliner Buchhändlerinnen haben Ende 2025 die IG Indie-Buchläden in Berlin gegründet, von denen sechs der Verbundgruppe eBuch angehören, um gemeinsam auf die gesellschaftliche Bedeutung von unabhängigen Buchhandlungen aufmerksam zu machen. Im BuchMarkt-Interview erklärt eine der Initiatorinnen, Stefanie Hirsbrunner von der Buchhandlung Interkontinental, wie die neue Interessengemeinschaft entstanden ist, was sie antreibt und was sich aus ihrer Sicht dringend ändern muss.
BuchMarkt: Inhaberinnen unabhängiger Buchhandlungen sind zunächst Einzelkämpferinnen. Wie haben sich Ihre acht Unternehmen gefunden und zusammengeschlossen?
Stefanie Hirsbrunner: Als Geschäftsführerin ist man erst einmal ziemlich allein unterwegs, aber dass wir alle inhaberinnengeführt und unabhängig sind verbindet uns. Gerade weil wir selbst bestimmen, was wir ins Regal stellen, was wir empfehlen und wofür wir stehen, haben wir schnell gemerkt, dass wir viele gemeinsame Interessen teilen und der Austausch hilfreich ist. Ursprünglich hatte Christina Galandi von der Buchhandlung ebertundweber einen Stammtisch angeregt. Bei diesem wurde es dann aber schnell politisch und wir haben gemerkt, es braucht mehr als das, die Idee der IG war geboren, bewusst offen ohne eine Gesellschaftsform. Fragen nach Vereinsgründung oder Rechtsform haben wir nach hinten gestellt. Uns geht es um Inhalte, nicht um Bürokratie. Viele kleine Buchhandlungen sind ohnehin schon enorm belastet – Förderanträge, Preise, Verwaltungsaufwand. Wir wollen handlungsfähig bleiben und nicht noch mehr formale Hürden aufbauen.
BuchMarkt: Können sich weitere Buchhandlungen anschließen?
Ja, unbedingt. Wir sind bereits mit weiteren Buchhandlungen im Gespräch. Aktuell starten wir bewusst in Berlin, weil wir hier arbeiten und die Bedingungen kennen. Perspektivisch ist der Austausch mit Buchhandlungen aus kleineren Städten oder ländlichen Regionen aber sehr spannend.
BuchMarkt: Nun gibt es ja bereits ähnliche Interessensgruppe wie die IG unabhängiges Sortiment des Börsenvereins oder verschiedenste erfa-Gruppen. Weshalb haben Sie sich dennoch für eine Neugründung entschieden?
Viele von uns sind Mitglied im Börsenverein, einige auch ehrenamtlich engagiert. Aber der Börsenverein hat eine andere Funktion und Struktur. Und wir fragen uns ehrlich, ob wir mit unseren konkreten Anliegen dort ausreichend repräsentiert sind. Uns geht es um die spezifische Situation der Kiezbuchhandlungen in einer Stadt wie Berlin, um schnelles Handeln, um eine gemeinsame Stimme vor Ort. Das schließt andere Strukturen nicht aus, ergänzt sie aber.
BuchMarkt: Was haben Sie sich konkret als Aufgabe vorgenommen?
Wir wollen vor allem Aufklärungsarbeit darüber leisten, was Buchhandlungen ausmacht, denn wir tun weit mehr als Bücher zu verkaufen und das wissen viele Menschen gar nicht. Viele Kundinnen und Kunden verstehen nicht, was „unabhängig“ konkret bedeutet und warum wir nicht mit Dumpingpreisen großer Online-Anbieter mithalten können. In den Kiezen finden Gespräche statt, Nachbarschaften entstehen, Menschen kommen zusammen. Kleine Buchhandlungen sind auch Orte gegen Einsamkeit. Diese Rolle wird politisch kaum anerkannt weder strukturell noch finanziell.
BuchMarkt: Wie soll diese Aufklärungsarbeit konkret aussehen?
Das ist eine der zentralen Fragen, an denen wir gerade in Arbeitsgruppen arbeiten. Klar ist: Wir wollen wachsen und weitere Buchhandlungen einbinden. Gleichzeitig geht es darum, unsere Inhalte zu schärfen und konkrete nächste Schritte zu definieren. Ein wichtiger Baustein wird ein „Runder Tisch“ sein, zu dem wir politische Akteur:innen und große Veranstaltungsplayer:innen in Berlin einladen wollen. Wir erleben beispielsweise immer wieder, dass kleine Buchhandlungen bei großen Literaturveranstaltungen nicht mitgedacht werden, obwohl wir mit Büchertischen etwa genauso partizipieren können wie Großbuchhandlungen. Gleichzeitig fühlen wir uns politisch kaum wahrgenommen oder wertgeschätzt.
Neben dem Runden Tisch wollen wir weitere Veranstaltungen, Kampagnen und Kooperationen durchführen. Wichtig ist uns auch, positive Beispiele sichtbar zu machen. Die Branche spricht oft nur über Krisen, dabei gibt es viele Buchhandlungen, die kreativ sind, sich neu erfinden, wachsen. Das wollen wir zeigen und haben die letzten Wochen bereits viel Pressearbeit gemacht.
BuchMarkt: Was erwarten Sie von der Politik?
Da gibt es viele Ansatzpunkte. Ein zentrales Problem ist: Unsere Kosten steigen – Mieten, Energie, Löhne –, aber unsere Einnahmen können wir nicht anpassen, weil die Buchpreisbindung gilt. Die schätzen wir sehr, aber sie muss durch andere Instrumente flankiert werden. Wenn Gewerbemieten explodieren, hilft die Buchpreisbindung allein nicht. Außerdem brauchen wir die Anerkennung als Kulturorte. Warum können Buchhandlungen keine Projektförderungen beantragen? Warum müssen Preisgelder versteuert werden? Warum gibt es keine gezielte Unterstützung für Lesungen, obwohl wir wöchentlich Veranstaltungen machen?
Buchhandlungen werden dem Einzelhandel zugeordnet, dabei unterscheiden wir uns fundamental von einem Jeansladen. Wir sind Orte der Kultur, der Begegnung, der Demokratie.
Die Fragen stellte Hanna Schönberg
Eine Antwort
bitte den Blocksatz wieder leserlich machen, eventuell muss es dann doch Flattersatz sein. Die riesigen Löcher stören wirklich den Lesefluss!
Danke und Gruß
Angelika Kerscher