Zur aktuell in Düsseldorf laufenden Einzelhandelsmesse EuroShop (22.2.-26.2.26) richtet sich der Blick des Handels wieder auf Technologien, Store-Konzepte und Best Practices. Begleitend zur Messe stellt das EHI Retail Institute mehrere aktuelle Studien vor und hat im Rahmen der reta awards 2026 innovative Handelslösungen ausgezeichnet. Auch wenn viele Beispiele aus dem Lebensmittel- und Nonfood-Großflächenhandel stammen, sind die Erkenntnisse auch für den Buchhandel interessant, der mindestens oft Nachbar solcher Konzepte ist. Außerdem befindet sich mit Thalia unter den Preisträger:innen auch ein Unternehmen aus der Branche.
Checkout wird zur Plattform
Zunächst zeigt die Studie „Checkout-Trends 2026“, dass sich der klassische Kassenplatz zunehmend zu einer vernetzten, KI-gestützten Plattform entwickelt. 904.300 Kassensysteme seien aktuell im Handel im Einsatz (2024: 931.000), verteilt auf 473.700 Betriebe. Der Rückgang ist auch eine Folge von Standortschließungen und dem anhaltenden Druck durch den Onlinehandel.
Als zentrale Erkenntnis lässt sich u.a. festhalten:
- KI-Unterstützung am Checkout: 60 Prozent der befragten Händler:innen sehen hier den größten Handlungsbedarf (2024: 33 Prozent). KI könne Prozesse beschleunigen, Fehler reduzieren und Zusatzverkäufe unterstützen – etwa durch automatisierte Empfehlungen oder Loyalty-Integrationen.
- Self-Checkout und Self-Scanning: 56 Prozent setzen auf Self-Service-Lösungen. Gerade in frequenzstarken Innenstadtlagen oder bei Filialisten könnten Self-Checkout-Stationen Wartezeiten reduzieren und Personal entlasten.
- Mobile Kassenlösungen: 48 Prozent planen den verstärkten Einsatz mobiler Geräte mit Kassenfunktion. Beratung und Abschluss können damit direkt am Regal oder bei Veranstaltungen erfolgen.
Der Modernisierungsdruck sei hoch: Die Hardware ist im Schnitt 5,9 Jahre alt, die Software 6,9 Jahre. 88 Prozent der Händler:innen planen in den kommenden zwei Jahren Veränderungen an der Kassenhardware, rund die Hälfte einen Softwarewechsel. Auffällig ist der Trend zu stärker individualisierten Lösungen, die sich nahtlos in Warenwirtschaft, CRM und Omnichannel-Strukturen integrieren lassen.
Investitionen in den Ladenbau: Qualität trotz Sparzwang
Die zweite EHI-Studie, „Laden-Monitor 2026“, zeigt ein ambivalentes Bild. Die Gesamtinvestitionen des deutschen Einzelhandels in Neu-, Aus- und Umbauten beliefen sich 2025 auf 7,02 Mrd. Euro – ein Rückgang um 23 Prozent gegenüber 2023. Bestandsoptimierung hat klar Vorrang vor Expansion.
Während im Lebensmittelhandel vor allem in energieintensive Kältetechnik investiert wird, sinken im Modehandel die Kosten für Neueinrichtungen deutlich. Aber: Ein hochwertiges Ladenbild bleibt eine wichtige Zielgröße, auch unter Kostendruck und Nachhaltigkeit und Wiederverwendung gewinnen an Bedeutung.
Im Schnitt werden nach Umbauten 50 Prozent der bestehenden Einrichtungen weitergenutzt; 42 Prozent der Händler:innen arbeiten bereits mit zirkulären Systemen oder entsprechenden Lieferant:innen. Längere Nutzungszyklen, Materialeinsparungen und Upcycling prägen die Planungskultur.
Gerade inhabergeführte Buchhandlungen, die in den vergangenen Jahren in Aufenthaltsqualität, Café-Integration oder Eventflächen investiert haben, dürften diese Entwicklung bestätigen: Investiert wird gezielter, nachhaltiger und mit stärkerem Fokus auf Multifunktionalität der Fläche.
reta awards: KI und Mitarbeiter:innenunterstützung als Schlüssel
Zum 19. Mal wurden im Rahmen der Messe die reta awards verliehen. Unter den Preisträger:innen finden sich zahlreiche KI- und Smart-Store-Anwendungen. Das Buchhandelsunternehmen Thalia wurde in der Kategorie „Employee Empowerment“ ausgezeichnet. Konkret prämiert wurde sein Programm „Minerva“ – ein KI-gestützter Empfehlungsassistent für Mitarbeitende im stationären Handel. Die auf iPads genutzte Webanwendung greift auf verschiedene Datenquellen zu und unterstützt bei Produktsuche und Beratung. Damit soll KI nicht als Ersatz, sondern als Verstärker der persönlichen Beratung positioniert werden.
Auch andere prämierte Lösungen – von intelligenter Preisoptimierung über Omnichannel-Fulfillment bis zu KI-gestützter Objekterkennung – zeigen: Datenqualität, Systemintegration und Echtzeitfähigkeit werden zum Wettbewerbsfaktor.
Fazit: Technologie als Mittel zur Profilierung
Die auf der EuroShop präsentierten Studien und Best Practices machen deutlich:
- Der Checkout wird digitaler, flexibler und KI-gestützt.
- Investitionen verlagern sich von Expansion zu Optimierung.
- Nachhaltigkeit und Kostenbewusstsein prägen den Ladenbau.
- KI-Anwendungen unterstützen zunehmend Mitarbeitende im Verkauf.
Für den Buchhandel bedeutet das keinen radikalen Systembruch, wohl aber eine strategische Weichenstellung. Wer Beratungskompetenz mit intelligenter Technologie verbindet, Prozesse verschlankt und zugleich ein attraktives, nachhaltiges Ladenbild bietet, könnte seine stationären Stärken ggf. weiter ausbauen, auch in einem Marktumfeld, das insgesamt von Konsumzurückhaltung und strukturellem Wandel geprägt ist.