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Der Messe-Mayer Leipzig 2026, Tag 4 von 5

Samstag: Mangaschmankerl, Nudelzettel und Vetter Itt

Liebe Freunde,

nach der Sonne letzter Tage ist es heute wieder frischer, kühler, windiger. Das Samstagpublikum ist früh und zahlreich auf den Beinen. Schon weit vor dem Eingang sind das bereits die Mengen der Eintreffenden, die von Zug, Bus und S-Bahn kommen.

Und aus dem All, aus Mittelerde oder frisch von der letztem Dämonenjagd.

Beachten Sie, wie schon mein Blickwinkel von oben nahelegt, dass ich mich auf keinen Fall in die Schlange der Besucher einreihen werde und stundenlangen Anlauf nehme für das Nadelöhr namens Einlass.

Ewig frierend und langsam schreitend

Wir besonders coolen Öhrchenträger gehen den Weg durchs Glasdach-Pressezentrum, ohne Mengenkontakt und Warteschlangen, dafür beheizt, gebonert und mit Kaffeeversorgung. Nur eines frag ich mich:

Wieso ist es hier drin heller als draußen?

Die Menge an Cosplayern ist riesig; und ich kann mich kaum beherrschen, die seltsamen Fotos alle für morgen aufzuheben. Na gut, ein einziges als Schmankerl, und vielleicht noch eines nachher, zum Schluss.

Komische Rabentante mit Hörnern und zwo Rucksacktouristen in unnötig forcierter Haltung

Jetzt müssen wir aber anfangen.

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Drittes Interview dieser Messe: Rebecca Mir

Rebecca Mir ist eine der wenigen Frauen aus Heidi Klums Zeigedamenschule, die aus dem Senderformat Topmodel eine Karriere machen konnte. Als Fotomodel, Fernsehmoderatorin und Medienpersönlichkeit arbeitete sie beispielsweise mit dem Familienministerium zusammen und entdeckte so ihre Freude an Kindergeschichten, woraus eine Kooperation mit Ravensburger entstand.

In Das Zauberwort heißt Nein! lernt ein kleiner Kater anhand mehrere doofer Erfahrungen, dass man ruhig auch mal Nein sagen muss. Zusammen mit Illustratorin Lisa Hänsch führte Rebecca Mir durch eine Bastelrunde und las aus Ihrem Buch vor; und Ravensburger ließ BuchMarkt mit ins piks-Zelt in Halle 2.

BuchMarkt: Ich bin so aufgewachsen, dass das allererste Zauberwort Bitte heißt.

Rebecca Mir: Danke kommt als nächstes.

Gibt es ja noch andere Zauberwörter?

Außer in der Harry-Potter-Welt jetzt aktuell tatsächlich nur das Nein. Und das ist auch ein ganz, ganz wichtiges Wort, weil Kinder natürlich auch schon früh lernen müssen, ihre Grenzen zu wahren, einfach auf ihr Bauchgefühl zu hören und dann auch nein zu sagen, wenn sie etwas nicht möchten.

Resilienz kann man nicht früh genug vermitteln, wenn man in dieser Welt zurechtkommt.

Und nicht spät genug lernen.

Ja, auch der Meta-Gedanke, das ein Wort überhaupt ein Zauberwort sein kann, eröffnet so viel in der Erziehung.

Auch wenn es das Wort „Nein“ ist, muss das nicht böse gemeint sein. Das kann ja eben auch dann Türen öffnen, einen weiterbringen.

Wie findet man einen Illustrator, der zu einem passt oder eine Illustratorin?

Lisa Hänsch war da einfach ein Perfect Match. Ich bin mit Ravensburger zusammengekommen, und wir wollten gerne zusammenarbeiten. Dann wurden mir verschiedene Illustratoren vorgeschlagen, und Lisa war dann direkt herausgestochen, das fand ich toll. Und dann haben wir uns auch getroffen, fanden uns sympathisch, das hat einfach angepasst.

Das wollte ich gerade fragen: Geht das erstmal nur über die grafische Ebene oder muss das auch persönlich passen?

Ich glaube, da muss dann am Ende wirklich alles passen. Wir hatten Brainstorming-Termine, wo wir im Café saßen und überlegt haben, Geschichten ausgetauscht haben, und es war wirklich toll zu sehen, wie sie auch direkt angefangen hat zu arbeiten und Zeichnungen gemacht hat. Ich durfte mich aber auch mit einbringen.

Was haben Sie eingebracht?

Dass immer ganz schön finde, wenn wenn die Charaktere große Augen haben, weil man über die Augen auch viele Emotionen zeigen kann. Das hat sie dann auch direkt umgesetzt und richtig schön gemacht.

Ich hab noch viele andere Ebenen in diesem Buch gefunden. Ein Superheld muss nicht groß sein, sondern schlau. Also diese Maus.

Richtig.

Mobbing ist ein Thema. Und dass Katzen nicht so überfallen werden wollen. Haben Sie eine Katze?

Ich habe tatsächlich einen Hund. Ein Hund kommt ja auch in dem Buch vor, aber er ist eher der Bösewicht. Aber wir haben ganz viele Katzen direkt in der Nachbarschaft. Und ich liebe Katzen auch sehr. Ich liebe Tiere, und es hat einfach so gut gepasst.

Gab es einen Auslöser für Sie, das Buch jetzt zu schreiben?

Ja, ich habe länger mit dem Bundesfamilienministerium zusammengearbeitet, und im Zuge dieser Zusammenarbeit habe ich dann abends meinem Sohn immer eine Geschichte erzählt. Abends ein Buch vorgelesen, dann das Licht ausgemacht, dann eine weitere ausgedachte Geschichte erzählt. Und da ging es immer um richtiges Verhalten – Nein sagen, was darf man, was nicht, und so weiter. Meine jüngere Schwester meinte dazu, warum ich denn daraus nicht ein Buch machen wolle? Und so kam es dann dazu.

BuchMarkt dankt für das Gespräch.

Hat Erfahrung am Mikrofon: Rebecca Mir
Lisa Hänsch und Rebecca Mir
Aber hinterher schön wieder die Kappe auf den Stift!
Danke für zehn Minuten zwischen Schere und Filzer

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Mein Gang durch die Hallen

Mein Samstagsbericht fällt kürzer aus als die anderen Tage, was ich oft mit einem langen Interview kaschiere. (Oder zwei! Warten Sie mal ab!) Aber erstens kommt man zu Fuß nur schlecht voran, und zweitens ist 60 % von allem, was mir heute vor die Linse kommt, Material für meinen Cosplaybericht am Sonntag. Deshalb folgen nun nur neun bis zehn Fotos statt der sonstigen dreißig, vierzig.

Aber immer, wenn ich Bälle in der Luft sehe, habe ich den Drang, die Kamera zu ziehen und zu schießen:

Mit Basket-, Fuß- und Jonglierball bietet diese Messe da einiges Unerwartetes.
Helen Arnolds Weste hat die gleiche Farbe wie ihr Zeichensatz!
Bernhard Hoëcker, Eva von Mühlenfels und Angelika Glökler
…die drei Schöpfer des Buches Paul bekommt kein Kätzchen

(Denn heute war wieder exzessives Autogrammgeben! Betrachten Sie Team Hoëcker als Stellvertreter für Sophie Passmann, Ursula Poznanski, Kerstin Gier, Trude Teige, Carolin Wahl, Britta Sabbag oder Marie Theres Relin, die alle u.a. heute signiert haben.)

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Kaffee bei Droemer

Bevor die Messe fast vorbei ist, wollte ich wenigstens noch einen Droemercino getrunken haben. Der Kaffee bei Droemer ist exzellent und eine ernste Gefahr für Libris Barista. Auch der Stand ist ein achitektonischer Leckerbissen: Der Stand ist so voll mit Stand, dass kaum Platz für Gäste ist, aber dafür ist es immer schön voll.

Oder, um es mit Tahsim Durgun zu sagen: Droemer, bitte lern Stand

Ich erkenne Ursula Poznanski und erlaube mir, sie von hinten zu fotografieren. Ich denke, das ist gerade so eben fast noch nicht übergriffig, wenn ich es hinterher gestehe.

Aber ich würde so gerne einen Witz über Vetter Itt einbauen. (Chas Addams, Kunstmann-Verlag)

Und da entgegnet Frau Poznanski also: „Von hinten fotografiert? Ah näin, da sehe ich ja aus wie Vetter Itt.“

Ich schwöre, das ist wahr.

Und Vetter Itt bestätigt das.

Eines der schönsten Fotos der Messe: Ursula Poznanski, Banksy und Anna Schneider.

Nein, halt, mich erreicht gerade die Nachricht, dass wir den Photobomber hintenmittig „Volker Stephan“ nennen sollen.

Und hier kommt unser Kaffee: Milchschaum tadellos, aber nicht handgeschüttet und ohne Bärchenmotiv. Der Impfleck der Bohne, der den Vollautomaten verrät und die Milch verunziert, gibt Punktabzug. Geschmack: Allerdings mehr Kante als Libri.

Und das macht es mir schwer. Ich will ja meinen Barista Bjön schon für die hohe Professionalität und Liebe belohnen, die er mit ausgießt. Aber mit Augenbinde würde ich jederzeit die Tasse Droemer wählen.

Bitte verzeih mir, Barista Björn.

Ich muss mal zweite Meinungen einholen, und nicht nur zweite Tassen.

Interaktive Messe, analog: Mit Hafnotizen fragt diese Tafel hier nach „guten Ideen für eine bessere Welt und die UN“, und wie zu erwarten finden sich hier die üblichen Weltverbesserer zusammen mit den üblichen Prankstern ein.

Beachten Sie bitte: Ich selbst habe mich enthalten.
Kategorie „Ernst gemeint und sinnvoll“: Jawohl, das unterschreibe ich.
Das ist ja eigentlich ebenfalls ernst gemeint und sinnvoll.
Werbung für Lanoo alias Christian Anders, mit Sicherheit ebenfalls ernst gemeint

Und auch hiergegen kann ich nichts einwenden.

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Viertes Interview dieser Messe: Alice Schwarzer

Die Feministin und Journalistin Alice Schwarzer ist sicher eine der umstrittensten Persönlichkeiten unserer Medienlandschaft. Die einen wollen eine Gefahr in ihr sehen, die anderen finden fragwürdig, wieviel Geräusch sich für eine Frau gehört; und wenn ich online ginge, fände ich sicher auch Sachen, die mich an ihr stören würden.

Die meisten, die sie kritisieren, befassen sich aber nicht mit der Sache, um die es Schwarzer geht, und das ist die systemische Unterdrückung der Frau, die Verankerungen in Rollenbild und Gefüge und Gefälle – also alles, was wir Frauen seit 5000 Jahren schlucken müssen von Euch Pimmelsäcken.

Das hat Frau Schwarzer natürlich so nicht gesagt, sondern etliches Nachdenkliches, aber wenn ich ein Gespräch führe oder eine Einleitung schreibe, gehen meine Spiegelneuronen mit mir durch.

Die Erfinderin des Feminismus in Deutschland hat uns (die Anna und mich) zu einem Gespräch in ihrem Hotel empfangen.

BuchMarkt: Was war der initiale Moment, in dem Sie sich gedacht haben: Jetzt muss ich was tun, jetzt muss ich aktiv werden für die Rechte der Frau?

Alice Schwarzer: Das war dann doch die Abtreibungsfrage. Ich habe ja damals noch in Frankreich gelebt. Ich war da auch sozusagen in Doppelfunktionen, ich war politische Korrespondentin und engagierte Feministin. Und da haben wir diese Aktion initiiert. Über 300 Frauen, darunter ein Dutzend sehr bekannte, haben gesagt „Ich habe abgetrieben, und ich fordere das Recht für jede Frau.“ Das war eine Zeit, in der die Frauen tatsächlich zu Millionen abtrieben, aber in der niemand darüber sprach. Und sie konnten auch mit niemandem darüber sprechen. Sie konnten auch nicht im Krankenhaus zum Arzt gehen und sagen, ich möchte eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen, weil es eine Schande war, und es war verboten. Es wurde zwar keine Frau verurteilt, weil dann wären ja tausende Frauen ins Gefängnis gegangen. Aber sie wurden beschämt und unterdrückt. Diese Aktion habe ich nach Deutschland gebracht und habe das dann als Journalistin mit dem Stern angezettelt.

Haben Sie sich der Schnapszahl 99 von unten oder von oben genähert?

Von unten, ganz bescheiden. Also ich habe mir natürlich eine Zahl überlegt und ich dachte, die 99, das drängt weiter. 100 ist so abgeschlossen und glatt, aber 99 ist in Bewegung. Dann habe ich gesammelt, dann wieder welche gestrichen, dann wieder neue ergänzt. Bis zuletzt war das in Bewegung.

Es gab sicher Begriffe, die standen von Anfang an fest, aber welche fielen Ihnen schwerer? Bei welchen Begriffen hatten Sie Zweifel?

Na, die Leichten, die Spielerischen. „Handtasche“ zum Beispiel. Soll ich das wirklich reinnehmen? Ja, wo es doch so viele wichtige Dinge gibt. Aber ich wollte auch diese Sachen drin haben, die auch ein bisschen spielerisch sind. Frauen beschäftigen sich viel mit Handtaschen.

Der Wechsel macht ja auch die Lesbarkeit aus. Man kann ja tiefe Gedanken an leichten Themen festmachen

Ja, das macht es erst spannend und überraschend.

Was würde die junge Alice Schwarzer an unserer heutigen Zeit am besten finden?

Am besten finde ich die enormen Fortschritte, die wir gemacht haben, wir Frauen. Wie die totale rechtliche Gleichberechtigung. Und es ist heute ganz selbstverständlich, dass Frauen alles können, was Männer können. Zumindest theoretisch. Vor 50 Jahren wäre undenkbar gewesen, dass ein anerkannter Journalist mit einer Volontärin kommt. So wie Sie das heute machen. Undenkbar, dass er sie auch ernst nimmt und sagt, Anna, welche Fragen willst du stellen? Das ist großartig. Das ist also gut.

Und was würde die junge Alice Schwarzer an unserer Zeit erschrecken?

Dass es weiterhin diese wahnsinnig viele Gewalt zwischen Männern, Frauen und Kindern gibt. Dass es jetzt die auch noch in der Welt des Internets gibt. Wir sehen gerade eben diese Affäre Ulmen, die man kaum fassen kann. Es gibt also jetzt Möglichkeiten des Missbrauchs, die man sich vor fünfzig Jahren nicht hätte vorstellen können.


Wie viel männlicher Maßstab ist in allem? Der Begriff Gleichberechtigung setzt ja bereits voraus, dem Manne gleichberechtigt zu sein.

Das ist eine sehr interessante Anmerkung. Es stimmt. Der Mann ist erst mal weiterhin die Norm, an der wir uns orientieren, wenn wir sagen, wir wollen so viel Rechte haben wie der. Wir wollen so schlau werden wie der. Wir wollen so stark werden wie er. Wir werden sehen, ob irgendwann die Männer sagen, wir wollen so sensibel sein wie die Frauen.

Ich habe die traurige Befürchtung, dass wir auch beim Erlangen von Gleichheit immer die Ausgrenzung und den Wettbewerb in uns tragen. Sagen wir mal, wir haben in 200 Jahren alle Religionen geschafft, aber dann bekämpfen sich die verschiedenen Atheistengruppierungen.

Unterschied und Wettbewerb sind ja vielleicht auch belebend. Ehrlich gesagt, ich habe nur eine geringe utopische Fantasie. Ich bin immer sehr im Hier und Jetzt.

Ein anderer Fall, wo der Mann die Norm darstellt, ist ja der Fußball. Wir sagen Frauenfußball, aber Männerfußball heißt einfach Fußball.

So ist es. Da haben Sie es ja schon. Der Mann ist die Sache an sich, noch immer das Maß der Dinge.

Ich rede immer von Herrenfußball, um zu gucken, wie die Männer reagieren.

Und was sagen die dann?

Die mit Humor merken’s und sind gleichfalls amüsiert, andere wiederum überhören das kulant. Aber der Mann ist ja jetzt so weit gekommen, dass er feminisiert wird. Der moderne Mann pflegt sich, hat Gefühle und ist kein richtiger Mann mehr. Ist das ein Fortschritt für den Feminismus, oder ist das einfach ein komischer Maßstab?

Ich persönlich finde das gut, wenn die Geschlechter sich in der Mitte treffen sozusagen. Wenn Frauen weniger weiblich sind und sich auch männliche Eigenschaften nehmen, und Männer weniger männlich und sich auch wagen, weibliche Eigenschaften zu nehmen. Dazu gehört dann auch die Hälfte Frauenarbeit. Frausein ist ja mehr als auch mal ein Tränchen verdrücken und sich schminken. Das heißt auch zu Hause hinfassen und sich um die Kinder kümmern und so weiter. 

Der Mann ist ja immer sehr stolz, wenn er im Haushalt „hilft“.

Ja, Das zeigt schon alles. Er hilft bei „meiner“ Arbeit. Aber Hausarbeit ist nicht Frauenarbeit, sie ist Menschenarbeit. Aber ich sehe auch, dass bei den Männern eine große Verunsicherung ausgebrochen ist.

Was ja auch ein gutes Zeichen ist. Der Haushaltsvorstand der Nachkriegszeit ist ja so ein Auslaufmodell.

Aber was wird jetzt aus dieser Erschütterung? Wird daraus ein trotziges Machotum, jetzt erst recht, gewalttätig und so weiter? Oder sind es wirklich Männer, die sich dann gelassen einem androgynen Menschenwesen nähern? Ich denke, alles ist möglich. Und ich meine, dass Frauen mit Männern einerseits einfühlsam sein sollten und auch deren Verunsicherung verstehen müssen, weil sie ja mit ihnen zurechtkommen wollen, wenn sie mit ihnen leben. Und andererseits aber auch genauer hingucken müssen und konsequenter sein.

Inwiefern strenger?

Frauen gucken auch gerne weg. Die Affäre Pelicot ist ja sehr interessant. Ich habe ihr Buch gelesen. Da liest man, dass sie trotzalledem ihre Lebensfreude nicht verloren hat. Das ist großartig. Aber man kommt auch nicht umhin festzustellen, die Frau hat zu oft weggeguckt. Das ist menschlich sehr verständlich. Aber wir Frauen können uns das nicht erlauben. Wir müssen genauer hingucken. Doch viele Frauen haben Angst vor Liebesverlust. Dann hat er mich nicht mehr so gern, dann nimmt er sich eine bequemere Frau.

Ich habe mit Frauen gesprochen über den Weltmännertag.

Es gibt einen Weltmännertag?

Ja, da geht es tatsächlich, also nicht ironisch, sondern tatsächlich um benachteiligte Männer. Aber müssten wir das jetzt nicht erst mal selber 5000 Jahre lang aushalten? Müsste man nicht eigentlich uns Männer jetzt erst mal unterdrücken, oder läuft dieser Gedanke dann wieder der Gleichberechtigung zuwider?

Ich finde nein. Unterdrückung schafft mann nicht durch Gegenunterdrückung ab. Aber die Frage stellt sich ja auch gar nicht. Man schafft ja nicht in 50 Jahren 5000 Jahre Patriarchat ab.

Es gibt in Buchhandlungen immer ein Frauenregal, und im Supermarkt gibt es sehr viele Frauenzeitschriften, die alle gleich aussehen und eine winzige Welt aus Kochen, Wohnen und Familie skizzieren. Ist Emma denn auch eine Frauenzeitschrift?

Dass ich eine Zeitschrift für Frauen gemacht habe, ist nicht ganz ohne Ironie, aber ich mache ja auch keine Frauenzeitschrift, ich mache ein politisches Magazin aus Frauensicht. Natürlich für interessierte Männer sehr gerne ebenso zu lesen. Es ist kein Zufall, das fällt mir auf, dass zwar die politischen Zeitschriften, Tageszeitungen und so weiter, allgemeine Zeitschriften, mein neues Buch besprechen, aber dass die Frauenzeitschriften es fast boykottieren. Das finde ich nun wirklich bemerkenswert.

Aber wieso ist das so?

Ja, das ist Gift. Ich verderbe die Leserinnen, ich stelle die kleine Frauenwelt der Rezepte und Makeups infrage und stoße die Türe zur Welt auf. Aber ich verachte die Frauenzeitschriften selbstverständlich nicht, auch wenn ich sie ehrlich gesagt nur beim Friseur lese. Sie waren übrigens in den 70ern und 80ern interessanter. Da haben sie sich dem Feminismus geöffnet. Und jetzt sind sie wieder zusammengeschrumpft auf diese sehr kleine Frauenwelt. Die bediene ich natürlich nicht.

Was finden Sie in so einer Zeitschrift beim Blättern, wo Sie sagen, ach, da bleibe ich hängen, das lese ich jetzt mal?

Dann doch nur eine Reportage oder ein Porträt. Also keine Mode, die ganzen Kochrezepte. Ich koche gerne, aber das ist mir zu wenig.

Ein Supermarktstreuprospekt wäre also rein feministisch betrachtet die wertvollere Publikation?

Es stehen ja auch viele Männer an der Kasse.

BuchMarkt dankt für das Gespräch.

Das hundertste hätte mich jetzt aber auch interessiert.

Heyne hat Hotelfußboden angemietet

Und vom Verlag bekomme ich auch wieder Geschenke:

All die Buttons, die ich nicht trage!

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Zum Geleit

Drinnen war es heute so voll, wie es von draußen aussah:

Wie immer Cosplayerstau am Ende der Glashalle, wo die Drei-Röhren-Kupplung ist

Ich habe endlich mein Bounty bei Edition Ruprecht abgeholt. Dort lag es schon im Regal und wartete. Ich hatte ja gar keine Uhrzeit angekündigt. Das heißt, die haben da die ganze Zeit ein Bounty im Regal liegen. Und wenn jemand das Bounty nimmt, legen die ein neues hin. Bis ich komme. Wie ein Opfergott. Ein Opfergott, dem Kokosschokoriegel dargebracht werden.

Warum Bounty? Das hat keine tiefere Bedeutung, außer dass ich halt gerne Bounty esse. Snickers nicht. Gibt keinen Grund. Sie können auch Lakritze essen, wenn das für die Handlung wichtig ist. Jedenfalls, Danke für das Bounty, und sorry für das unscharfe Foto.

Es gibt da aber einen Trick.

Aber der hat Gren-zen

Ich hatte eingangs ein weiteres Foto aus meiner Cosplayerfototruhe angekündigt, und weil Sie den ganzen Text über brav waren, kriegen Sie jetzt noch:

Eine aufblasbare Ursula Seehexe aus der Ferne!

Ach ja, apropos aus der Ferne: Katrin Friedl hat mir die Socken überreicht, die Peter Kraus vom Cleff für mich organisiert hat. Vielen Dank, Herr Verbandsgeschäftsführer.

Maike Henkel, die Online-Managerin der Leipziger Buchmesse, hatte ja eigentlich auch welche angedeutet. Und wo bleiben die? Nur weil ich bereits zwei Paar habe, heißt das nicht, dass ich keine Hoffnung in Sie gesetzt hatte. So eine Messe ist lang, da braucht man viele Socken.

Andererseits: Vielleicht gibt es ja schon im nächsten Frühjahr eine neue Edition. Das hängt ganz davon ab, wie schnell der Zille mit dem Stricken nachkommt in dem Keller, in dem er irgendwo sitzt.

Ich wünsche Ihnen eine gute Heimreise. Aber falls Sie Sonntagsdienst auf dieser Messe haben, dann begleite ich sie virtuell noch diesen einen Tag, denn ich muss ja auch noch einen Sonntagsbericht abfassen.

Während ich heimreise.

Diese Kolumne handelt schließlich auch von Logistik.

Ihr und Euer

Matthias Mayer

herrmayer@hotmail.com

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Höhepunkte deutschen Literaturfernsehens, Teil 4 von 5:

Jauche und Levkojen (ARD, 1978)

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