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Nina und Maximilian Hugendubel: „Die Buchhandlung bleibt ein Happy Place“

Nina und Maximilian Hugendubel (Foto: Moritz Kind)
Nina und Maximilian Hugendubel (Foto: Moritz Kind)

Die Geschäftsführer:innen des Buchhandelsfilialisten Hugendubel, Maximilian und Nina Hugendubel sprechen im BuchMarkt-Interview über neue Partnerschaften und die Zukunft des Buchhandels.

BuchMarkt: Herr Hugendubel, Frau Hugendubel, mit dem Einstieg der Topp Holding gab es zuletzt eine wichtige Nachricht. Was bedeutet diese Minderheitsbeteiligung für Ihre strategische Ausrichtung?

Maximilian Hugendubel: Im Kern bedeutet sie Kontinuität und Stabilität. Es geht dabei weniger um kurzfristige strategische Veränderungen als um eine langfristige Perspektive über Generationen hinweg. Als Familienunternehmen tragen wir Verantwortung dafür, dass das Unternehmen auch in Zukunft gut aufgestellt ist – unabhängig davon, wie sich familiäre Konstellationen entwickeln. Mit unserem neuen Gesellschafter verbindet uns eine lange Beziehung und vor allem ein gemeinsames Verständnis vom Buchmarkt: Er lebt von Vielfalt. Dieses Bekenntnis war für uns entscheidend.

Nina Hugendubel: Wichtig ist auch: Im Operativen ändert sich nichts. Wir führen das Unternehmen weiterhin in der bestehenden Konstellation, und bleiben für die strategische Ausrichtung verantwortlich. Gleichzeitig gewinnen wir auf Gesellschafterebene einen Partner mit großer Handelsexpertise, der neue Impulse geben kann.

BuchMarkt: Wie haben sich Ihre Geschäftsbereiche zuletzt entwickelt – insbesondere im Vergleich zwischen stationärem Handel und digitalen Angeboten?

Maximilian Hugendubel: Unser Kerngeschäft entwickelt sich stabil, mit moderatem Wachstum. Es ist nicht so dynamisch wie in anderen Bereichen, aber das ist auch nicht ungewöhnlich.

Nina Hugendubel: Besonders freut uns das Wachstum im Digitalbereich. Während der Online-Markt insgesamt eher stagniert, wachsen wir zweistellig – das heißt, wir gewinnen Marktanteile. Das zeigt, dass unsere Maßnahmen, etwa im Bereich Social Media oder Veranstaltungen wie Bookstock, auch auf den Onlineauftritt einzahlen. Auch unser Bereich Fachinformation entwickelt sich gut. In einem preisgebundenen Markt können wir uns vor allem über Services differenzieren, ähnlich wie im stationären Handel über Beratung. Gerade im Bibliotheksgeschäft sind wir hier erfolgreich unterwegs.

BuchMarkt: Wie bewerten Sie die aktuelle Lage im Buchmarkt angesichts von Inflation, Konsumzurückhaltung und geopolitischen Krisen?

Maximilian Hugendubel: Der Buchmarkt ist insgesamt stabil und traditionell relativ krisenresistent. Die Ausschläge sind weniger stark als in anderen Branchen.

Nina Hugendubel: Bücher sind vergleichsweise günstige Produkte. Wenn größere Anschaffungen wegfallen, bleibt das Buch oft als „kleiner Luxus“. Zudem bieten Bücher die Möglichkeit, abzuschalten, das ist gerade in schwierigen Zeiten ein wichtiger Faktor.

BuchMarkt: Sie haben ein Partnermodell für unabhängige Buchhandlungen gestartet. Wie funktioniert das?

Maximilian Hugendubel: Ausgangspunkt war der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Buchhandel. Ein Partner hat konkret gesagt: „Das hätte ich auch gern.“ Daraus haben wir gemeinsam ein Modell entwickelt. Es ist kein vorgefertigtes Konzept gewesen, sondern stark aus den Bedürfnissen heraus entstanden. Viele Buchhändler:innen stehen heute vor enormen Herausforderungen durch zunehmende Komplexität und kommen an ihre Kapazitätsgrenzen, es ist schon bewundernswert, was sie alleine schaffen. Das Standardsortiment stellen wir bereit, gleichzeitig bleibt die Freiheit, eigene Schwerpunkte zu setzen oder lokale Anbieter einzubinden. Es geht um eine Balance aus Unterstützung und unternehmerischer Unabhängigkeit.

BuchMarkt: Welche Rolle spielen unabhängige Buchhandlungen künftig?

Maximilian Hugendubel: Eine sehr wichtige. Genau deshalb haben wir das Modell entwickelt. Es kann eine Alternative sein zur Aufgabe oder zum Verkauf, eine Möglichkeit, selbstständig zu bleiben und gleichzeitig Unterstützung zu erhalten.

Nina Hugendubel: Viele Buchhändler möchten sich auf das konzentrieren, was sie antreibt: Bücher und Kund:innen. Themen wie Buchhaltung oder technische Anforderungen nehmen heute viel Zeit ein. Wenn wir hier entlasten können, bleibt mehr Raum für das eigentliche Buchhändler:in-Sein.

BuchMarkt: Welche Bedeutung hat der stationäre Auftritt heute noch?

Nina Hugendubel: Eine zentrale. Filialen sind der Kern unseres Geschäftsmodells. Buchhandlungen sind weit mehr als Verkaufsorte – sie sind Orte der Begegnung, des Austauschs und der Inspiration. Und es ist wichtig, das Buch im Stadtbild sichtbar zu halten und unsere Marke damit zu transportieren mit unseren Mitarbeitenden als Markenbotschafter:innen. Deshalb glauben wir, dass der stationäre Bereich extrem wichtig ist und bleiben wird.

BuchMarkt: Wie muss eine moderne Buchhandlung aussehen?

Nina Hugendubel: Sie sollte ein Ort sein, an dem man sich gerne aufhält – ein Treffpunkt mit Aufenthaltsqualität. Dazu gehören Veranstaltungen, Sitzbereiche, eine angenehme Atmosphäre und ein kuratiertes Sortiment. Es geht um das Gesamtgefühl: ein „Happy Place“, an dem Menschen Bücher entdecken, sich austauschen und Zeit verbringen und Gleichgesinnte treffen.

BuchMarkt: Sie setzen auch auf Events und Zusatzangebote. Lohnt sich das wirtschaftlich?

Maximilian Hugendubel: Einzelne Maßnahmen rechnen sich oft nicht isoliert. Entscheidend ist das Gesamtpaket. Es geht um Kund:innenbegeisterung – und die entsteht durch das Zusammenspiel vieler Faktoren.

BuchMarkt: Sie haben auch ein Hörbuch-Abo gestartet. Welche Rolle spielen solche Angebote?

Nina Hugendubel: Eine sehr große. Streaming-Modelle sind heute Standard, auch im Hörbuchbereich. Dass wir hier ein Angebot haben, ist essenziell und die Nachfrage zeigt, dass es richtig war ein Hörbuch-Abo auf den Markt zu bringen.

BuchMarkt: Wie verändert sich das Berufsbild des Buchhändlers bzw. der Buchhändlerin?

Nina Hugendubel: Die Grundvoraussetzungen bleiben gleich: Begeisterung für Inhalte und Freude am Umgang mit Menschen. Was sich verändert, sind die Werkzeuge, Digitalisierung spielt eine größere Rolle.

BuchMarkt: Zum Abschluss: Wie sieht Ihre Vision für die nächsten Jahre aus?

Maximilian Hugendubel: Mein Traum ist ein Ort mit vielen Menschen, vielen Büchern und einer lebendigen Marktplatzatmosphäre, mit Veranstaltungen, Austausch und Leben.

Nina Hugendubel: Und mit ganz vielen gedruckten Büchern. Trotz aller Digitalisierung bleibt das Physische zentral: echte Orte, echte Begegnungen, echte Bücher.

Die Fragen stellte Hanna Schönberg

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Ein Kommentar

  1. Ein gutes Interview für ein interessantes Modell. Nach meinem Verständnis sollte es Erfolg haben und das wünsche den Machern.

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