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Benzes besonderes Buch: Fulminante Texte, handliches Format

Helmut Benze
Helmut Benze

Das 65-Seiten Büchlein Warum Krieg?: Ein Briefwechsel von Albert Einstein und Sigmund Freud begleitet mich seit Jahrzehnten. Die vier fulminanten Texte beantworten die Titelfrage nur teilweise. Dennoch helfen sie nachhaltig, mit einer der Geißeln der Menschheit besonnen umzugehen und nicht zu verzweifeln.

Meine uneingeschränkte Empfehlung leite ich mit der Kurzfassung einer Begebenheit
ein: Jüngst saß ich lesend in der Nähe eines Spielplatzes. Ein Kind im Grundschulalter beäugte mich zweifelnd und rief seiner Mutter zu: „Der Mann liest ohne Buch!“
Mutter und Kind schauten mich fragend an. Ich zeigte das handtellerkleine Buch, beantwortete die Frage, wovon es handele und fügte ungefragt hinzu,dass man solche Miniformate in die Tasche stecken und jederzeit, überall gehaltreiche Texte bequem lesen
könne. Die Mutter notierte sich den Titel. Zuversichtlich glaube ich, dass
sie es lesen wird.

Wenn ein Buch Unbekannte ins Gespräch bringt und darüber hinaus zur Wiederlektüre weiterer Bücher zum gleichen Themenkreis motiviert, bietet es Schlüsseltexte zu einem bedeutenden Thema.

Die seit Jahrzehnten wiederholte Lektüre der Diogenes Edition hat mich in dieser von Kriegen, Kriegsverbrechen und Terror geprägten Zeit u. a. mal wieder zu diesen Büchern greifen lassen: WÖRTERBUCH DES FRIEDENS, herausgegeben von Karl Dedecius, FRIEDEN ODER KRIEG, von Autiene de Saint-Exupéry; DIE WAFFEN NIEDER ! von Bertha von Suttner und KRIEG. Wozu er gut ist, von Ian Morris.

Deren Lektüre bekräftigt meine Interpretation der Diagnose Sigmund Freuds. Wie auch immer die Evolution Menschen geprägt hat, dem Individuum bleibt die unbegrenzte Freiheit, sich selbst zu entwickeln und
eine gewaltsame und kriegerische Konfliktlösung oder den friedlichen und pazifistischen Weg zu wählen.

Die Diogenes Deluxe Edition von Warum Krieg? bündelt nun vier Texte: Albert Einsteins Kurzplädoyer Für einen militanten Pazifismus, Februar 1931, Albert Einsteins Brief an Sigmund Freud: Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien? Juli 1931. Sigmund Freud antwortete zügig im September 1932. Isaac Asimovs SPIEGEL-Essay Die gute Erde stirbt, Mai 1971.

Meine nachdrückliche Empfehlung gilt auch diesem Text von vor einem halben Jahrhundert. Dem Biochemiker, der mehr als 300 Bücher und Schriften publiziert hat, ist es gelungen, eine zeitlos gültige Analyseform auf die Kernfrage anzuwenden, wie viel Ressourcenverbrauch der blaue Planet bei gleichbleibendem Bevölkerungswachstum, bei Kriegen und hemmungslosem Konsum verkraften kann.
Wenn Asimov auch einige Faktoren und Entwicklungen nicht zutreffend prognostisieren konnte, ist sein Fazit leider wahrscheinlich: Der Mensch wird seinen Heimatplaneten in heute schon absehbarer Zeit unbewohnbar machen

Welche Erkenntnisse und Einsichten weckt dieses Buch?

Wir werden zu Zeugen des zermürbenden Dilemmas, unter dem Albert Einstein litt: Als militanter Pazifist fühlte er sich angesichts der atomaren Aufrüstung Hitlerdeutschlands genötigt, der damaligen US-Regierung zu raten, Entwicklung und Einsatz atomarer Waffen zu forcieren. Er lieferte dazu sogar Beiträge. Als Physiknobelpreisträger nutze er das ihm entgegen gebrachte öffentliche Vertrauen, zur Immunisierung von Schüler:innen und Student:innen vor der nahezu weltweiten Hass- und Kriegspropaganda aufzurufen. Als Prominenter bemühte er sich, andere bedeutende Persönlichkeiten für pazifistische Aktionen zu gewinnen.

Die von Sigmund Freud erhoffte Auskunft, dass der Destruktionstrieb nicht auf ewig zum Erbgut der Menschheit gehört, hat Einstein bitter enttäuscht. Gleichwohl gewann er aus den detaillierten Begründungen Freuds Zuversicht für die gesellschaftliche und individuelle Stärkung pazifistischen Engagements.

Ähnliche Folgerungen und Ermutigungen vermag uns die Lektüre der DIOGENES-Edition zu bescheren.

Auch dazu erwähne ich ein autobiographisches Beispiel. Vor sieben Jahrzehnten wurden in meinem Umfeld jungen Menschen Krieg und germanisches Soldatentum verherrlichende Bücher nahegebracht. Zwei seien hier genannt: Felix Dahns Roman EIN KAMPF UM ROM und ANTIKE KRIEGSREDEN. Das verlogene Vorwort dieser Anthologie schließt mit der Hitlereloge: „(…) Wenn wir sagen können – jeder einzelne – zu sich und den anderen, „Ich glaube an den Sieg!“ dann erst wird eines der größten Worte unseres Führers auf ein ewiges Fundament gebaut, sein herrliches Wort an die Welt: „Ich glaube an den Frieden!“

Ihnen wünsche ich anregende Lektüre

Helmut Benze

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