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Stefan Könemann über Wege zur Nachfolgeregelung im Buchhandel

Stefan Könemann, Mitinhaber und Geschäftsführer des Barsortiments Könemann, macht sich Sorgen um die Nachfolge im unabhängigen stationären Buchhandel. Im Sonntagsgespräch spricht er über die Herausforderungen und die Möglichkeiten, mit denen Inhaber sich frühzeitig auf eine Geschäftsübergabe vorbereiten können.

Herr Könemann, seit 2012 ist das Haus Könemann mit Libri wirtschaftlich verbunden. Das sei mir doch mal die Frage erlaubt: Wie läuft es denn so?

Stefan Könemann: „Die Braut rechtzeitig aufhübschen“

Stefan Könemann: Danke der Nachfrage. Die Geschäfte laufen sehr gut. Unsere Kunden profitieren vom Lager in Bad Hersfeld, wo über 900Tsd Titel vorgehalten werden. Also deutlich mehr als die Wettbewerber liefern können. Mit dem „tolino“ und unseren Online-Shops runden wir das Programm ziemlich konkurrenzlos ab.

Wie ist die Resonanz aus dem Handel?
Unsere Reklamationsquote ist erfreulich gering und wir bekommen sehr gutes Echo aus der Kundschaft. Die Stimmen, die befürchtet haben, dass Könemann komplett in Libri aufgehen und seinen eigenständigen Markenauftritt verlieren könnte, sind inzwischen kaum mehr zu hören.

Also „alles grün“, wie man in Ihrem Hause sagt?
Leider nein. Es gibt Entwicklungen, die wir schon seit geraumer Zeit beobachten und die uns beunruhigen. Es betrifft übrigens die gesamte Branche: Die Inhaberschaft im stationären Buchhandel ist vom demografischen Wandel hart betroffen. Ca. die Hälfte der Inhaber sind älter als 50 Jahre, 33 Prozent sogar älter als 60.

Was bedeutet das für die Buchhandelslandschaft?
Wenn es nicht gelingt, deren Sortimente auf geeignete Nachfolger zu übertragen, schrumpft der Anteil der unabhängigen stationären Händler, ohne dass deren Konkurrenten überhaupt einen Finger krumm machen müssen. Dieses Problem scheint noch nicht in allen Köpfen angekommen zu sein.

Was kann man da machen?
Wir müssen konkrete Hilfsangebote entwickeln. Zum einen können die Barsortimente konkret in der Kundschaft nach Unternehmern oder zukünftigen Unternehmerpersönlichkeiten Ausschau halten und Kontakte herstellen. Das geschieht teilweise bereits. Damit darf es aber nicht vorbei sein. Denn Sortimenter haben logischerweise keine Erfahrung in der Übertragung von Geschäften und können schon im Vorfeld fatale Fehler machen.

Was schlagen Sie dem Handel also vor?
Hier kommen professionelle Berater ins Spiel, die – ganz wichtig – frühzeitig eingebunden werden. Gespräche beispielsweise mit Banken gelingen eher mit einem Profi an der Seite.

Professionelle Beratung kostet Geld …
Das Geld, das eine Beratung kostet, hole ich so ganz schnell wieder herein. Unter Umständen muss auch die Rechtsform der Buchhandlung auf den Prüfstand oder die Frage, ab wann und wie der Nachfolger in alle Entscheidungen eingebunden wird. Hier gilt: je eher desto besser. Denn gerade wenn ein Nachfolger bisher angestellt war und nun den Weg in die Selbständigkeit wählt, verbessert es seine Kreditwürdigkeit, wenn er vor der Übernahme bereits die Geschäfte mit geleitet hat und so seine Eignung als Unternehmer beweist. Auch hier kann eine Beratung Vor- und Nachteile von Handlungsvollmachten, Prokura oder Geschäftsführung aufzeigen.

Was gibt es sonst zu beachten?
Natürlich gilt immer der Grundsatz: Man muss die Braut auch schmücken. Dazu gehört nicht nur das Ladenlokal. Für eine Buchhandlung mit funktionierendem Online -Auftritt findet sich eben eher ein Interessent. Mit aktuellen Zahlen aus einer Warenwirtschaft und von einer Erfa-Gruppe untermauert, habe ich harte Fakten als Argumente für einen Nachfolger in der Hand.

Welche weiteren Kriterien spielen für die Nachfolge eine Rolle?
Das gleiche gilt für eine gut gepflegte Kundendatenbank – und ich meine keine Karteikarten. Wer sich nun mit dem Gedanken trägt, für die Zukunft eine Nachfolge zu regeln, muss also jetzt beginnen und die Weichen stellen. Wir werden auf der Frankfurter Buchmesse konkrete Angebote, die wir gemeinsam mit der Unternehmensberaterin Gudula Buzmann entwickeln, dazu vorhalten.

Sie sind als Vorsitzender des Zwischenbuchhandelsausschuss auch Mitglied im Vorstand des Börsenvereins. Ist das nicht auch ein Thema dort?
Ja, natürlich. Uns ist die Situation klar. Es gibt auch schon Beratungsangebote des Börsenvereins und seiner Landesverbände, die häufig die Situation vor Ort sehr gut einschätzen können. Aber auch da kann man beobachten, dass diese Angebote oft sehr spät angenommen werden, so dass ein echtes „Aufhübschen der Braut“ nicht mehr erfolgen kann. Daher werden wir unsere Buchhändlerinnen und Buchhändler ermuntern, sich früh mit dem Thema zu beschäftigen. Die Messe ist der richtige Zeitpunkt dafür.

Die Fragen stellte Jörn Meyer

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