
Ekkehard Faude wird heute 70 Jahre alt.
Ein Tag heute zum Glücklichsein wieder? Der Libelle-Verleger (und unser Exkolumnist) verrät mir, leicht verrätselt: „Wenn Thomas Manns Todestag und Mark Knopflers Geburtstag ist: Dann haue ich jeweils ab, um woanders zu feiern. Bei meinem letzten 60er waren wir wieder in Locarno beim Filmfestival, also nach riesigem Freilichtkino auf der sommerwarmen Piazza, nach Mitternacht am See entlang, dann eine halbe Stunde zurück ins Hotel, und auf dem Balkon die sehr kühle Flasche geköpft“.
Die Anfänge unserer schönen Zussammenarbeit liegen für mich nach so langer Zeit doch etwas im Dunkeln (der Libelle-Verleger behauptet, er habe schon zu Beginn des dritten BuchMarkt-Jahrzehnts für uns geschrieben – an den fein ziselierten Artikel über KNV erinnere ich mich noch, nicht aber an das Datum).
Ab 1994 folgten dann aber fröhliche sechzehn Jahre, in der Ekkehard Faude regelmäßig monatlich aus der Perspektive des angestellten Buchhändlers und selbständigen Verlegers die glanzvolle Hochphase unserer Branche beschrieb. Und noch heute schmerzt es mich, dass es mir nicht gelungen ist, ihn als Kolumnist zu halten; mein Bestechungsversuch mit unserem Marzemino scheiterte kläglich. Unvergessen ist nicht nur mir (dafür gibt es Belege) sein monatlicher Blick auch auf die kleinen und großen Unzulänglichkeiten unserer Kunden, die er liebevoll beschrieb und mit seiner Kolumne verwob: Diese Große Kundentypologie des Buchhandels muss noch einmal gedruckt werden.
Aber was für ein Kundentyp wäre der Mann, der so geschliffen schön eine Absage formulieren kann wie zuletzt diese? „Es gibt diese mentalen Bauchaufschwünge, die dann in der Luft enden: Es war grad sowieso Heftschluss, also zu spät für April, und der Gedanke versickerte dann bei mir. Ich hatte die Vorschau zu texten, einen Museumsauftritt vorzubereiten; vor allem aber übte ich mich in meiner Lust zu faulenzen: Las also lieber das neue Buch der Gespräche mit George Steiner, auch Patti Smith, ließ andere Erinnerungsplaudereien bald wieder fallen … weil die Cahiers von Camus aus den 40er-Jahren noch fesselnder sind. Die las ich aber schon in Südfrankreich, Liegestuhl mit Blick durch Pinien aufs Meer, kein Phone, keine Mails, nur Licht auf dem Papier. So, jetzt wissen Sie’s. Der Text kommt also nicht mehr“.
Für mich ist das ein Zeichen, dass es ihm sichtlich besser als anderen gelingt, sich in keine „Pflicht“ mehr nehmen zu lassen, von sich selbst schon gar nicht. Zumal er eine eigene Methode hat, das Älterwerden zu managen:
„Ich werd in zehn Jahren bereits 80, fühle mich aber gerade besonders jung, weil ich die handschriftlichen Briefe eines 24-jährigen Trompeters lese, der 1952 mal kurz in Köln tourte und immerhin 18 Mark pro Abend in einer Bar verdiente, ganz schönes Geld damals … Und saß mit dem nun 88-Jährigen grad länger an einem Tisch, bevor es für heute wieder nach Locarno ging.“
Dorthin ist er „erleichtert los gefahren, unsere wichtigste Novität ist heute zu Pustet in den Druck gegangen. Auch die Fahnen, die Spiegel-Special, WDR u. a. bestellt haben, sind aus dem Haus. Die Autorin, Ilse Rau, habe ich übrigens vor bald 30 Jahren als Kundin in der Buchhandlung kennengelernt, nach ihrem Wegzug nach Tübingen wieder aus den Augen verloren. Als mir der Privatdruck ihrer Erinnerungen im Februar leihweise über Freunde zukam, besuchte ich die 87-Jährige noch in der selben Woche und schlug ihr eine überarbeitete Buchausgabe vor – eine ungewöhnlich starke Frauengeschichte im 20. Jahrhundert“.
Lieber Herr Faude, ich hoffe, Sie freuen sich über diese Einbindung von Product Placement … Privates und Berufliches lässt sich halt bei Ihnen sowieso nicht trennen. Ich gratuliere von Herzen. Ihr C.
Falls Sie auch gratulieren möchten: faude@libelle.ch
Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage}