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Jahres-Luchs an Reinhard Kleist verliehen, Verlagsluchse an Carlsen, Beltz & Gelberg und Hanser

Reinhard Kleist

Am Vorabend der Leipziger Buchmesse wurde gestern der Jahres-Luchs der ZEIT und Radio Bremen an Reinhard Kleist (Foto) für seine Graphic Novel Der Traum von Olympia (Carlsen) verliehen [mehr…]. Erstmals gekürt wurden anlässlich des 30. Jubiläums des Luchs-Preises auch die erfolgreichsten Verlage.

Und das waren mit 28 Luchsen Carlsen, mit 31 Luchsen Beltz & Gelberg und mit 38 Luchsen Hanser. Zwei könnte man beim Sieger noch drauflegen, die an die dtv Reihe Hanser gingen. Der Traum von Olympia wiederum ist der erste Comic, der einen Jahres-Luchs erhält. ZEIT-Redakteurin Katrin Hörnlein, die den Abend moderierte, dankte in ihrer Ansprache den vielen Unterstützern des Luchses, darunter ganz besonders dem 2009 verstorbenen ZEIT-Journalisten Konrad Heidkamp, der nicht nur dem Kinder- und Jugendbuch Platz im Feuilleton schaffte, sondern auch den mit 8.000 Euro dotierten Jahres-Luchs auf den Weg brachte.

Die fundierte wie bewegende Laudatio auf das ausgezeichnete Buch hielt Reinhard Kleists Kollegin Barbara Yelin. Sie fand Worte sowohl für die künstlerische Arbeit von Reinhard Kleist wie auch für die politische Aussagekraft seines Buches, das die wahre Geschichte von Samia Yusuf Omar erzählt, die auf ihrer Flucht aus Somalia vor den Küsten Europas ertrank:

„Wissen Sie, wer Samia ist? Die Populisten dieser Welt werden es Ihnen sagen: Ein Wirtschaftsflüchtling, einer, der nicht kommen darf, einer, der bleiben soll, wo er ist, weil es ihm ja nur um den eigenen Vorteil geht. Einer, vor dem Europa momentan Mauern, Zäune und Obergrenzen hochzieht. Das ist die große Kraft dieses Comics. Dass er sichtbar macht, was das eigentlich bedeutet, was sich hinter diesen Wörtern verbirgt, die unsere Politiker und unsere Wohlstandswelt entwerfen, für jene anderen in dieser Welt, die nicht dazugehören dürfen. Um uns dem entziehen zu können, worum es sich eigentlich handelt: um Menschen wie Samia, die hoffen, träumen, kämpfen.“

Auch Reinhard Kleist zeigte sich bewegt von Barbara Yelins Laudatio. Seine Recherchen zu Samias Geschichten hatten bereits vor Jahren begonnen, nie habe er beabsichtigt, eine Botschaft mit seinem Comic zu transportieren, er habe einfach nur die Geschichte dieser jungen Frau erzählen wollen, und zwar mit dem Einverständnis ihrer Schwester.

„Zeichnen macht sichtbar. Lassen Sie uns die Augen und Herzen offenhalten“, rief Barbara Yelin zum Ende ihrer Laudatio auf. Bilder von Reinhard Kleist, der als einer von 30 Künstlern in der Gastland-Ausstellung in Bologna vertreten sein wird [mehr…], sind seit gestern Abend auch in der Moritzbastei zu sehen. Gestern kam außerdem die Nachricht, dass er den Katholischen Jugendbuchpreis erhält [mehr…]. Viele Besucher des Luchs-Abends zogen nachdenklich weiter – und erfuhren, dass es bei der offiziellen Eröffnung der Leipziger Buchmesse im Gewandhaus auch sehr politisch zuging.

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