Meist ist es der dritte Donnerstag im neuen Jahr, dass sich die AG Pub im Münchner Literaturhaus trifft. Hier ein Kurzbericht über die kontroversen Tagesordnungspunkte: Polarisierendes, Erheiterndes, Besorgniserregendes, Weiterführendes, Pragmatisches, Idealistisches, aber vor allem eines: Selbstbewusstsein einer unersetzlichen Branche. Zoff gabs um MediaControl und GfK und ihren Streit um die Datenhoheit auf dem Rücken Branche.

1. Grußwort des Vorstehers Heinrich Riethmüller
Das Ende der drittgrößten deutschen Buchhandlung Stern-Verlag Düsseldorf zeigt, was passiert, wenn man sich nicht ändert – für den Buchhandel wird es immer teurer, Multichannel zu bedienen.

2. Aktuelles aus dem Börsenverein von Alexander Skipis
Irgendwie gerät diese Welt aus den Fugen – die Buchbranche hat ihre Perspektive vom Untergang zur Zukunftsfähigkeit geändert.
3. Was uns wichtig war – Rückblick der scheidenden Vorsitzenden auf sechs Jahre AG Pub
René Strien: Bei uns ist Lobbyarbeit gesellschaftliche Arbeit, kein Branchenegoismus. Und: Ehrenamt kann auch Vergnügen sein.
Peter Kraus vom Cleff: Was uns von Bienen unterscheidet – das, was wir machen, wollen wir auch.
Markus Klose: Wir gestalten die Digitalisierung mit Gelassenheit, nicht mit Hysterie; und wir hören weiterhin auf das kleine zarte Stimmchen der Bücher – wir lieben sie.
4. Verlegerbeteiligung an den Ausschüttungen der VG Wort gestoppt – es drohen Rückforderungen im Volumen von ca. 350 Mio. €
Rainer Just: Bis zur bevorstehenden Verhandlung des Bundesgerichtshofs am 10. März bleibt den Verlagen nichts anders übrig, als Verjährungsverzichtserklärungen abzugeben und ggf. Rückstellungen zu bilden.
Prof. Dr. Christian Sprang: Die seit 200 Jahren praktizierte Verlegerbeteiligung ist durch den Europäischen Gerichtshof unterbunden worden. Das dazugehörige politische Gesellschaftsspiel heißt „Zuständigkeitsmikado“: weder Europäische Kommission noch Bundesregierung wollen eingreifen.[mehr…].
5. Vom Wert der Vielfalt: Kultur-Staatsministerin Monika Grütters
Wir schätzen und schützen die kulturelle Vielfalt, wenn Sie auch abseits der Bestsellerlisten Aufmerksamkeit für Bücher schaffen.
6. Aktuelles zum Urheberrecht/Urhebervertragsrecht
• Prof. Dr. Christian Sprang: Verfassungsrecht vergeht – Verwaltungsrecht besteht. In einem mühsamen Prozess konnte das Bundesjustizministerium davon überzeugt werden, dass der bisher vorliegende Referentenentwurf – entgegen der angekündigten Intention – den Interessen der Urheber keineswegs dient und vom Tisch kommt.
• Die Autorin Nina George zieh in einem leidenschaftlichen Plädoyer mit den Worten „Ich bin Ihr Risiko – ich bin Ihre Zukunft“ die Verlage des Idealismus und erklärte, dass es keinen Grund zur Gelassenheit gebe.
7. Paperback-Ausgaben von Random House-Chef Dr. Frank Sambeth
Eine erfreuliche Erfolgsgeschichte, seitdem diese Buchform auf einer eigenen Bestsellerliste erscheint. Das müsste sich doch weiterentwickeln lassen. Ob Originale und Deutsche Erstausgaben Platz auf einer neuen Paperback-Liste finden dürfen, rief erstaunlicherweise bei vielen Verlegern „ambivalente Gefühle“ hervor.
8. Elektronische Vorschau / digitale Bestellsysteme
Das kommt und funktioniert schon, wenn es auch die gedruckten Vorschauen noch nicht ersetzen kann. Wettbewerb ist grundsätzlich etwas Schönes, aber das VLB-TIX der MVB scheint das Rennen vor EDELWEISS+ zu machen.
9. Noch eine flammende Rede: Peer Steinbrück erläutert, was die Politik von den Publikumsverlagen erwartet
Kritik an unseren Politikern? – Jederzeit, aber bitte keine Verachtung. Wer, wenn nicht demokratisch verfasste Parteien, die ein Bewusstsein für den Schutz von Minderheiten haben, soll denn unsere Demokratie tragen? Wo bleiben die von Intellektuellen geführten gesellschaftlichen Debatten über die großen Herausforderungen (Krim/Ukraine, Europa, Flüchtlinge, IS-Terror)? – sie zu publizieren, ist eine Aufgabe der Verlage.
10. Zur Situation der Marktforschung in der Buchbranche
• Alexander Skipis: Eine Groteske – der Wettbewerb zwischen MediaControl und GfK verschlechtert die Produkte.
• Ulrike Altig (MC): Wir sind gesprächsbereit.
• Dr. Mathias Giloth (GfK): Wir können hier und heute mit einem 5-Punkte-Plan den Streit beenden.
• Peter Kraus vom Cleff: Ich versuch hier mal plasbergesk zu vermitteln.
• Dutzende von Verlegerstimmen: Schafft die Exklusiv-Verträge ab! Sonst kündigen wir! Kindergarten! Einigt Euch! Wir sind doch keine Schiedsrichter! Reichlich bizarr!
• Peter Kraus vom Cleff: Wir machen jetzt blauhelmmäßig ein Camp David für Daten.
Mehr demnächst.
Ulrich Störiko-Blume







