
Am Mittwochabend hat es im Münchner Literaturhaus heftig gewimmelt. Im vollbesetzten großen Saal wurde Ali Mitgutsch, der im letzten Jahr seinen 80. Geburtstag feiern konnte, mit diesem seit 1975 verliehenen Preis geehrt. Münchens Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers, der dem freudestrahlenden Künstler die Auszeichnung überreichte, konnte im Namen der Jury überzeugend erklären, warum der Preis zum ersten Mal an einen Illustrator ging: „Wer behauptet, dass man nur mit Worten erzählen kann, der kennt Ali Mitgutsch nicht.“
Die nach dem vielseitigen Münchner Schriftsteller, Journalisten und Schauspieler Ernst Hoferichter (1895 – 1966) benannte Auszeichnung wird alljährlich von der Stadt München verliehen. Franzi Hoferichter setzte nach dem Tod ihres Mannes die Stadt München als Erbe ein und verpflichtete sie zur Gründung einer Stiftung, um Münchener Schriftsteller zu ehren, die sich durch „Originalität mit Weltoffenheit und Humor“ auszeichnen.

„Heute und einmalig“ (wie Roswitha Budeus-Budde von der Süddeutschen Zeitung betonte) konnte das wimmelnde Münchner Publikum dann „Das literarische Wimmel-Terzett“ als Laudatoren erleben, bestehend aus ihr und den Illustratoren-Kollegen Quint Buchholz und Erhard Dietl.
Die beiden erzählten, wie Ali Mitgutsch – schon ein anerkannter Könner – auch ein Gönner war, als sie ihre ersten Schritte machten. Es gab Illustratorentreffen, er besuchte, ermutigte und forderte die jungen Kollegen. Erhard Dietl schilderte, wie Ali Mitgutsch in sein Atelier kam und „rumgemeckert“ habe, bei ihm damit aber den Sinn für den „suchenden Strich“ geweckt hat: „Dein Strich muss zittrig sein, nicht so glatt und gerade. Im hohen Alter kannst du dann noch Werke schaffen.“ Da musste der im Rollstuhl sitzende Meister herzlich schmunzeln.
Quint Buchholz sieht das Geheimnis des Erfolgs von Ali Mitgutsch darin, dass er die Kinder (und uns alle) „teilhaben lässt am vergnügten Staunen über die Welt“.
Das Vergnügen war denn auch die Stimmung des Abends, der mit bayerisch-bluesigen Liedern von Erhard Dietl eröffnet und beendet wurde, begleitet vom Peter Raab, der ein paar schöne Gitarrensoli zum Besten gab. Erhard Dietl, als Sänger, Gitarrist und Songschreiber genauso gut wie als Geschichtenerfinder und Illustrator, gelang es, das Publikum – und Ali Mitgutsch – zum Mitsingen beim Refrain „Hab´ koa Angst, das Glück liegt ganz woanders“ zu animieren – ein Riesenspaß.
Quint Buchholz erinnerte daran, dass Ali Mitgutsch für viele Illustratoren auch in anderer Hinsicht ein Vorbild war: Man konnte von ihm lernen, wie man mit großer Ruhe, Frechheit, Geduld und Witz mit seinem Verlag die Verhandlungen über Konzept und Konditionen führt.
Das Foyer im Literaturhaus beim anschließenden Empfang war gesteckt voll, u. a. wurden gesichtet: die neue Verlegerin Anuschka Albertz und Johannes Hauenstein von Ravensburger (Mitgutschs Hausverlag), Doris Janhsen von Oetinger, die Illustratorinnen Binette Schröder und Verena Ballhaus, Literaturhaus-Stiftungschef Hans-Peter Übleis, die früheren Lehmkuhl-Buchhändler Ingvelde und Erwin Schumacher. Ein gelungener Abend für alle, die das Kind in sich nicht verdrängt haben.
Ulrich Störiko-Blume