
Im Literaturhaus Frankfurt wurde heute die neue Konzertreihe Carte Blanche der Frankfurter Gesellschaft für Neue Musik in Zusammenarbeit mit den Literaturhäusern Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt vorgestellt.
Jan-Filip Tupa, Geschäftsführer der Frankfurter Gesellschaft für Neue Musik, und Paul Hübner, Vorsitzender der Gesellschaft, erläuterten Details zu den geplanten sechs Veranstaltungen.
„Die Idee hatten wir vor zwei Jahren, als wir auf einen Artikel von Dietmar Dath zum 70. Geburtstag des englischen Komponisten Brian Ferneyhough stießen. Wir wollten Schriftsteller und Musiker aus dem Feuilleton an die Öffentlichkeit holen“, berichtete Tupa von den Anfängen.
Seit ihrer Gründung 2003 veranstaltete die Frankfurter Gesellschaft für Neue Musik diverse Konzertreihen. Eine Verbindung mit Literatur könnte eine Möglichkeit bieten, auch ein anderes Publikum zu erreichen. Und wer wäre dafür besser als Partner geeignet als die Literaturhäuser der Region? Dort stießen die Musiker auf offene Ohren.
So wurde aus der Idee ein Konzept. Tupa und Hübner hatten bereits einige geeignete Autoren im Kopf, Musiker kennen sie ohnehin. Die Leiter der Literaturhäuser steuerten ihre Erfahrungen bei: „Ich bin immer für neue Formen der Literaturvermittlung. Mein erstes Programm bestand aus Literatur und Musik“, erklärte Adrienne Schneider, Chefin des Darmstädter Literaturhauses. Sie schlug Peter Härtling vor, der nicht nur Schriftsteller, sondern auch Musiker ist und sich intensiv beispielsweis mit Schubert, Schumann und Verdi beschäftigte. „An diesem Abend gelingt uns vielleicht eine moderne Schubertiade“, ergänzte Paul Hübner. Zu Lebzeiten von Franz Schubert (1797 bis 1818) waren damit die Aufführungen seiner musikalischen Werke in einem Salon gemeint, heute tragen mehrere Konzertreihen diesen Namen.
Jüngste Autorin der Carte Blanche ist Mara Genschel. Die studierte Musikwissenschaftlerin und Schriftstellerin wird mit dem Konzeptkünstler Mario de Vega ein extra für diesen Abend im Literaturhaus Wiesbaden entwickeltes surreales Hörstück aufführen und die Gegensätze und die Kongruenz von Lesepult und Mischpult ausloten.
In Frankfurt werden an zwei Abenden Thomas von Steinaecker und Dietmar Dath zu Gast sein. „Mit beiden Autoren haben wir bereits gut zusammengearbeitet“, erklärte Literaturhausleiter Hauke Hückstädt. „Man geht Wege gemeinsam mit den Autoren, arbeitet zunehmend mehr auch mit anderen Institutionen zusammen.“
Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der diese neue Reihe mit unterstützt, bemerkte: „Für uns ist das ein spannendes Format. Es überschreitet Grenzen und ist regional vernetzt.“
Das Programm von Carte Blanche beginnt am 2. November 2015 mit Thomas von Steinaecker, der als Jugendlicher den Komponisten Karlheinz Stockhausen kennenlernte und davon erzählen wird.
Am 6. November ist Mara Genschel in der Villa Clementine in Wiesbaden zu Gast, am 1. Dezember wird die Reihe mit Peter Härtling in Darmstadt fortgesetzt.
Im neuen Jahr wird am 27. Januar Marcel Beyer ebenfalls in Darmstadt zur vierten Veranstaltung zu Gast sein; Beyer arbeitet seit längerem mit Komponisten zeitgenössischer Musik zusammen.
Michael Lentz gestaltet den Abend am 4. Februar 2016 im Museum Wiesbaden – der Platz in der Villa Clementine hätte für das Septett, das Lenz’ Auftritt musikalische unterstützt, nicht gereicht.
Dietmar Dath setzt am 25. Februar 2016 den Schlusspunkt in der Reihe Carte Blanche. Versprochen werden laut Programm „halsbrecherische Denkausflüge“ mit Musik von Brian Ferneyhough, Cornelius Cardew und Frederik Rzewski.
Alle Veranstaltungen werden moderiert und verwenden viele Stilmittel wie Texte mit ohne Musik, Klangspiele, Videos und Performances. Details dazu sind unter www.carte-b.de zu finden.
Medien-Tische wird es bei dieser ungewöhnlichen Reihe auch geben.
JF