München ist führend bei kleineren Startups bis 250.000 € Umsatz – dank guter Zusammenarbeit mit Universität, Unternehmen und dem bayerischen Staat. Das zeigte auch die von Jürgen Harth (Hanser) für den AKEP mit Bastian Schwithal und Volker Zanetti (kindai:projects) organisierte Startup-Tour am 24. September.
Mehr als zwei Dutzend interessierte Teilnehmer aus Münchner Verlagen, Agenturen und Medienunternehmen fuhren (im Mannschaftsbus von Bayern München) zu verschiedenen Hotspots.
„Wollen Sie gedruckt oder wollen Sie gelesen werden?“ – diese rhetorische Frage (stammt wohl von Arianna Huffington) zieht sich wie ein roter Faden durch das Selbstbild der jungen Medienleute, die für ihre Arbeit brennen.
• Süddeutsche Zeitung: Sie feiert gerade ihren 70. Geburtstag und befindet sich mitten in einer „Kulturrevolution“, die nicht von oben verordnet, sondern von den Mitarbeitern selbst getragen wird. Stolz und ein bisschen verschmitzt erklären Geschäftsführer Johannes Vogel und Online-Chef Stefan Plöchinger, dass sie mit der Verschmelzung der Redaktionen für Online und Print ziemlich weit sind. Im Newsroom im 22. Stock kann man sehen, wie die Chefredakteure als persönliche Scharniere zwischen den beiden Großraumbüro-Flügeln sitzen. Alle arbeiten für ein und dasselbe Geschäftsmodell. Ganz wichtig: Für Qualitätsjournalismus online wird bezahlt. Bereits über 40.000 Abonnenten hat die Online-Ausgabe (auch auf mobilen Geräten lesbar), davon beziehen immerhin 1/3 sowohl die gedruckte als auch die Online-Ausgabe.
• FOCUS online fährt ein völlig anderes Konzept: Der gedruckte FOCUS ist ein wöchentliches Magazin – FOCUS online ist eine digitale Tageszeitung. Hier glaubt man nicht an paid content, ist aber dennoch »hochprofitabel und nicht quersubventioniert«, wie FOCUS online}-Chef [Kolja Kleist erklärt. Denn die „Burda-DNA: mit Journalismus Geld verdienen“, fließt auch in den Adern der Online-Leute. Das kann nur durch Zusatzleistungen wie „Native Advertising“ und Fördern von „Partnerinhalten“ funktionieren. Man hält sich für das schnellste Online-Portal, das den User im Mittelpunkt sieht.
• Huffington Post Deutschland arbeitet im Newsroom nebenan. Hier bedient man sich aller nur denkbaren Informationsquellen in der ganzen Welt. Ihre Art der Nachrichtenbeschaffung sprengt das übliche Selbstverständnis der Profession: „Wir müssen uns stets Fragen dieser Art stellen: Kann eine Mutter nicht besser darüber schreiben, was eine Mutter empfindet, als ein Journalist?“ In dieser Nachrichtenwelt gelten die Prioritäten: 1) Digital only; 2) User orientation; 3) Mobile first; 4) Social Brands.
• MEDIA LAB Bayern ist eine Talent-, Ideen- und Konzept-Fördereinrichtung der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien, finanziert vom Bayerischen Wirtschaftsministerium. Erst im August hat man die neuen Räume bezogen, wie Stefan Sutor und Lina Timm erklären, um als „Ideen-Inkubator für digitalen Journalismus“ zu wirken. Hier stellt man „Open space“ zur Verfügung, um Startup-Teams aus Journalisten, Programmierern und Designern in der Vor-Gründungsphase auf die Beine zu helfen. Derzeit werden 20 Teams gefördert.
Es sind auch die neuen Arbeitsweisen, die den Kollegen in herkömmlichen Medienunternehmen eine Menge Denkanstöße gegeben haben: Für Teams jenseits aller Hierarchien und abgegrenzten Zuständigkeiten sind Begriffe wie Motivation und Transparenz keine mühsam aufgepeppten Etiketten auf überkommenen Strukturen. Es darf, es muss, es will vieles ausprobiert werden.
Ulrich Störiko-Blume







