Bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen feierte das Literarische Colloquium Berlin (LCB) am Samstag sein traditionelles Sommerfest zusammen mit Rowohlt Berlin. Anlass war der 25. Geburtstag des Verlags.

Schon am frühen Nachmittag strömten die Literaturfreunde in die Villa am Wannsee, flanierten durch den Park, standen am Ufer oder saßen auf der Wiese und lauschten den Lesungen von Autoren wie Wolfgang Büscher, Friedrich Christian Delius, Horst Evers, Szczepan Twardoch und Katerina Poladjan.
Viel Applaus bekam Ulrich Matthes für seine Lesung aus Wolfgang Herrndorfs Tschick. Und besonders voll wurde es an der Rotunde am See, als die ehemaligen Titanic-Chefredakteure Martin Sonneborn und Oliver Maria Schmitt Titanic Boy Group Greatest Hits – 20 Jahre Krawall für Deutschland vorstellten.
Gunnar Schmidt, der verlegerische Geschäftsführer, freute sich über die zahlreichen Gäste. In seiner Begrüßung erinnerte er an die Pionierzeit Ernst Rowohlts, die für den Verlag Lehren, Anregungen und Verpflichtungen berge. Ernst Rowohlt habe sich nie gescheut, etwas zu riskieren, sagte Schmidt und hob dessen Lust am Neuen und an der Entdeckung hervor.
„Ohne echte Neugier geht es nicht – das können wir von den Alten lernen. Und das bleibt die ständige Herausforderung.“ Die Neugier und die Lust auf Entdeckungen seien auch in der 25-jährigen Geschichte des Rowohlt Berlin Verlags unverändert geblieben. „Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch?“, zitierte Schmidt Kafka. Manchmal reiche es aber auch, wenn Bücher, wie Wolfgang Herrndorf womöglich gesagt hätte, einem einfach den Stecker ziehen.
Der Verlag, den Ingke Brodersen von 1990 bis 2000 leitete und Siv Bublitz von 2000 bis 2003, sei ein Kind der Wendezeit und geprägt durch die Stadt, in der er zu Hause ist. „Rowohlt Berlin möchte geschichtsbewusst und offenen Sinnes zugleich sein, ein unideologischer kritischer Verlag, der sich als Forum versteht und dessen Programm Widersprüche aushalten muss. Wir möchten Wandel wahrnehmen. Bücher machen, die durch ihre poetische Intensität, ihre Geschichtenfülle, ihr Formbewusstsein oder ihren Witz bestechen. Die Debatten anstoßen.“ Schmidt bedankte sich bei den Autoren und Mitarbeitern und versprach dem Publikum „Wir bleiben neugierig!“
Als die Sonne filmreif hinter dem Wannsee unterging, spielte die Band Ermöbel auf der Terrasse, bevor dann das Tanzvergnügen im großen Saal begann.
Die Gäste, darunter Autoren, Journalisten, Agenten, Übersetzer und viele Buchhändler, genossen nicht nur Sommer, Sonne, See und Literatur, sie konnten auch ein Lesebuch über 25 Jahre Rowohlt Berlin mit nach Hause nehmen. Es enthält ein Gesamtverzeichnis aller bisher erschienenen Titel und Lesestücke von 1991, dem Jahr, in dem das erste Programm erschien, bis heute.
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