
Peter Cachola Schmal (r.)
Mit der Ausstellung Tropicality Revisited, die heute Abend im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt eröffnet wird, beginnt das kulturelle Rahmenprogramm des diesjährigen Ehrengastes der Frankfurter Buchmesse.
Die Exposition zeigt zwölf realisierte Studien indonesischer Architekten und liefert einen Überblick zur Entwicklung der Architektur in den Tropen von der Kolonialzeit im 18. und 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart in Bildern, Büchern und Filmen. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog bei IMAJI Publishing Jakarta erschienen. DOM publishers Berlin gibt zudem eine neue Ausgabe von Architectural guide Indonesia von Imelda Akmal heraus.
Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums, begrüßte die Medienvertreter zu einer Preview. Gekommen waren außerdem Goenawan Mohamad, Vorsitzender des Ehrengastkomitees, die indonesischen Kuratoren Avianti Armand und Setiadi Sopnadi sowie zahlreiche Architekten aus dem Inselstaat.
„Indonesien nahm erstmals 2014 an der Architektur-Biennale in Venedig teil, in der gegenwärtigen Ausstellung im DAM wird deutlich, welche neuen Ansätze für Architektur es in den Tropen gibt. Aus über 80 eingereichten Arbeiten haben wir zwölf ausgewählt. Außerdem gibt es im Zentrum der Exposition, in unserem Haus im Haus, einen Zeitstrahl“, begrüßte Cachola Schmal die Gäste. „Wir haben mit der Ausstellungsplanung 2014 begonnen. Es ist das gleiche Team wie zur Biennale“, erklärte Armand.
„Es gab in Vorbereitung der Exposition viele Diskussionen, wie sich Indonesien auf dem Gebiet der Architektur präsentieren soll. Man muss den Zusammenhang zwischen Geschichte und Gegenwart sehen. Die zwölf ausgewählten Fallbeispiele zeigen, wie Architektur auf die Bedingungen der Tropen eingeht“, erläuterte Sopnadi.
Die Entwicklung und Einführung von Klimaanlagen, ein Einfluss aus den USA, hätten die Architektur in den Tropen enorm beeinflusst, kommentierte Cachola Schmal. „Aber was geschieht bei Stromausfall? Dann haben diese klimatisierten Glaskästen ein richtiges Problem“, sagte der Direktor. Deshalb wurde bei den Exponaten die traditionelle Bauweise wiederentdeckt, transformiert und modernisiert. „Es gibt nur zwei Saisons in Indonesien: erstens heiß und feucht, zweitens heiß und noch feuchter“, scherzte Cachola Schmal.
Auf dem anschließenden Rundgang stellten Architekten und Kuratoren die einzelnen Projekte – oftmals private und sehr persönliche Arbeiten – vor. Dabei handelt es sich um Wohnhäuser sowohl auf äußerst begrenztem Raum als auch auf bis zu 3000 Quadratmeter großen Grundstücken. Außerdem werden ein Open Air Kino, ein Restaurant, ein Hotel und eine Moschee gezeigt. Neben den Architekturmodellen gibt es umfangreiche Erläuterungen in Wort und Fotos sowie kleine Monitore, auf denen Bilder zur Entwicklung der Projekte zu sehen sind.
Viel Wert wird auf Nachhaltigkeit gelegt, nur wenige ausgewählte Bereiche in einigen Gebäuden sind klimatisiert. Durch die Beobachtung des Sonnenstandes und des Lichteinfalls und deren mögliche Auswirkungen auf das Gebäude, die entsprechende Ausrichtung der Häuser, eine in vielen Fällen offene Bauweise, in der die Luft zirkulieren kann, wird ein angenehmes Klima erreicht.
Der Architekt Achmad Tardiyana stellte beispielsweise sein privates Wohnhaus vor. Es liegt nördlich von Bandung, dort wird die bauliche Entwicklung streng überwacht, weil die Zersiedelung in diesem Gebiet immer wieder zu Überschwemmungen führt. Tardiyana plante das Haus so, dass es nur minimale Auswirkungen auf die Umgebung hat. Er verwendete einfache, natürliche und wiederverwertbare Materialien: Terrakottaziegel, recycelte Holzbohlen, Paneele aus Bambusgewebe. Fast das gesamte Erdgeschoss seines Hauses stellte er für die Öffentlichkeit zur Verfügung, richtete für die Kinder der Nachbarschaft eine Gemeindebücherei ein. Deshalb heißt das Gebäude, in dem sich eine offene Sammlung und ein Leseraum befinden, Lesehaus. Außerdem gibt es ein Amphitheater und einen großen Innenhof in dem Privathaus.
Die Ausstellung ist bis zum 3. Januar im Deutschen Architekturmuseum zu sehen.
JF