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Ror Wolf mit Günter-Eich-Preis ausgezeichnet

v.l.: Moderator Thomas Bille
Juryvorsitzender Wolfgang Schiffer

Heute wurde der Hörspielautor und Schriftsteller Ror Wolf mit dem Günter-Eich-Preis ausgezeichnet. Die Leipziger Medienstiftung ehrte den 83-Jährigen für seinen Beitrag zur Radiokunst.

Ror Wolf (dessen Werk heute bei Schöffling verlegt wird) hatte sich in den 70er Jahren vor allem mit seinen Fußball O-Ton-Collagen einen Namen gemacht. Der Günter-Eich-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
Den Mitschnitt der Veranstaltung kann man sich am Sonntag, 18 Uhr, auf MDR Figaro anhören. Direkt im Anschluss bringt der Sender zwei von Ror Wolfs berühmten Fußballcollagen, nämlich „Der Ball ist rund“ (hr 1979) und „Schwierigkeiten beim Umschalten“.

Aus der Jury-Begründung:

Ror Wolf kennt viele Beinamen: die einen nennen ihn einen „Fußballpoeten“, andere einen „Virtuosen des Verschwindens“ oder den „bedeutendsten Wörterschmied deutscher Sprache“; auch als „Eigensinniger der experimentellen Literatur“ wird er bezeichnet – und schließlich als „Radiojunkie“, der von sich gesagt haben soll: „Im Grunde bin ich ein Hörspielautor, der gelegentlich ein Buch schreibt.“ Tatsache ist, dass der 1932 im thüringischen Saalfeld und heute in Mainz lebende Wort- und Bildkünstler seine Leidenschaft für das Radio schon früh erfahren hat.

Dass es für ihn nicht nur beim Radiohören blieb, sondern dass seit nun mehr als vierzig Jahren von ihm selbst verfasste Hörspiele einem weiten Radiopublikum vergleichbar glückliche Zustände bereiten, verdankt sich – wäre sie nicht wahr, müsste man diese Koinzidenz erfinden – niemand anderem als dem Namenspatron des Preises selbst: Günter Eich. Dieser hat den jungen Kollegen, der soeben seine ersten Romane im Suhrkamp Verlag veröffentlicht hatte, Ende der 60er Jahre gefragt, warum er eigentlich keine Hörspiele schreibe, und damit die Initialzündung für ein Radiokunst-Werk gegeben, das im Lauf der folgenden Jahrzehnte das Repertoire des deutschsprachigen Hörspiels stetig erneuert und nachhaltig bereichert hat.

Bereits sein Radiodebüt „Der Chinese am Fenster“ (1971) gilt als ein Klassiker des experimentellen Hörspiels. Variationsreich und im Schreiben stets auf Hörbarkeit ausgerichtet entwickelt der Autor das in diesem Debüt angewandte Verfahren fort – ein Verfahren des Zitierens, Collagierens und Montierens von Versatzstücken aus Trivialliteratur, Original-Geräuschen, Musik usw. hin zu einem ironisch-lustvollen Spiel mit der Wirklichkeit und den Erwartungen des Hörers. Zugleich gewinnt er in produktiver Auseinandersetzung mit den Bedingungen und Möglichkeiten des Mediums Radio diesem neue Formen des akustischen Erzählens ab – u. a. allein mit den Mitteln des Originaltons in zehn aus unzähligen Stunden von Reportage-Mitschnitten und Interviews mit Beteiligten montierten Fußballhörspielen oder als fließendes, hochmusikalisches Arrangement aus Tondokumenten und balladeskem Erzählen, wie es in seiner preisgekrönten Radioballade „Leben und Tod des Kornettisten Bix Beiderbecke aus Nord-Amerika“ (1987), einem der meistgesendeten deutschen Hörspiele, seinen überzeugenden Ausdruck findet.

Ror Wolfs akustische Erzählformen wirkten stilbildend auf nachfolgende Generationen und haben in ihrer zeitlosen Modernität bis heute nichts an Lebendigkeit verloren; ihre künstlerische Raffinesse und die Subtilität der Arrangements befeuern den hohen Unterhaltungswert, den jedes einzelne Hörspiel des Autors besitzt – Hörspiele, die sich in der Summe auch als eine Hommage sehen und hören lassen an das Radio als d a s Medium des künstlerischen Worts.

Der „Günter-Eich-Preis“ wird alle zwei Jahre ausgeschrieben und vergeben. Mitglieder der diesjährigen Jury waren: Linde Rotta (freie Autorin / Journalistin), Elisabeth Panknin (ehemalige Hörspielleiterin des Deutschlandfunks), Franziskus Abgottspon (ehemaliger Hörspielleiter der SRG / Schauspieler) und Jens Bisky (Feuilletonredakteur / Kritiker bei der Süddeutschen Zeitung). Den Juryvorsitz hatte Wolfgang Schiffer (bis 2011 Leiter der Abt. Hörspiel und Radiofeature des WDR).
Die Entscheidung der Jury zur Preisvergabe an Ror Wolf, in diesem Jahr nominiert vom WDR, erfolgte einstimmig.

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