
Vom 12. bis zum 14. Juni fand in der Gemäldegalerie am Berliner Kulturforum die erste Ausgabe des neuen Veranstaltungsformats der LiberBerlin [mehr…] statt. Neben Antiquariaten nahmen diesmal auch Verlage und Buchhandlungen an der Verkaufsmesse teil.
Schon seit Jahren ist die Antiquariatsmesse LiberBerlin im Foyer der Kunstbibliothek am Kulturforum zu Gast. Um ein größeres Publikum anzusprechen, hatte sich Knut Ahnert von der Arbeitsgemeinschaft LiberBerlin in diesem Jahr ein neues Konzept ausge¬dacht. „Wenn wir schon an diesem schönen Ort sind, sollten wir auch die wunderbare Museumslandschaft nutzen“, erläutert er. „So entstand die Idee, die Gemäldegalerie, das Kupferstichkabinett und die Kunstbibliothek in unsere Antiquariatsmesse einbeziehen. Außerdem wollten wir eine größere Zielgruppe ansprechen. Da lag es auf der Hand, nach Partnern zu suchen.“
Bei der Gemäldegalerie traf Ahnert auf offene Ohren. „Die Museumsleitung war begeistert, dass wir uns für deren Inhalte interessieren.“ Auch Detlef Bluhm vom Börsenverein Landesverband Berlin-Brandenburg griff Ahnerts Vorstoß begeistert auf, um das Konzept des beliebten Berliner Bücherfestes zu integrieren.

Am vergangenen Wochenende war es dann so weit: In der 1.700 Quadratmeter großen, hellen Wandelhalle der Gemäldegalerie waren 80 Stände aufgebaut, davon gut 20 mit wertvollen alten Büchern, Autographen und Bildern. Daneben präsentierten Berliner Verleger und Ver-legerinnen höchst persönlich ihre aktuellen Bücher, von Arsenal und be.bra über die Edition A.B. Fischer und Elsengold bis zu Transit und Verbrecher. Auswärtige Verl¬age wurden von Berliner Buchhandlungen vertreten. So waren Hanser und Diogenes – Titel am Stand der Buchhandlung Starick zu finden, Marga Schoeller präsentierte C. H. Beck und Suhr¬kamp, Moby Dick die Kinderbücher des Moritz Verlags und Carlsen wurde von Purzelbuch angeboten.
Ein umfangreiches Rahmenprogramm bot Führungen zu den nur wenige Schritt entfernten alten Meistern. Die Kunstbibliothek öffnete ihre Schatzkammer und zeigte Künstlerbücher, die der Besucher sonst gar nicht zu sehen bekommt. Dazu hatte der Landesverband Diskussionen – auch zu digitalen Themen – und Buchvorstellungen organisiert und auch das berühmte Blaue Sofa konnte er für die Gemäldegalerie gewinnen. Während die Kinder im Studio der Museumspädagogik ihr eigenes Buch druckten, konnten die Eltern beispielsweise Peter Schneider kennenlernen, der mit Wolfgang Herles über sein jüngstes Buch An der Schönheit kann’s nicht liegen (Kiepenheuer & Witsch) sprach.

Für nur 5 (statt der üblichen 10) Euro hatte das Publikum Zutritt zum Museum, zur LiberBerlin und zu den Veranstaltungen. Ein umfangreiches Programmheft mit allen Gesprächen und Vorträgen und einem Ausstellerverzeichnis erleichterte die Orientierung und lag Wochen vor Beginn der LiberBerlin in allen teilnehmenden Buchhandlungen aus. Dennoch blieben die Besucherzahlen hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Lag es am Gewitterwetter? Waren alle Berliner und Touristen zum Richtfest ans Schloss geeilt, das am selben Wochenende mit einem Tag der offenen Baustelle lockte? Zur langen Nacht der Wissenschaften oder anderen Konkurrenzveranstaltungen? „Außer Spesen nichts gewesen“, hieß es enttäuscht von Seiten der Verlage, die sich mehr Umsatz versprochen hatten. „Immerhin hatten wir sehr gute Gespräche untereinander“, tröstete sich ein Buchhändler. „Sonst hat man ja selten Gelegenheit, sich in aller Ruhe mit Branchenkollegen auszutauschen.“
Die beteiligten Antiquare waren überwiegend zufrieden, bilanziert Ahnert. „Der Ort wurde allgemein als großartig empfunden, auch das Begleitprogramm war ein Erfolg.“ Selbst wenn die Umsatzerwartungen der Verlage nicht erfüllt wurden, ist Ahnert optimistisch, dass es gelingen wird, die LiberBerlin in dieser Kooperation weiter zu entwickeln. Detlef Bluhm, der viel Herzblut in das Projekt steckte, ist enttäuscht, dass die Berliner Presse nicht mitspielte. „Es gab im Vorfeld zu wenig Berichterstattung“, sagt er. „Mit der Organisation, dem Ablauf und dem Ort sind wir aber sehr zufrieden.“ Noch in diesem Monat will Bluhm Verleger, Buchhändler und alle Interessierten zum Brainstorming zusammenbringen. Für Gesprächsstoff sorgt die neue LiberBerlin in jedem Fall.
ml