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Frankfurter Lyriktage mit grandiosem Lesekonzert eröffnet

Alexander Hadjev, Marcel Beyer und Saar Berger
freuen sich über eine gelungene Uraufführung

Gestern Abend begannen die vierten Lyriktage [mehr…] im Dominikanerkloster in Frankfurt furios: Marcel Beyer und das Ensemble Modern boten im ausverkauften Saal eine außergewöhnliche Uraufführung, in der die Klänge von Worten und Noten ineinanderflossen.

„Menschen kapitulieren bei Gedichten zu schnell“, urteilte der Autor Marcel Beyer in einem Statement nach den Proben mit den Musikern vor wenigen Tagen. Er hofft, dass Gedichte und Musik als Gemeinsames und zueinander Gehörendes wahrgenommen werden und sich so auch die Haltung der Zuhörer ändert.

Die Aufführung begann mit T.S. Eliots The Hollow Men, vorgetragen von Marcel Beyer und musikalisch unterstützt mit einem für das Ensemble Modern arrangierten God save the King von Ludwig von Beethoven. Eindrücklich unterstrich die anschwellende, immer dramatischer werdende Musik die letzten Zeilen This is the way the world ends.

Das Lesekonzert verwob Musik von Nikolai Andrejewitsch Roslawez und Sergei Prokofjew mit Beyers Texten aus dem Band Grafit, Gedichte von Ezra Pound mit den musikalischen Studien von Bernd Alois Zimmermann und P. Cannnon.

Zu dem Beyer-GedichtWacholder und zu Georg Trakls An die Verstummten traten die Musik von Anton Webern in einen Dialog, ein Posaunen-Solo begleitete Beyers Mischmund.

Erwin Schulhoffs Fox-Song Susi illustrierte Beyers Don Cosmic, ein Horn-Solo das Gedicht Ich hörte. Robert Schumann kam zu Deine Silbe Grimm, A Lullaby for Lalit von George Benjamin und Beyers Nur zwei Koffer beschlossen den eindrucksvollen Abend.

Marcel Beyer trug das Publikum mit seinem Vortrag von den Höllenmännern über Schneekatzen, Sergej Eisensteins Filmkulissen, tagtägliches Informationschaos, einen „Landschaftsentwurf für festes Schuhwerk“, „Pulsnitzer Küchen-Mistery“, „blöde Shopping Mals“ bis zu merkwürdigen Wörtern wie „Quote“, „Peitsche“, „Rottengeist“ – „eine durch und durch ungemütliche Geschichte, diese deutsche Sprache“.

Nur zwei Dinge dichtete Gottfried Benn 1953, Nur zwei Koffer Marcel Beyer 1997 – beide fragen am Schluss „wozu“. Ein Violinensolo von der Empore nimmt die Worte auf, entlässt das Publikum nachdenklich, bevor der stürmische Applaus allen Beteiligten verdeutlicht: Es war ein grandioses und eindrucksvolles Lesekonzert und doppeltes Vergnügen. Nachlesen und Nachhören empfohlen.

Das insgesamt 19-köpfige Ensemble Modern trat am gestrigen Abend mit den Musikern Alexander Hadjev, Fagott; Saal Berger, Horn; Uwe Dierksen, Posaune; Jagdish Mistry und Gorgios Panagiotidis, Violine; Megumi Kasakawa, Viola; Michael M. Kasper, Violoncello; Paul Cannon, Kontrabass; Rumi Ogawa und Rainer Römer, Schlagzeug; Ueli Wiget, Klavier und Harfe, und Hermann Kretzschmar, Klavier, Celesta und verantwortlich für die Konzeption, auf.

JF

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