
Margrit Starick wird heute 70 Jahre alt. Transit-Verleger Rainer Nitsche gratuliert der Berliner Buchhändlerin zum runden Geburtstag:
Sie hat als Buchhändlerin fast alles erlebt, hat sich im westlichsten West-Berlin, also in Schmargendorf (hört sich schlimmer an, als es ist) selbständig gemacht, hat sich immer was Besonderes ausgedacht für ihr Publikum und ihren Laden, sie hat nach der Wende auf der Suche nach dem legendären Leseland eine Buchhandlung in Ost-Berlin neu eröffnet (nicht irgendeine, sondern die Heinrich-Heine-Buchhandlung, die dann aber erstmal nicht mehr so heißen durfte), sie hat dort aufregend verschränkte Lesungen mit internationalen und deutschen Autorinnen und Autoren gemacht, die die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Geschichte und Literatur durchbrechen sollten und manchmal auch durchbrachen, sie hat mit innerer Wut und äußerem Gleichmut erleben müssen, wie man durch unverschämte Vermieter vertrieben wird – und dann woanders weitermachen kann, und sie hat viel Zeit damit verbracht, für ihre Branche etwas zu tun – in Ehrenämtern, und bei öffentlichen Auftritten (die sie eigentlich nicht mag, aber ganz unprätentiös und ironisch beherrscht).
Obwohl sie in den sogenannten Berliner »Kiezen« zu Hause war, blieb sie nicht im mindesten provinziell. Sie reiste viel in die USA, besorgte sich ihre konfuzianischen Hunde direkt aus abgelegenen chinesischen Regionen, ihren Ehemann Gerd Gerlach aus dem exotischen Land der Donauschwaben (ein Glücksgriff, so weit ich weiß) und kann deswegen ziemlich locker mit dem Thema Globalisierung umgehen.
Das Erstaunlichste an ihr ist ihre Freundlichkeit. Selbst beim Streiten, wo sie verbal absolut mithalten kann, kommt irgendwann der Punkt, wo sie »Naja« oder »Tja« seufzt, einen nochmal streng anschaut und dann in ein solides Lächeln abtaucht.
Ich habe mich früher immer gefragt, woher diese souveräne, fundamentale, eigentlich grundlose Freundlichkeit resultiert. Ich hatte aber einen Verdacht. Jahre, nachdem wir uns in Berlin kennengelernt hatten, hat sich bei einem Telefonat dieser Verdacht bestätigt: nach der Flucht mit ihrer Familie aus dem fernen Osten Deutschlands war sie paar Jahre in einem mir nicht ganz unbekannten, kleinen Dorf in Schleswig-Holstein gelandet, einem Dorf in Angeln unterhalb des Scheersbergs, von dem man über die wellige Landschaft weit in die Ostsee und bis nach Dänemark hineinschauen kann, ein Blick, der selbst die braunsten Augen blau und die blauesten Augen noch blauer färbt und eine lebenslange, also unkündbare Gelassenheit beschert.
Das möge, nein, das wird so bleiben!
Wer auch gratulieren möchte: info@starick-buch.de
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