Zoë Beck hat als Lektorin und TV-Producerin gearbeitet und ist seit 2004 als freie Autorin tätig. Gemeinsam mit Jan Karsten gründete sie 2013 den E-Book-Verlag CulturBooks. Mit ihrem neuen Kriminalroman “Schwarzblende” ist sie seit drei Monaten hintereinander auf der KrimiZEIT-Bestenliste vertreten.
Das war Anlass für Fragen an die Autorin, die ihr Studium mit einer Magisterarbeit über die Kriminalschriftstellerin Elizabeth George abgeschlossen hat.

BuchMarkt: Dreimal in Folge auf der KrimiZEIT-Bestenliste mit Ihrem Roman “Schwarzblende” – im Mai sind Sie wieder auf Platz 2. Was bedeutet Ihnen das?
Zoë Beck: Gerade bei dem aktuellen Titel bedeutet mir das sehr viel. Die Recherche war sehr viel aufwändiger, vor allem auch kräftezehrender als bei meinen anderen Büchern. Verkaufszahlen sind das eine, aber auf eine Bestenliste gewählt zu werden von einer hochkarätigen Jury, die sich mit Kriminalliteratur auskennt, noch mal eine ganz andere Sache. Da freue ich mich natürlich sehr für mein Buch.
Diesmal steht “Roman” drauf, nicht “Kriminalroman” oder wie bei den letzten Veröffentlichungen “Thriller”. Warum?
Die Diskussion, was das eigentlich genau ist, was ich da schreibe, führe ich seltsamerweise recht häufig. Es kam schon zu ewig langen Diskussionen, sowohl mit der Leserschaft als auch im jeweiligen Verlag, und da musste ich in den letzten Jahren einiges dazulernen.
Und was haben Sie gelernt?
Gelernt habe ich, wie präzise und dadurch eng die Definition von “Kriminalroman” und “Thriller” mittlerweile geworden ist und welche Erwartungen durch diese Etikette geschürt werden. Dass die Verlage gerade im Taschenbuchbereich sehr daran interessiert sind, exakt diese Erwartungen zu erfüllen. Und dass es ein Titel, der irgendwie nicht ganz in bestimmte Schubladen passt, schwer hat. Deshalb hatte ich immer wieder mal vorgeschlagen, einfach “Roman” draufzuschreiben.
Und bei “Schwarzblende” haben Sie es dann auch getan. Sehen Sie es denn nicht als Krimi?
Mit dem Begriff “Krimi” ist in den letzten Jahren etwas passiert, wie gesagt – da haben sich sehr genaue Vorstellungen entwickelt, was ein Krimi zu sein hat. Ich habe mittlerweile auch den Überblick verloren, was zum Beispiel unter Spannungsroman oder psychologischem Thriller oder so verstanden wird.
Das heißt, die Etiketten machen Ihnen zu schaffen?
Einfaches Beispiel: 2014 gewann Helmut Lethen für sein Buch “Der Schatten des Fotografen” den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse. Jetzt findet man den Titel im Handel fast nicht mehr. Und selbst wenn ihn eine Buchhandlung bestellen würde – es gibt dafür kein Regal. Ich habe letztens einen Buchhändler gefragt, wo es stehen würde, wäre es im Laden. Er schwankte zwischen den Fotobildbänden und der Unterkategorie Fotografie in der Hobbyecke.
Das hört sich nach einem Vorwurf an….
So will ich das nicht werten, aber viele Titel finden in bestimmten Buchhandlungen einfach nicht statt, weil sie sich nicht klar einordnen lassen. Ich habe selbst schon erlebt, wie ein Roman – kein Titel von mir, aber ich möchte Titel, Autorin und Verlag nicht nennen – in der Vertretertagung scheiterte, weil die Frage auftauchte: Wo soll man den denn im Laden hinstellen? Das Genre ist nicht klar, die Zielgruppe ist nicht klar, das könnte ja alles oder nichts sein! Bis zu diesem Punkt waren alle im Haus hellauf begeistert gewesen, euphorisch fast schon. Danach war das Buch tot. So gesehen machen die Etiketten nicht nur mir zu schaffen, sondern bei allem Erfolg, der dadurch mit gewissen Titeln erzielt werden kann, richten sie doch einigen Flurschaden an, was die Vielfalt angeht, vor allem die Sichtbarkeit der Vielfalt.
Die Fragen stellte Christian von Zittwitz







