
(c) Peter von Felbert
Heute Nachmittag hat dtv-Verleger Wolfgang Balk, wie wir erfahren, seinen MitarbeiterInnen gesagt, dass Claudia Baumhöver (Foto) seine Nachfolge antreten wird (offiziell will man das allerdings erst kommende Woche bekannt geben) – und das wird sicher Thema dann auch unter den Verlegern der am Wochenende anlaufenden Londoner Buchmesse sein.
Denn: Vor Monaten schon hatte Wolfgang Balk unmissverständlich gesagt, dass er zum Jahresende nach fast zwanzig Jahren seinen Abschied von dem Verlag nehmen wolle – was aber nicht nur uns unglaublich erschien, wirkte er doch mit dem Verlag engstens verwachsen, den er 1996 mit tiefroten Zahlen übernommen und den er zum derzeit erfolgreichsten deutschen Taschenbuchverlag gemacht hat. Große, übergroße Schuhe also für einen Nachfolger – und dessen Wahl ist dennoch (k)eine Überraschung:
Mi der Berufung der Gründungsverlegerin des ebenfalls marktführenden Hörbuchverlags Der Hörverlag (seit dem vergangenen Jahr zusätzlich für Random House Audio verantwortlich), ist eine kongeniale Führungskraft für diese Aufgabe gefunden, auf die sich sowohl Vorgänger wie Nachfolgerin freuen.
Das war jedenfalls deutlich herauszuhören, als auch Claudia Baumhöver heute ihren Mitarbeitern bei Random House gestanden hat, wie sehr sie sich auf diese neue Aufgabe freue, auch wenn die Wehmut übergroß sei, ihr „Kind“ Hörverlag endgültig zu verlassen.
Ähnlich, wie es schon die große Leistung des dtv-Gründungsverlegers Heinz Friedrich gewesen war, eine Riege von unterschiedlichsten Gesellschaftern auf „sein“ dtv-Konzept einzuschwören, hat auch Baumhöver mit der Gründung des Hörverlags 1993 bewiesen, dass sie das ebenfalls kann. Aber sie hat nicht nur die Fähigkeit, unterschiedlichste Interessen unter einem Dach zu vereinen – sie bringt wie ihre Vorgänger Heinz Friedrich und Wolfgang Balk auch ein hohes Gespür für Qualität und Marketing mit: Bis heute wurde gut ein Drittel aller lieferbaren Titel des Hörverlags mit Preisen ausgezeichnet.
Nicht nur deshalb, sondern auch wegen der ungewöhnlich kreativen, oft preisgekrönten Werbeaktionen gebührt dem langjährigen Marktführer eine losgelöste Betrachtung – ist die Branche doch der einhelligen Meinung, dass erst der Hörverlag das Hörbuch „salonfähig“ gemacht und in den Köpfen der Leute verankert habe (nicht nur deswegen wurde sie 2007 von der BuchMarkt-Jury zur „Verlegerin des Jahres“ gewählt – Wolfgang Balk erhielt diese Auszeichnung „Verleger des Jahres“ übrigens im Jahr 2000). Unzählige Label entstanden im Rückenwind des großen Vorbildes, und doch sind viele wieder von der Bildfläche verschwunden – denn spätestens mit der letzten Jahrzehntwende begann sich der Markt zu konsolidieren, auch der Hörverlag arbeitet heute unter dem Dach von Random House.







