Die Nominierungen für den Deutschen Hörbuchpreis 2015 stehen fest

Für den Deutschen Hörbuchpreis 2015 wurden 21 Hörbücher und drei Verlage nominiert – ausgewählt aus gut 280 Titeln, die von 70 Verlagen eingereicht wurden. In sieben Kategorien stehen jeweils drei Hörbücher für den zur Wahl. Die Bandbreite der Shortlist und der nominierten Verlage ist wieder vielfältig, doch zwei Verlage dürfen sich jeweils gleich drei Mal über eine Nominierung freuen.

BESTE INTERPRETIN

Wiebke Puls für „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ von Olga Grjasnowa, erschienen bei Hörbuch Hamburg

Inhalt: In ihrer Heimatstadt Baku haben der schwule Psychiater Altay und die lesbische Balletttänzerin Leyla eine Scheinehe geschlossen, die sie vor Repressionen bewahren sollte. Mitte der 1990er-Jahre ziehen sie nach Berlin und begegnen dort der amerikanischen Künstlerin Jonoun, die sich zum Missfallen von Altay in Leyla verliebt. Olga Grjasnowas zweiter Roman erzählt die komplizierte Geschichte einer „Ménage à trois“ und führt ihre Protagonisten auf abenteuerlichen Fahrten bis in ihre kaukasische Heimat.

Das sagt die Jury: „Die Lesung der Theaterschauspielerin Wiebke Puls ist ohne jedes Pathos und fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute. Sie gibt der nüchtern erzählten Geschichte einen guten Rhythmus und wird dabei dem Text und dem Hörer gleichermaßen gerecht.“

Maria Koschny für „Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb“ von Clare Furniss, erschienen bei Oetinger audio

Inhalt: Schlagartig ändert sich das glückliche Leben der fünfzehnjährigen Pearl, als ihre Mutter bei der Geburt der kleinen Schwester stirbt. Mit ihrem Stiefvater und dem Baby, dem sie Schuld gibt am Verlust der Mutter, bleibt das Mädchen zurück. Aus der hochemotionalen Perspektive des Teenagers schildert die englische Autorin in ihrem Jugendbuch, wie Pearl innerhalb eines Jahres mit der Trauer umzugehen lernt und in ihre Familie und den Alltag zurückfindet.

Das sagt die Jury: „Ein herzzerreißender Roman über das Erwachsenwerden, intensiv gesprochen von Katharina und Maria Koschny, auch im wahren Leben Mutter und Tochter. Den Hauptsprecher-Part übernimmt hier die Tochter Maria. Mit eindringlicher, klarer Stimme bringt sie alle Nuancen zum Ausdruck. Trauer und Wut des Teenagers über den Verlust der Mutter werden sprachlich gelebt, ohne zu überzeichnen und ins allzu Sentimentale zu driften. Kurz: Die Sprecherbesetzung hat die Jury überzeugt – sehr eindrucksvoll.“

Marit Beyer für „Die Liebe in Grenzen“ von Veronika Peters, steinbach sprechende bücher

Inhalt: Sozialpädagogin Katia hatte eine schwierige Kindheit und gilt als rebellisch und unangepasst. Nun ist sie Mitte zwanzig und bewirbt sich erfolgreich als Betreuerin in der „Goldbachmühle“, einem Rehabilitationshaus für Psychatrie-patienten. Dessen Bewohner faszinieren Katia in ihrer Andersartigkeit. Zu Heimbewohner Konrad entwickelt sie eine tiefe Zuneigung, mit der sie nach und nach Grenzen überschreitet, bis die Liebesgeschichte ein tragisches Ende nimmt.

Das sagt die Jury: „Marit Beyer scheint die Idealbesetzung der Ich-Erzählerin zu sein: Sie liest ausdrucksstark, mit Tiefe und Würde. Mit ihrer leicht brüchigen, intimen Stimme verfolgt sie einen klaren roten Faden, lässt sich nicht vom Text treiben, sondern formt ihn aus. Dabei vermeidet sie übertriebenes Pathos, braucht keine akustischen Taschenspielertricks, um zu fesseln. Eine echte Entdeckung!“

BESTER INTERPRET

Frederick Lau für „Es bringen“ von Verena Güntner, ROOF Music / tacheles!

Inhalt: Luis ist sechzehn Jahre alt und wohnt mit seiner Mutter im fünfzehnten Stock eines Hochhauses, dabei hat er eigentlich Höhenangst. Aber er ist ein Bringer – im Leben, in seiner Clique und bei den Mädchen sowieso. Als seine Mutter ein Verhältnis mit seinem besten Freund beginnt, gerät Luis‘ Welt vorübergehend aus den Fugen. Im ungestümen Jugend-Slang erzählt Verena Güntners Debütroman vom Erwachsenwerden, von Sex, Freundschaft und der Überwindung von Ängsten.

Das sagt die Jury: „Der Protagonist dieser Geschichte ist kein verunsicherter Teenager, sondern einer, der weiß, was er will oder zumindest so tut. Diesen Luis spricht Frederick Lau mit solch einer Überzeugung, mal schnell, hart und cool, mal leise und berührend, dass man ihm den Ich-Erzähler ohne Wenn und Aber abnimmt. Gerade in seiner Ungeschliffenheit und dem Abtauchen in das geschilderte Milieu ist er die optimale Besetzung für diesen Text.“

Ulrich Matthes für „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler, ROOF Music / tacheles!

Inhalt: Als vierjähriges Waisenkind kommt Andreas Egger in jenes abgeschiedene Alpental, das ihm zeitlebens zur Heimat wird. Demütig, still und genügsam begegnet er fast acht Jahrzehnte lang den vielen Prüfungen, die das Schicksal für ihn bereithält. Obwohl es von Kargheit, Anstrengung und Trauer geprägt ist, blickt Andreas Egger schließlich ohne Verbitterung und mit einem großen, lachenden Staunen auf sein „ganzes Leben“ zurück.

Das sagt die Jury: „Ulrich Matthes ist für uns die Idealbesetzung dieses stillen, unaufgeregten Textes. Er beweist, dass Zurückhaltung im sprachlichen Timbre oftmals eine größere Wirkung erzielen kann als laute Theatralik. Und dort, wo er mal flüsternd, mal schreiend seine Stimme zum Einsatz bringt, wird der Text umso eindringlicher erlebbar. Matthes‘ etwas näselnde, blecherne Stimme hat Charakter, fesselt und zwingt zum Zuhören. Sprecherkunst auf sehr hohem Niveau.“

Bastian Pastewka für „70 Tricks, um nicht baden zu gehen“ von Gideon Samson, Oetinger audio

Inhalt: Am Donnerstag ist Schulschwimmen, und es gibt nichts, was der 9-jährige Gidd mehr hasst. Deshalb sammelt er alle möglichen Tricks, um sich um das Baden herumzumogeln. Der „Taubenmann“ ist für ihn wie ein Orakel: Sitzt er dort, wo der Schulbus vorbeifährt, auf seiner Bank, geht alles gut. Nach den Ferien aber ist er einfach verschwunden, und für Gidd wird alles noch schlimmer. Also begibt er sich auf die Suche nach dem alten Mann.

Das sagt die Jury: „Mit diesem Hörbuch hätte man tatsächlich baden gehen können, wäre der Text vordergründig, klamaukig und wenig nuanciert vorgetragen worden. Ist er aber nicht. Pastewka liest vielstimmig, pointiert, lustvoll, aber stets mit echter Nähe zum Außenseiter-Protagonisten. Dadurch funktionieren die ’70 Tricks‘ als Lesung sogar besser als als Buch. Großartig!“

BESTES HÖRSPIEL

„Qualitätskontrolle oder warum ich die Räuspertaste nicht drücken werde!“ von Helgard Haug und Daniel Wetzel, Hoerspielpark

Inhalt: Vor einundzwanzig Jahren sprang die Abiturientin Maria-Cristina Hallwachs kopfüber in den Pool einer Ferienanlage. Seitdem ist sie vom obersten Halswirbel an gelähmt und permanent auf Hilfe angewiesen. Für dieses Hörspiel, das sie zusammen mit dem Autorenteam „Rimini Protokoll“ entwickelte, wagt sie eine Stunde des Alleinseins, reflektiert ihre Situation und den Optimierungswahn einer Gesellschaft, die selbst die Körper ihrer Bürger bewirtschaften will.

Das sagt die Jury: „Sie habe die Ethik-Kommission überlebt, sagt Maria-Cristina Hallwachs in dem auf ihrer Geschichte beruhenden Hörspiel, das in genau abgemessenen Sätzen den Kampf um ihr eigenes Leben beschreibt. Dabei verfällt sie weder in eine kalkulierte Lakonie noch in Selbstmitleid, sondern erzeugt eine besondere Empathie beim Hörer. Es sind der Atem und die Stimme Maria-Cristinas, die die Authentizität ihrer Erfahrung beglaubigen. Denn sie spricht weiter, auch wenn die Maschine sie einatmen lässt.“

„Die Schutzbefohlenen“ nach Elfriede Jelinek, belleville Verlag

Inhalt: Die Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer und öffentliche Proteste von Asylsuchenden verarbeitete Elfriede Jelinek in ihrem Theatertext. Aus den „Schutzflehenden“ des antiken Vorbilds Aischylos werden die „Schutzbefohlenen“ einer Zivilisation, die ihnen eben diesen Schutz nicht gewähren will. Neben Fragmenten aus Aischylos‘ Tragödie greift Jelinek auf Ovids „Metamorphosen“ und eine Broschüre des österreichischen Staatssekretariats für Integration zurück.

Das sagt die Jury: „Leonhard Koppelmanns Inszenierung präpariert die Schichten, die sich durch Elfriede Jelineks Textblock ziehen, so heraus, wie es nur im Hörspiel möglich ist. In der Wechselrede zwischen Individuum und Chor, ausdifferenzierten akustischen Räumen und behutsam eingesetzten O-Tönen und Geräuschen findet der sprachliche Sound von Jelineks Auseinandersetzung mit einem Thema, das im Kern die Werte unserer Zivilisation betrifft, seine auditive Ausformulierung.“

„Black Box“ nach Jennifer Egan, BUCHFUNK

Inhalt: Eine namenlose Agentin wird auf einen mafiotischen Staatsfeind angesetzt und ihr Körper zu einem Aufzeichnungs- und Sendegerät aufgerüstet. Nun soll sie sich dem Mann mit jedem verfügbaren Mittel annähern, um sein Vertrauen zu gewinnen. Jennifer Egans Thriller erschien zunächst auf der Kurznachrichten-Plattform Twitter, in sukzessive versendeten Texteinheiten von maximal 140 Zeichen. Sie bilden die Mosaiksteine der ungekürzten Hörspieladaption.

Das sagt die Jury: „Seit dem Ersten Weltkrieg steht der Begriff ‚Black Box‘ für ein erbeutetes Feindgerät unbekannter Funktion, das man bei Strafe der Explosion nicht öffnen sollte. In Egans Roman ist diese ‚Black Box‘ eine Agentin, die nie selbst in Erscheinung tritt. Sie wird nur als Adressatin von kurzen ‚Feldinstruktionen‘ und von Wortkonzentraten ideologischer Versatzstücke fassbar. Begleitet vom meisterhaften Sounddesign digitaler Störgeräusche folgt man der Thriller-Handlung in David Fischbachs Inszenierung durch die Ohren der Agentin und wird so in eine äußerst ambivalente Position zwischen Identifikation und (akustischem) Voyeurismus versetzt.“

BESTES KINDERHÖRBUCH

„Geheimsache Labskaus“ nach Ina Rometsch, JUMBO Verlag

Inhalt: Oskar und Zack jobben in den Ferien als Hundesitter. In einem Moment der Unachtsamkeit wird die wertvolle Pudeldame Raissa entführt. Statt ihnen zu glauben, steckt ein fieser Polizist die beiden Freunde in eine Erziehungsanstalt. Dort treffen sie Elektra, die ihnen zusammen mit Zacks Schwester Charly helfen will. Was aber führt die Heimleiterin im Schilde? Woraus besteht dieses unappetitliche Dosengericht? Und wo ist bloß „der Beißer“ geblieben?

Das sagt die Jury: „’Geheimsache Labskaus‘ hat alles, was ein gelungenes Hörspiel für Kinder braucht: eine spannende und witzige Krimigeschichte, tolle Sprecher und eine Handlung, die so temporeich ist, dass die Hörer ordentlich mitfiebern können. Das Hörspiel ist mit viel Liebe zum Detail produziert und überzeugt durch eine stimmige Bearbeitung. Ein Hörspaß für die ganze Familie!“

„Der Junge, der mit den Piranhas schwamm“ von David Almond, HÖRCOMPANY

Inhalt: Stan Potts lebt mit Onkel und Tante in einem kleinen Hafenort. Nachdem Onkel Ernie seine Arbeit verloren hat, verwandelt er das ganze Wohnhaus in eine Fischkonservenfabrik. Eines Tages stopft er sogar Stans Goldfische in Dosen! Da nimmt Stan Reißaus und schließt sich Schaustellern an. Auf der Kirmes trifft er den weltberühmten Magier Pancho Pirelli, der mit Piranhas in einem Becken schwimmt. Stan wird sein Schüler.

Das sagt die Jury: „Eine höchst einnehmende Geschichte, gewürzt mit Sprachwitz, magischem Realismus und Figuren, an deren Existenz man glaubt. Sprecher Jörg Pohl nimmt seine Zuhörer an die Hand, zeigt ihnen die Poesie des Lebens und das Wunder der Angstüberwindung, das es einem kleinen Jungen möglich macht, mit menschenfressenden Piranhas zu schwimmen, ohne gefressen zu werden.“

„Die Schule der Weihnachtsmänner“ von Karlheinz Koinegg, der Hörverlag

Inhalt: Schneidig, schnurrbärtig und schneetauglich – das muss ein Weihnachtsmann ohnehin sein. Wenn er zur Elite seiner Zunft gehören möchte, geht am Besuch der Weihnachtsmann-Schule aber kein Weg vorbei. Es grenzt an ein Wunder, dass ausgerechnet der winzige und vollkommen bartlose Waisenknabe Maurelio Porcellani in diese fantastische Welt gerät. Ganz zu schweigen von den anderen Wundern, die sich im nahegelegenen Sauwald verbergen.

Das sagt die Jury: „Autor und Regisseur Karlheinz Koinegg überzeugt erneut mit der Umsetzung eines klassischen Themas als Original-Hörspiel. Dank pfiffig getroffener Sprecherauswahl und fantasievollem Schnitt und Ton ist eine anspruchsvolle, komplexe Produktion entstanden, die auf höchstem Niveau Kinder (und Erwachsene!) beglückt. Ein sozialkritisches (weihnachtlicher Konsumwahn), historisches (die wahre Geschichte des Sankt Nikolaus) und unterhaltsames Hörspiel!“

BESTES SACHHÖRBUCH

„Ostende. 1936, Sommer der Freundschaft“ von Volker Weidermann, Der Audio Verlag

Inhalt: Der belgische Kur- und Badeort Ostende ist im Sommer 1936 Zuflucht einer Exilgemeinschaft, zu der auch Joseph Roth und Stefan Zweig gehören. Sie und andere emigrierte Schriftsteller treffen dort zusammen, lernen einander kennen und lieben. Während sich in ihrer Heimat die politische Lage zuspitzt und ihre Bücher verboten werden, trotzen sie
der heiter-freundschaftlichen Atmosphäre dieses Sommers ein vermeintlich unbeschwertes Lebensgefühl ab.

Das sagt die Jury: „Der trunksüchtige Ostjude aus ärmlichen Verhältnissen und der wohlhabende Jude aus dem Westen – Volker Weidermann porträtiert hier nicht nur eine außergewöhnliche Freundschaft, sondern weitet sein Hörbuch zu einem Zeitbild, konzentriert in der Darbietung auch durch den Sprecher Ulrich Noethen, der die detailreichen Schilderungen mit großer Intensität ins akustische Medium überträgt.“

„Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament“ von und mit Roger Willemsen, ROOF Music / tacheles!

Inhalt: Ein Jahr lang verfolgt Roger Willemsen sämtliche Sitzungen des Deutschen Bundestags. Auf der Besuchertribüne im Berliner Reichstag hört er von Januar bis Dezember 2013 alle Debatten, liest 50.000 Seiten Parlamentsprotokoll und wird Zeuge vieler Situationen, die von den Medien unbeobachtet bleiben. Seine Reportage in Tagebuchform führt vor Augen, wie sehr sich die öffentliche Wahrnehmung des „Hohen Hauses“ und der Parlamentsalltag voneinander unterscheiden.

Das sagt die Jury: „Aus einer sehr umfangreichen Recherche hat Roger Willemsen einen aufschlussreichen philosophisch-politischen Text und aus dem Text ein geistreiches und amüsantes Hörbuch gemacht. Die gekonnte Autorenlesung trifft genau den richtigen Ton und lässt eine glaubhafte, tiefgründige und teilweise überraschende Innenperspektive der deutschen Politik entstehen.“

„Sefarad hören: Eine jüdische Zeitreise“ von Antje Hinz, Silberfuchs-Verlag

Inhalt: Die iberischen Juden werden 1492 durch ein königliches Edikt des Landes verwiesen. Tausende von ihnen gehen in die Diaspora. Ihre Nachfahren, die Sefarden, bewahren die Kultur und Sprache ihrer Heimat und tragen sie in ihre neuen Lebensorte. Das Hörbuch schildert, eingebettet in sefardische Musik, die Geschichte der sefardischen Juden bis zu den Migrationswegen der Gegenwart.

Das sagt die Jury: „Mit der Stimme Anne Molls und 40 traditionellen und zeitgenössischen Musikstücken entfaltet das Hörbuch ein reiches Panorama, das Geschichte und Gegenwart, Alltag und Kultur der Sefarden facetten- und lehrreich zu Gehör bringt. Es stellt markante Figuren wie den Toragelehrten Moses Maimonides oder den Religionskritiker Baruch de Spinoza vor und besitzt dank des Musikeinsatzes einprägsame sinnliche Qualitäten.“

BESTE UNTERHALTUNG

„Das Pubertier“ von und mit Jan Weiler, der Hörverlag

Inhalt: Gerade waren sie noch fröhlich, niedlich und neugierig, doch dann mutieren Kinder über Nacht zu launischen, unordentlichen und schweigsamen Wesen – zu Pubertieren. Den Eigenarten und dem Gefühlschaos dieser Spezies widmet Jan Weiler seine in Buchform veröffentlichten Kolumnen, die er hier selbst vorträgt. Eine Bestsellerlektüre mit hohem Wiedererkennungswert für Pubertiere und ihre Eltern.

Das sagt die Jury: „Jan Weiler mag ein unermüdlicher Schreibtischtäter sein, doch gehört ihm auch die Bühne. Jederzeit im richtigen Tempo, Rhythmus und Duktus präsentiert der Autor seine Erziehungserkenntnisse und Begegnungen mit dem dritten Geschlecht: dem Pubertier. Weiler sollte ausschließlich von Weiler gelesen werden. Durch ihn wird der geschriebene Text auch live das, was bei weitem nicht selbstverständlich ist: lustig.“

„Brennerova“ von und mit Wolf Haas, Hoffmann und Campe

Inhalt: Seine Romane um den grantigen Privatdetektiv Simon Brenner haben Kultstatus erreicht. Mit „Brennerova“ setzt der österreichische Schriftsteller Wolf Haas die Krimiserie nun fort. Äußerst komplizierte private Umstände führen den in die Jahre gekommenen Helden ins Wiener Rotlichtviertel, nach Russland und in die Mongolei, ins Tattoo-Milieu und einen Kleinkrieg der Unterwelt. Dem unverwechselbaren Brenner-Idiom leiht Wolf Haas seine eigene Stimme.

Das sagt die Jury: „Nur Wolf Haas kann Wolf Haas lesen. Entstanden ist eher eine Performance als eine Lesung. Er spricht den Hörer direkt an, erzählt ihm das neue Abenteuer seines Protagonisten Brenner, stellt rhetorische Fragen und versteigt sich in Abschweifungen, die dem Hörer wie spontane Einfälle erscheinen und dem Krimi eine gelungene satirische Komponente beimischen.“

„Stille Nacht (Ruhe 3)“ von Paul Plamper, Hoerspielpark

Inhalt: In drei aufeinanderfolgenden Jahren versammelt das Hörspiel „Stille Nacht (Ruhe 3)“ eine fünfköpfige Patchwork-Familie an Heiligabend, wobei der eingeklammerte Untertitel auf Paul Plampers Werkreihe „Ruhe“ verweist. Wiederkehrende Rituale, Verhaltensmuster und unterschwellige Konflikte eines Familientreffens, das immer nach demselben Schema abläuft, werden humorvoll durchleuchtet.

Das sagt die Jury: „Von der ersten Szene an präsentiert Paul Plamper ein hochamüsantes (und den meisten wahrscheinlich wohlbekanntes) Heiligabend-Exerzitium mitsamt kalorienreicher Kost und Alkohol. Wie die ersten beiden ‚Ruhe‘-Stücke lebt auch dieses Hörspiel von der Improvisation der Mitwirkenden und setzt durch geschickte Montage pointiert die Mittel der Satire ein.“

BESTE VERLEGERISCHE LEISTUNG

Der Hörverlag für „Wir waren furchtbar gute Schauspieler. Psychogramm einer Ehe“ nach F. Scott und Zelda Fitzgerald

Inhalt: Als sich das Zusammenleben des glamourösen Schriftsteller-Ehepaares F. Scott und Zelda Fitzgerald in eine Hölle verwandelt hatte, suchten sie Hilfe bei einem Psychiater. Er protokollierte die Gespräche auf Wunsch des Ehemanns Wort für Wort. Das Dokument einer zermürbenden Hassliebe wurde von dem Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister gehoben und nun vertont. Ein ausführliches Booklet liefert ergänzende Informationen.

Das sagt die Jury: „Das Hörbuch ist ein eindrucksvolles Psychogramm von Persönlichkeiten, die mit Scharfsinn Gefühle wie Missgunst, Angst und Depression als Waffen gegeneinander schmieden. Die Dialoge wurden zu Szenen einer Ehe montiert, hervorragend gesprochen von Birgit Minichmayr, Tobias Moretti und Lutz Hachmeister in den Rollen des Ehepaars und des Psychiaters. Ein Hörkunststück mit intensiver, auch heute gültiger Wirkung – so zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.“

Amor Verlag für „Große Oper für kleine Hörer. Die ZEIT-Edition“, herausgegeben von Bert Alexander Petzold

Inhalt: Die Edition umfasst zwölf bekannte und sehr unterschiedliche Opernstoffe, die als musikalische Hörspiele erzählt werden. Sie sind schon für kleine Kinder ab vier Jahren geeignet, denen hiermit ein Erstkontakt mit dem Thema Oper ermöglicht wird. Ein großes Spektrum musikalischer Stile und Spielrollen erschließt sich so dem kleinen Hörer von Mozarts „Zauberflöte“ bis zu Puccinis „Madame Butterfly“.

Das sagt die Jury: „Herausgeber Bert Alexander Petzold, der Verleger des Amor Verlags, hat für sein mit großer Leidenschaft realisiertes Opernprojekt ausgesprochen kindgerechte Texte verfasst, die Musik passgenau ausgewählt und schließlich selbst Regie geführt. In Kombination mit der von Ole Könnecke liebevoll gestalteten Box und den Einzel-CDs ist ein Gesamtwerk entstanden, das vielen kleinen und auch großen Hörern Spaß machen wird.“

Lübbe Audio für „Easy does it. CRO, die Maske und der ganze Rest“ von Sebastian Andrej Schweizer und DJ Psaiko.Dino

Inhalt: CRO alias Carlo Waibel, der Mann mit der Panda-Maske, ist einer der bekanntesten Popstars Deutschlands. Die beispiellose Erfolgsgeschichte des Rappers aus der schwäbischen Provinz erzählen sein DJ Psaiko.Dino und sein Labelchef Sebastian Schweizer. Sie gestatten einen intimen Blick hinter die Kulissen der Musikindustrie und in den Alltag einer Band.

Das sagt die Jury: „Live-Musik, Mitschnitte und kenntnisreiche Interviews sind kunstvoll montiert zu einem vibrierenden, von Temperament strotzenden Hör-Erlebnis, das die Möglichkeiten dieses Genres wirklich ausschöpft. Entstanden ist ein Musik-Feature, bei dem die Textvorlage allein als Stichwortgeber im Hintergrund wirkt. Dank aufwändiger Zusammenarbeit mit den Künstlern und ihren Musikverlagen ist es trotz aller Schwierigkeiten gelungen, die Musikrechte für dieses Hörbuch zu bekommen.“

Tipp für Buchhändler: Da die Nominierungen für den Deutschen Hörbuchpreis immer eine breit gemischte Empfehlungsliste darstellen und im Grunde jeden Geschmack bedienen – nicht nur von Hörbuch-Interessierten, sondern allgemein von Literaturliebhabern, die das Besondere suchen –, bietet sich die Zusammenstellung eines Aktionstisches geradezu an. Die Aufmerksamkeit rund um den Hörbuchpreis erstreckt sich vor allem auf den Zeitraum Januar bis Ende März. Eine größere Titel-Auswahl finden Sie in der Longlist, die bereits zuvor veröffentlicht wurde: http://deutscher-hoerbuchpreis.de/dhp-2015/longlist.html.

Preisverleihung: Die Gala zum Deutschen Hörbuchpreis wird am 11. März im WDR-Funkhaus gefeiert. Sie wird live im Radio übertragen (ab 20.05 Uhr auf WDR 5, hr2-kultur, NDR Kultur und Antenne Saar, als Wiederholung ab 22.03 Uhr auf SWR 2) sowie am 14. März im Fernsehen gesendet (ab 23.45 Uhr im WDR).

rw

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