
Nun ist es offiziell: Der 1. Indie, der Preis unabhängiger Buchhandlungen, den die Woche unabhängiger Buchhandlungen initiierte, geht an den Literaturwissenschaftler Roland Reuß. Ausgezeichnet wird er als ein „Kämpfer für Buchpreisbindung und inhabergeführte Buchläden“.
Wie die Veranstalter mitteilen, ging Reuß als Sieger hervor aus einem Kopf-an-Kopf- Rennen mit der Buchhandlung RavensBuch (Ravensburg und Friedrichshafen) und der Buchhandlung Lessing und Kompanie (Chemnitz). Abgestimmt hatten unabhängige Buchhändler aus ganz Deutschland.
Der Literatur- und Editionswissenschaftler Roland Reuß ist zugleich Verfasser des Heidelberger Appells gegen die Marktmacht digitaler Kartelle, besitze den Mut, Amazon vor Gericht zu bringen und setze sich unermüdlich für den unabhängigen Buchhandel ein, heißt es in einer Mitteilung der Veranstalter.
Die Preisverleihung findet heute Abend im Admiralspalast in Berlin statt. Die Laudatio hält Roger Willemsen.
Die Begründung im Wortlaut: „Wie kein zweiter Intellektueller in Europa ist Roland Reuß in den letzten Jahren für die Buchkultur eingetreten: das Bibliothekenwesen, den stationären Buchhandel, die Buchpreisbindung. Mit der von ihm herausgegebenen historisch-kritischen Franz Kafka-Ausgabe hat er (zusammen mit Peter Staengle) mit einem Maßstäbe setzenden Editionsverfahren das Werk eines der größten Autoren der Weltliteratur neu erschlossen und „der Germanistik einen Teil ihrer öffentlichen Bedeutung zurückgegeben.“ (Frank Schirrmacher).
Der von ihm verfasste Heidelberger Appell formulierte im Jahre 2009 in bis dahin nicht gekannter Klarheit die Bedrohung des Urheberrechts und der Publikationsfreiheit von Wissenschaftlern.
Roland Reuß hat sein unbedingtes Eintreten für den Wert des Buches immer wieder in aller Konsequenz betrieben. So hat er zum Beispiel die Internetbuchhandlung „Amazon“ wegen des Bruches der Buchpreisbindung angezeigt.
In seinen Büchern – insbesondere Vom Netz zum Buch und Fors. Der Preis und der Wert des Buches – hat er auf überzeugende Weise und im kenntnisreichen Rückgriff auf die Geschichte der Buchpreisbindung, des Buchhandels und der Literatur, die Dignität intellektueller Arbeit dargestellt. Diese Dignität begründet eine Kultur des Bücher-Schreibens, des Handelns mit Büchern und der Lektüre, die verloren zu gehen droht durch die Formen des lediglich am Preis und am Konsum orientierten digitalen Buches.
Um es anders zu formulieren: In der Reihe der vielen würdigen Träger des Preises wäre Roland Reuß derjenige, bei dem es besonders schlüssig ist, dass er vom „Indie- Buchhandel“ ausgezeichnet wurde.