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20 Jahre Leseförderung in Hessen

Plakat zur Feierstunde

Im Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm wurde heute Nachmittag der Hessische Leseförderpreis 2014 vergeben. Intendant Mattias Pees begrüßte dazu Gäste aus dem ganzen Bundesland.

Harry Oberländer, Geschäftsführer des Hessischen Literaturforums im Mousonturm, das sich seit zehn Jahren um die Hessische Leseförderung kümmert, sprach von einem Wandel von der alphabetischen zur elektronischen Buchwelt. Es gehe jedoch um Grunde immer darum, sich Lesezeit zu verschaffen.

Oberländer verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Neugestaltung der Bibliotheken unter veränderten Bedingungen, die eine große Herausforderung darstelle. „Kleine Bibliotheken müssen befähigt werden, das Gedächtnis eines Ortes zu sein“, stellte er fest.

Eine persönliche Bemerkung erlaubte sich der Geschäftsführer ebenfalls. Zu Stauffenberg, in dem im vergangenen Sommer der Peter Kurzeck Platz – der Todestag des Schriftstellers jährt sich am 25. November zum ersten Mal – eingeweiht wurde, habe er eine besondere Beziehung. Er zitierte aus Kurzecks letztem Buch Vorabend, erinnerte an den im Buch vorkommenden Schwager des Autors, der „nur schnell ein paar Wörter im Lexikon“ lesen wollte.

Bibliotheken, das zeigte im Anschluss der Film Die Bibliothek als Ort des Horrors, ein Jugendprojekt der Mediathek Eltville, sind keinesfalls nur noch Orte, an denen sich Untote herumtreiben. Ein Streifen, der Jugendliche auf witzige Art zum Besuch der Leihbüchereien animieren soll.

Günter Schmitteckert, Abteilungsleiter für Kultur und Kunst im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, würdigte das 20-jährige Bestehen der Leseförderung. 70.000 Euro jährlich stelle das Ministerium dafür zur Verfügung. 2014 wurden damit 31 Einrichtungen unterstützt. Insgesamt wurden mit den großen und kleinen Förderprojekten in den letzten zwei Jahrzehnten 10.000 Kinder und Jugendliche erreicht. „In Zeiten, in denen Bibliotheken geschlossen werden, bedarf es extra Anstrengungen, um solche Projekte zu realisieren“, lobte er das Engagement der haupt- und ehrenamtlichen Akteure.

Evelyn, Adrian und Nele lasen anschließend ihre selbst geschriebenen Märchen vor. Sie entstanden im Rahmen des Märchenprojekts der Gustav-Heinemann-Schule in Hofgeismar und waren Teil des kleinen Jubiläumsprogramms 20 Jahre Hessische Leseförderung in Hofgeismar und Bad Hersfeld.

„Nicht alles, was in den letzten 20 Jahren Leseförderung passierte, ist gut gewesen. Aber wir werden besser“, konstatierte Björn Jager, Projektleiter der Hessischen Leseförderung.
Er erinnerte an die Anfänge 1994: Die Leseförderung wurde ins Leben gerufen, weil Restmittel im Etat übrig waren – eine heute märchenhaft anmutende Vorstellung. Erste Großprojekte wurden initiiert, darunter die Geschichtenlieder Das blaue Ypsilon von Reinhard Lakomy. 2005 bis 2009 gab es Das gespielte Buch, ein vierteiliges Projekt mit Bücherkiste für die dritten und vierten Klassen, Bibliotheksbesuch, Theateraufführung und einem von den Kindern gestalteten Schluss des gesehenen Stücks.
2008 konnte die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen als Partner für das Projekt Ich bin eine Leseratte gewonnen werden.
2011 wurde Buchdurst ins Leben gerufen, eine Sommerleseaktion, die sich besonders an Jugendliche richtet, denn nach Ende der Grundschulzeit sinkt die Begeisterung für das Lesen deutlich.
Darüber hinaus können etwa 40 Kleinprojekte jährlich gefördert werden.
Jager dankte allen Unterstützern und den vielen Aktiven.

In diesem Jahr wurde der Hessische Leseförderpreis an vier Einrichtungen vergeben. Die Stadtbibliothek Bruchköbel, die seit 2003 unterschiedliche Konzepte zur allgemeiner Sprach- und Kommunikationsbefähigung entwickelt, erhält 6000 Euro; die Stadt- und Schulmediothek der Clemens-Brentano-Europaschule Lollar/Stauffenberg erhält für ihr Projekt Vorlesen verzaubert 3000 Euro; der Saz-Rock Verein Frankfurt-Hausen bekommt für das Leseprojekt Starke Mädchen 3000 Euro und der ehrenamtliche Leseförderkreis Hochheim am Main kann sich für seine Lesewoche mit Kindern und Jugendlichen ebenfalls über 3000 Euro freuen.

JF

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