Home > Veranstaltungen > Bienenbütteler Tagebuch 7 – Heute: Jochen Schimmang und Katharina Picandet

Bienenbütteler Tagebuch 7 – Heute: Jochen Schimmang und Katharina Picandet

Jochen Schimmang, Katharina Picandet

Am 5. November wurde die inzwischen 5. Ausgabe der Bienenbütteler Buchwoche in der Gemeindebücherei eröffnet. Diese Woche dreht sich in Bienenbüttel alles um Literatur aus unabhängigen Verlagen (zehn von ihnen präsentieren ihr Programm).

Wie bei der „Erstausgabe“ des Literaturfestivals, hat buchmarkt.de die Mitwirkenden gebeten, ein Bienenbütteler Tagebuch zu führen.

Heute: Jochen Schimmang mit seinem aktuellen Buch Grenzen Ränder Niemandsländer bei Edition Nautilus:

51 Geländegänge heißt mein neues Buch im Untertitel (statt einer Gattunsgbezeichnung). Die Reise nach Bad Bevensen, im Rahmen der 5. Bienenbütteler Buchwoche, war vielleicht der zweiundfünfzigste. Vor fünf Jahren in Bienenbüttel, beim letzten Mal, war ich sehr pünktlich, diesmal aber trotz sehr frühzeitigen Aufbruchs nicht ganz zur verabredeten Zeit in Bad Bevensen. Mobiles Land Deutschland, an einem Freitagnachmittag, die endlose Phalanx der rot glühenden Rücklichter im Visier, oft auch stehend. Unser Verkehrsminister hat sogar vor einiger Zeit von einem „Grundrecht auf Mobilität“ gesprochen, was natürlich Unsinn ist, aber eine wohlfeilere Ware als die eigentlichen Grundrechte.

Auf dem Weg: Wendisch Evern und Deutsch Evern, damit auch ein Stück persönliche Geschichte. Mein Vater hatte wendische Vorfahren, seine Mutter hat Deutsch so richtig erst in der Schule gelernt. Schimmang ist eine slawische Form von Simon. Gehöre ich etwa zu den 20% Deutschen mit Migrationshintergrund, von denen ich auf der Fahrt im Radio gehört habe?

Ingesamt waren es aber doch nur zehn Minuten über die Zeit, und das Publikum in der Bevenser Dependance der Buchhandlung Patz begrüßte mich nicht unwirsch, sondern erwartungsfroh, offen, neugierig. Meine hoch geschätzte Lektorin – und bald auch Verlegerin – Katharina Picandet stellte den Verlag Edition Nautilus vor, mit seinen Anfängen in den siebziger Jahren (da kam Katharina gerade auf die Welt), seinen abenteuerlichen Großunternehmen und seinen völlig unerwarteten Erfolgen, die den Verlag auf stabilere Füße gestellt haben. Was für eine wechselhafte Geschichte! Wie im richtigen Leben. Meine beiden kleinen Lesungen schmiegten sich da ein. Die Neugier und Aufmerksamkeit des Publikums ließ nie nach, wie ich leicht feststellen konnte, und ich war hocherfreut, dass ich in der Pause und am Ende erheblichen Anlass hatte zu signieren. Krise des Buches? Wo? Jedenfalls nicht hier.

Dazu bedarf es allerdings auch engagierter Menschen, der Inhaber und Mitarbeiter der Buchhandlung Patz etwa und des Merlin-Verlages. Beide seien endlos gerühmt und gepriesen!

Dann packte ich meine Lektorin auf den Beifahrersitz und fuhr sie nach Harburg zur S-Bahn; auf dem Weg diesmal zuerst Deutsch, dann Wendisch Evern. In beginnender Nacht, falls das jemanden interessiert, noch eine Bockwurst und ein Kaffee auf dem Autohof Groß-Mackenstedt. Um zwei Uhr nachts den Geländegang abgeschlossen, mit schönsten Gedanken eingeschlafen.

Jochen Schimmang

… und Katharina Picandet, Edition Nautilus

Die Edition Nautilus und Jochen Schimmang sind vor fünf Jahren schon einmal in Bienenbüttel zur Buchwoche eingeladen worden – damals hat Lutz Schulenburg den Verlag und den Autor vorgestellt [mehr…], der Verlagsgründer, der im Frühsommer letzten Jahres unerwartet verstorben ist. In diese Fußstapfen soll ich nun treten, noch dazu in der Post in Bad Bevensen, wo zum ersten Mal eine Buchwochen-Veranstaltung stattfindet, und in Gegenwart von Lutz‘ Schwester, die sich angekündigt hat. Und obendrein ruft auch noch der Autor aus dem Stau hinter Lüneburg an, 20 Minuten vor geplantem Veranstaltungsbeginn… entsprechend nervös bin ich.

Doch dann füllen sich in kürzester Zeit alle Plätze, das Publikum plaudert schon vor der Veranstaltung mit mir, der Büchertisch wird interessiert umlagert, Jochen Schimmang trifft ein, und dann geht alles ganz leicht. Es ist eine Freude, vor so interessierten Leuten aus der Verlagsgeschichte zu erzählen, Jochen Schimmang liest wunderbar, in der Pause und im Anschluss finden schöne Gespräche statt. Der Autor signiert – mit einem aus dem Verkaufsdisplay der Post entliehenen Kugelschreiber, weil weder Autor noch Lektorin einen Stift greifbar haben – und die Leser kaufen förmlich eine Schneise durch den Büchertisch! Verlag, Autor, Veranstalter sind glücklich, und das Publikum, so scheint mir, wohl auch! Vielen Dank an alle Organisatorinnen und Organisatoren!

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige