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Bienenbütteler Tagebuch 4 – Heute: Anila Wilms

Anila Wilms und ihr Verleger
Rainer Nitsche

Am 5. November wurde die inzwischen 5. Ausgabe der Bienenbütteler Buchwoche in der Gemeindebücherei eröffnet. Sechs Abende drehte sich in Bienenbüttel alles um Literatur aus unabhängigen Verlage (zehn von ihnen präsentieren ihr Programms).

Wie bei der „Erstausgabe“ des Literaturfestivals, hat buchmarkt.de die Mitwirkenden gebeten, ein Bienenbütteler Tagebuch zu führen.

Heute Anila Wilms:

Die Heide liegt im herbstlichen Nebel, als wir uns ihr annähern. Das Laub, das noch an den Bäumen hängt, ist schon gelb und rot. Ich versuche mir vorzustellen, wie diese Landschaft unter Sonnenstrahlen wohl aussieht, aber dieser Gedanke verlässt mich schnell wieder. Es dauert nicht lange, bis mich die zauberhafte Stimmung in ihren Bann schlägt. Aus dem Nebel kommen die Märchen und alles Märchenhafte. Im Nebel und im Wald wohnen die Elfen und die Feen. Wegen des Waldes und des Nebels habe ich mein sonniges Heimatland am Mittelmeer verlassen. Und hier, in der Lüneburger Heide, finde ich alles Imaginierte und Erträumte in Idealform.

Ein Geschenk, denke ich. Ab diesem Moment nichts ist mehr alltäglich, gewöhnlich, eintönig. Alles beginnt in einer anderen Dimension zu spielen, so auch die Begegnungen mit den hiesigen Menschen, den Nebelbewohnern. Heute abend, wie in dieser ganzen Woche, dreht sich in Bienenbüttel alles um das Buch. Alle, die wir hier treffen, sind Prediger, Boten, Anhänger des Buches. Wir verstehen uns alle auf Anhieb, wie Jünger desselben Propheten. Es ist ein Fest und genau so fühlt es sich an. Ich empfinde eine stille, fast mystische Vorfreude.

Die sich bald in wahrhaftige Freude verwandelt. Der Gärtnerhof Bienenbüttel, wo die Lesung stattfinden wird, ist der gemütlichste und menschenfreundlichste Ort, den man sich vorstellen kann. Im Herd brennt das Feuer, das Licht ist gedimmt. Es gibt hier reichlich Liebe; Liebe für die Natur, für das Buch, für einander – sie ist überall zu spüren, zu berühren, zu hören. Es ist genau der richtige Ort, um an einem Novemberabend um das Feuer herum zu sitzen und Geschichten aus früheren Zeiten und fremden Ländern zu erzählen. Und so bringen auch die Besucher die passende Neugier und Freude mit. Einem spannenden und inspirierten Erzählabend steht nichts mehr im Wege!

Auf dem Rückweg, wieder durch die vernebelten Alleen, begleitet mich ständig der Gedanke: Hierhin werde ich zurückkehren.

Einen herzlichen Dank an alle, die solch kostbare Erlebnisse für Herz und Geist möglich machen,

Anila Wilms

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