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Aktionstag in Frankfurt / 3. Buchgassenfest

Anya Schutzbach

25 Veranstaltungen an 20 verschiedenen Orten waren zum gestrigen ersten Aktionstag Bücher erleben. Autoren erleben in Frankfurt angekündigt.

Organisiert wurde der Nachmittag und Abend vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Kooperation mit dem Cluster der Kreativwirtschaft in Hessen, das Wirtschaftsdezernat Frankfurt am Main unterstützte die Aktion.

Die einzige teilnehmende Kinderbuchhandlung, Eselsohr im Stadtteil Bockenheim, musste ihre Lesung mit Tanya Stewner leider canceln: „Die Autorin hat aufgrund des Bahnstreiks kurzfristig abgesagt. Also haben wir gestern die 50 angemeldeten Teilnehmer angerufen und ihnen Bescheid gesagt“, erklärte Inhaberin Grischa Suse Götz. Während die Brezeln noch abbestellt werden könnten, war der Raum so kurzfristig nicht mehr stornierbar. „Gut, dass da der Börsenverein hilft“, sagte Götz. Einen solchen Aktionstag findet die Buchhändlerin sinnvoll. „Schade allerdings, dass nicht mehr Buchhandlungen mitmachen“, wunderte sie sich.
Nun hofft die Eselsohr-Mannschaft, die Autorin für das nächste Jahr zu einer Lesung zu bekommen.

Gleichzeitig mit dem Aktionstag fand das Buchgassenfest unter dem Motto Fremde statt. Eigentlich hatte Organisator Claus-Peter Leonhardt die Veranstaltung an zwei Tagen geplant. „Aus Budgetgründen mussten wir den Donnerstag Abend jedoch streichen, die Mittel reichten nicht, um Experten einzuladen. Trotzdem diskutierten wir in kleiner Runde das Thema Über Schreiben und Lesen/Schriften der Welt“, erklärte Leonhardt, der mit dem Fest an die Ursprünge der Buchmesse 1480 in der Buchgasse im Herzen Frankfurts erinnern will – in diesem Jahr erlebt die Veranstaltung die dritte Auflage [mehr…]
Viele Besucher waren am Freitag Nachmittag in das Caritas-Lebenshaus St. Leonhard gekommen, lokale Autorinnen wie Safiye Can, Barbara Höhfeld, Monika Carbe, Sylvia Schopf und Barbara Zeizinger lasen.
Am Abend verarbeiteten Claus-Peter Leonhardt und Jannis Plastargias das Thema Fremde kabarettistisch. „Erzählt wird eine Geschichte, dass Banken gezwungen werden, wieder Geld zu verleihen und dann kommen Unternehmen und bauen Fabriken und rufen: Kommt, Jugend der Welt, ich bilde euch aus. Doch die Dramaturgie des Geldes und der Macht geht anders. Wie aus Zauberlanden beschließt die kleine Spiel- nein Skatbank, dass Kunden für ihr Sparkonto Zinsen zahlen müssen“, heißt es da. Und weiter: „Aber das Geld ist weg. In die Fremde gezogen. Damit das kleine Geld bewacht werden kann, muss eben Schutzgeld bezahlt werden – von Ihnen und mir…“

Das dritte Buchgassenfest wurde vom Verband deutscher Schriftsteller (VS/ver.di) in Kooperation mit der Literaturgesellschaft Hessen und dem Caritasverband Frankfurt veranstaltet. Frankfurter Antiquare und die Editionen Größenwahn Verlag, Verlag auf der Warft, Pop Verlag und The Global Village waren mit Büchern vertreten. Wer sich für antiquarischer Bücher interessierte, konnte diese gegen eine Spende mitnehmen – der Erlös kam dem Lebenshaus St. Leonhard zugute.

Nicht nur Buchhandlungen, auch Verlage beteiligten sich am ersten Aktionstag. So beispielsweise der Verlag weissbooks.w. Er hatte in die neuen Räume eingeladen, im Juni dieses Jahres war weissbooks.w vom Bahnhofsviertel ins Ostend gezogen [mehr…]. Auch hier interessierten sich viele Gäste für die Arbeit eines Verlages, seine Bücher und die Chancen, in einer zunehmend digitalen Welt mit Print zu überleben. Die beiden ehemaligen Suhrkamp-Mitarbeiter Anya Schutzbach und Rainer Weiss erzählten vom mutigen Start eines eigenen Editionshauses im Jahr 2008 [mehr…], vom minimalistischen Design der ersten Bücher, das bei deutschen Buchhändlern nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß – anders als beispielsweise in Frankreich, vom gerade erschienen Bozzetto von Hermann Alexander Beyeller und Gerd Schneeweis, der in seiner Gestaltung fast nichts mehr mit dem ursprünglichen Konzept zu tun hat. „Weiß war schön, aber es funktionierte nicht und verführte die Leser nicht“, erklärte Anya Schutzbach. Deshalb habe man sich bereits nach einem Jahr dem deutschen Buchmarkt angepasst und die Cover anders gestaltet.
„Als kleiner Verlag hat man natürlich nicht die Mittel wie die großen. Aber wir fühlen uns nicht von den großen Editionshäusern, sondern vielmehr von Amazon und Co. bedroht“, beantwortete Schutzbach die Frage einer Besucherin. „Im Gegenteil, da wir keine Taschenbücher produzieren, verkaufen wir diese Lizenzen an größere Verlage – das ist eine gute Kooperation“, fügte Rainer Weiss hinzu.
Er plauderte außerdem über Projekte, wollte dazu jedoch noch keine Details verraten.
Die Stadt unterstütze zwar die Verlage, eine Verlagsförderung fehle jedoch in ganz Deutschland. „Da werden wir dranbleiben“, unterstrich Weiss. „Meine These ist außerdem, dass viele Literaturfestivals weniger Bücher verkaufen“, behauptete der Verleger.
Abschließend las Dieter David Seuthe aus einem unveröffentlichten Manuskript.

JF

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