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Frankfurter Buchmesse: Besucherzahlen beim weltgrößten Branchentreff leicht rückläufig

Gerade ist in Frankfurt die Buchmesse zu Ende gegangen: Rund 270.000 Besucher kamen zum nach wie vor weltgrößten Branchentreff – aber etwa 6000 weniger als letztes Jahr.

„Buchverlage dehnen ihre Spielräume maximal aus, sie experimentieren mit Inhalten und Technologien, und dieser Erfindergeist durchzieht die Buchmesse“, so Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, zum Abschluss der Messe nach fünf Messetagen. Die Messe bot mit über 9.000 Journalisten maximale Öffentlichkeit, und ist der ideale Nährboden für neue Ideen und Geschäfte – für den, der sie richtig nutzt“, so Boos weiter. „Hier gilt wie überall: Dem Unternehmungslustigen gehört die Welt. Dazu gehört der Mut, Grenzen zu überschreiten, geistig auch mal ‚umzuziehen‘ in andere Nationen oder Branchen – oder sich einfach auf den Kunden zuzubewegen.“

Mut zum Erobern neuer Räume und Erfindergeist zeigten die Finnen, die mit ihrem Gastlandauftritt in fast allen Messehallen präsent waren, vom Kinderbuch hin zu Digitalisierung, Comics und Lyrik. Das klare Design der Präsentation im Forum und der Fokus auf Literatur und Lesen zog Tausende von Besuchern in den Bann, und Iris Schwanck, Projektleiterin des Gastlandauftritts ist überzeugt, dass der Auftritt noch Jahre nachwirken wird.

Die Internationalisierung des Verlagsgeschäfts nimmt rasant zu und dementsprechend weltläufig gab sich die Buchbranche auch im Netzwerken: Allein im neuen Format des Business Clubs trafen sich rund 3.000 Besucher aus mehr als 50 Ländern und nutzten das Angebot aus Konferenzen, Beratungs- und Networkingservices. Rund 150 Sprecher widmeten sich in mehr als 70 Sessions Fragen und Trends der internationalen Verlags- und Medienbranche. Mehrere Verlage nutzten die Messe als Ort internationaler Launches, so etwa startete David Nicholls neuester Roman „Drei auf Reisen“ gleichzeitig in UK und Deutschland (Kein & Aber), und das crossmediale „Endgame“ von James Frey startete weltweit (Oetinger).

Fast 100 technologiegetriebene Innovatoren aus der ganzen Welt waren an den Ausstellungsformaten für Serviceprovider, den Hot Spots, versammelt. „Wohl nirgends besser als hier zeigt sich, wieviele neue Ideen – und Firmen – es auf der Messe gibt“, so Boos. Aber auch im Inhalte-Bereich gab es noch nie so viele neue Gesichter auf der Buchmesse wie dieses Jahr – allein aus dem Bereich Kinder- und Jugendbuch waren über 100 Neuausteller gekommen. „Die Verlagsbranche hat Charme und Persönlichkeit, und nach einer ersten Schrecksekunde zeigt sie jetzt auch angesichts der Digitalisierung eine erstaunliche geistige Beweglichkeit“, so Boos.

Die Buchmesse, die vor fünf Tagen als „Welthauptstadt der Ideen“ startete, zeichnete sich aus durch Lebendigkeit und Aufeinander-Zugehen. Das Erobern neuer Denkräume war auch unter Autoren spürbar: Im Projekt Frankfurt Undercover trafen sich über 20 internationale Schriftsteller an drei Tagen. Ziel war, politische Fragen aus der spezifischen Sicht von Autoren anzugehen. Das Fazit der dänischen Autorin und Initiatorin des Projekts Janne Teller war: „Es gibt offensichtlich ein starkes Interesse unter Schriftstellern, sich untereinander auszutauschen, und eine aktivere Rolle gegenüber der Gesellschaft und der Politik einzunehmen.“ „Der Austausch zwischen der Politik und der Literatur kann fruchtbar sein“, so auch Juergen Boos. „Vielleicht sollten sich die Macht der Worte und die der Politik öfter treffen.“

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