Seit dem Wochenende veröffentlicht die Presse Kernaussagen aus den sogenannten Kohl-Protokollen}: Wenig schmeichelhafte Aussagen des Altkanzlers über seine Politiker-Kollegen, die 2001 und 2002 seinen Biographen Heribert Schwan auf Band gesprochen hat. Und es ist abzusehen, dass es wohl neue juristische Auseinandersetzungen zwischen Kohl und Schwan / Heyne geben wird wegen dessen neuen Buches:
Das Landgericht und das Oberlandesgericht Köln hatten ihm bereits die Verwendung dieser Tonbänder untersagt (s. auch den SPIEGEL-Titel von heute – umso spannender wird die Pressekonferenz, die morgen (moderiert von Fritz Pleitgen im Westin Grand Berlin, zu dem bei Heyne angekündigten Buch [mehr…] stattfinden soll.
Die Zusammenarbeit Kohls mit seinem selbst erwählten Biographen, dem Historiker, Journalisten und Autor Heribert Schwan, endete nach drei Bänden der Kohl-Erinnerungen. Nun ist also auf öffentlicher Bühne der Kampf um die „Deutungshoheit über ein politisches Leben“ (Berliner Zeitung) entbrannt: Wie ist Helmut Kohls Wirken zu verstehen? Was ist wahr, was ist verzerrt am Bild dieses Jahrhundertpolitikers? Durch wen erfahren wir, wie er dachte, taktierte, handelte? Am besten doch durch den Altkanzler selbst, ungefiltert, in seinen eigenen Worten – anhand der nun erscheinenden Kohl-Protokolle.
Heribert Schwan gegenüber spricht Helmut Kohl, so heißt es in der Verlagsankündigung, so offen über die Politik, sein Leben, sein Weltbild wie nie zuvor. „Hinter der öffentlichen Person zeigt sich hier ein Mann, der mit jeder Faser seines Seins für die Politik lebt, ein Mensch mit all seinen Ambitionen, Hoffnungen und Enttäuschungen – Charakterzüge, die mitunter vor aller Augen, zumeist aber hinter den Kulissen entscheidend waren für die Bündnisse, in denen politische Entscheidungen vorbereitet und umgesetzt wurden, und für die Ziele, das Gelingen oder das Scheitern dieser Politik. Gestützt auf die Kohl-Protokolle, zeichnen Heribert Schwan und Tilman Jens ein authentisches Porträt des Kanzlers – eine Nahaufnahme, bei der Helmut Kohl selbst mit seinen ganz persönlichen Einschätzungen zu zentralen politischen Themen und Personen zu Wort kommt, ein einzigartiges Zeugnis der Zeitgeschichte“, heißt es weiter.