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Heinold fragte im Januar nach: Hamburg

Gastgeber der ersten Friedenpreisverleihung im Jahr 1950 war der Hamburger Weingroßhändlers Eduard Buhbe, dessen Bruder (nach anderen Angaben) Vetter Otto Buhbe (1903 – 1993) Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts den Kreuzhof in der niedersächsischen Stadt Schöppenstedt erworben hatte, die seit 1940 ein Till-Eulenspiegel-Museum besitzt. Nach dem frühen Tod seines Vaters, eines Hamburger Weinhändlers, wuchs Otto Buhbe weitgehend auf dem mütterlichen Hinschenhof in Hamburg-Alsterdorf auf, der später Eduard Bube gehörte.

Bei Otto Buhbe in Schöppenstedt lebte 30 Jahre lang der ihm aus seiner Studentenzeit in Halle/Saale bekannte Schriftsteller Hans Schwarz (1890 – 1967), der u.a. als Nachlassverwalter des neokonservativen Publizisten Arthur Moeller van den Bruck (1876 – 1925) dessen Hauptwerk „Das Dritte Reich“ in mehreren Nachauflagen herausgegeben hatte. Den Begriff „Das Dritte Reich“ hatte Adolf Hitlers Mentor Dietrich Eckart (1868 – 1923) geprägt.

Hans Schwarz kannte den im norwegischen Exil lebenden ehemaligen Cheflektor des Bruno Cassirer Verlages in Berlin, den aus Schlesien gebürtigen Max Tau (1897 – 1976). Gemeinsam hatten Schwarz und Tau 1924 den 60. Geburtstag des schlesischen Schriftstellers Hermann Stehr vorbereitet, der sich später ausdrücklich zu Hitler bekannte und die Röhm-Morde rechtfertigte.

Tau und Schwarz verband ihre Vorliebe für die schlesische Heimat- und Innerlichkeitsliteratur. „Trotz persönlicher Verfolgung und der Ermordung nächster Verwandter durch die Nationalsozialisten setzte sich Max Tau, der jüdischer Herkunft war, nach dem Krieg für eine Verständigung mit Deutschland ein und half bei der Verbreitung deutscher Nachkriegsliteratur in ganz Skandinavien“, so die Wikipedia.
Hans Schwarz und der Hamburger Verleger und spätere Börsenvereinsvorstehen Friedrich Wittig (1906 – 2001) – schlugen Max Tau als ersten Friedenspreisträger vor. Die Laudatio hielt der Intendant des damaligen NWDR Adolf Grimme, ein ausgewiesener Nazi-Gegner und (Sozial-)Demokrat.

Die etwas merkwürdige geistige Gemengelage um den „Friedenspreis der deutschen Verleger“ mag dazu geführt haben, dass der Börsenverein sich des Ursprunges seines heute weltweit renommierten Preises nur ungern erinnert.

An der ersten Preisverleihung auf der großen Diele des „Hinschenhofes“ von Eduard Buhbe“ nahmen zahlreiche namhafte Verleger und Vertreter des öffentlichen Lebens in Hamburg teil. Der Hinschenhof hat die rege nachkriegszeitliche Bautätigkeit in Hamburg-Alsterdorf unbeschadet überstanden und steht mit seinem ländlichen Charakter auf einem großen Grundstück unverändert inmitten dieses gutbürgerlichen Stadtteils, noch immer im Besitz einer Tochter von Eduard Buhbe. Nichts erinnert dort an das historische Ereignis aus dem Jahr 1950. Die Wanderausstellung des Börsenvereins zum 60. Jahrestag der ersten Preisverleihung hat die Freie und Hansestadt Hamburg ungerührt an sich vorüberziehen lassen.

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