
Lange schon war die offizielle Abschlussveranstaltung von Frankfurt liest ein Buch am 12. April im Sendesaal des Hessischen Rundfunks ausverkauft: Der Autor von Die Vollidioten, Eckhard Henscheid, und Kabarettist Gerhard Polt gaben sich die Ehre.
Im ersten Teil des Abends lasen beide aus Henscheids Buch, dabei war es ein besonderes Vergnügen, Polt mit bayrischer Zunge – „also dann, fang mer’s oah“ – Henscheid lesen zu hören.
Nach der Pause standen andere Texte auf dem Programm. Eckhard Henscheid lieferte Beispiele gescheiterter Romananfänge, die nicht ohne pädagogischen Wert waren und das Publikum laut lachen ließen.
Gerhard Polt gestaltete allein ein Rundfunkgespräch zwischen einer hochdeutsch sprechenden Moderatorin mit gekonnter Kopfstimme und einem bayrisch-grantelnden Alkoholsportler, dessen Freizeitvergnügen tief in der Familie verwurzelt ist.
Henscheid verabreichte in seinem Aufruf Dieser Hitler eine Portion bitterböse Gesellschaftskritik, Polt kolportierte vielleicht nur leicht überspitzt, wie es in einem bayrischen Gemeinderat zugehen könnte, der sich vom Europa-Parlament, „den Kaulquappen-Nummerieren“, nicht beeindrucken lässt und die Beschlüsse sehr eigen auslegt.
Hübsch anzuhören und hintergründig Henscheids Horkheimer-Wettstreit, erfrischend Polts Epistula über Skandale in der katholischen Kirche, in der gleich zu Beginn konstatiert wird: „La crisi universale ci porta in una situatione infernale.“
Nur nach zwei Zugaben wurden Eckhard Henscheid und Gerhard Polt vom Publikum entlassen.
Mit diesem Abend ging der fünfte Lesemarathon Frankfurt liest ein Buch zu Ende. 12.000 Menschen hatten über 70 Veranstaltungen an rund 60 Orten besucht, 55 Kooperationspartner beteiligten sich am diesjährigen Lesefest, in dessen Mittelpunkt eine Liebesgeschichte mit obskuren und skurrilen Zügen stand, die sich in einer Woche des Jahres 1972 im Frankfurter Nordend zugetragen haben soll.
JF







