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Österreich: Schulterschluss für Schulbücher

In Österreich hat sich jetzt der Fachverband der Buch- und Medienwirtschaft (Wirtschaftskammer) mit rd. 4.000 Mitgliedern in der Buchbranche und der Verein Schulbuch in die dort kürzlich angestoßene Diskussion um Migration im Schulbuch eingeschaltet.

Nachdem die Agentur M-MEDIA unter der Geschäftsführung von Simon Inou sich dem Thema „Migration(en) im Schulbuch“ angenommen und eine Online Kampagne www.facebook.com/SchulbuecherOsterreich ins Leben gerufen hatte, kam es nun zu einem „richtungsweisenden Treffen zwischen M-Media und den Vertretern des Fachverbands der Buch- und Medienwirtschaft“.

Dabei betonte Verlegervertreter Georg Glöckler: „Es ist der Urzweck der Schulbuchaktion, Diskriminierungen beim Zugang zum Wissen zu beseitigen, Chancengleichheit herzustellen und auf Dauer zu garantieren, damit Österreichs Kinder alle gleichermaßen in den Genuss von Bildung gelangen können. Umso mehr ist es den Schulbuchverlagen ein Anliegen, dass auch ihre Schulbücher keine Inhalte aufweisen, die diskriminierend sind!“

„Um allfällig auftretende Vorfälle zu beheben, bedarf es eines gemeinsamen Diskurses. Ziel aller Beteiligten ist es, hier weiterzukommen und proaktive rasche Lösungen zu finden“, so M-Media und der Fachverband der Buch- und Medienwirtschaft in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung.

Simon Inou betonte in den Gesprächen, dass es nicht nur um Migration in Schulbüchern ginge. „Es sind die sechs Kernbereiche von Diversität, die es zu thematisieren gilt: Ethnische Zugehörigkeit, Gender, Alter, Behinderung, Weltanschauung und sexuelle Orientierung. Durch unsere Zusammenarbeit unterstützen wir die Verlage in ihren Bemühungen die österreichischen Schulbücher nach den Anforderungen der modernen Zeit zu entwickeln.“

„Aktuellen Vorkommnissen zufolge gilt es rasch zu klären, wie man entsprechend Vorsorge treffen kann, damit alte Unterrichtsmittel nicht versehentlich zur Verwendung kommen“, so Fachverbandsobmann Prof. KR Michael Kernstock. „Hier meine ich vor allem die Schul- und Lesebücher, die in den so genannten „Laden“ der Schulen ihr Dasein fristen und auf ihre jährliche Wiederverwendung warten.

Simon Inou besiegelte den Schulterschluss, indem er Frederick Douglass frei zitierte, „It is easier to build strong pupils than to repair broken adults!“

Den Hintergrund erläutert ein Kenner der österreichischen Buchszene: „Wer mit Büchern zu tun hat, weiß, dass bei Texten und Bildern mit potentieller Diskriminierung in unterschiedlichen Belangen wie auch dem richtigen Umgang mit Migration sehr sensibel umzugehen ist. Mehr Achtsamkeit ist gefragt, um einst selbst vermittelt bekommene Formulierungen nicht unbedacht weiterzugeben. Besonderes Augenmerk ist hier auf Kinderbücher aber auch auf Schulbücher zu legen, denn mitunter dort wird die künftige Haltung einer ganzen Gesellschaft entscheidend geprägt.“

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