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Bilder von der Sortimentertagung arvato VVA in Hamburg: Sortimenter wünschen sich bessere Katalogdaten

Rund 50 Buchhändler trafen sich am gestrigen Montag im 20. Stockwerk des Atlantic Hauses unweit der St. Pauli Landungsbrücken. Eingeladen in Hamburgs derzeit höchsten Tagungsraum hatte arvato VVA – und das natürlich nicht nur, um den aus ganz Deutschland angereisten Sortimentern bei sonnigem Wetter und in luftiger Höhe Gelegenheit zu einem 360°-Rundumblick über Hafen und City zu bieten, sondern auch und vor allem, um einen Überblick darüber zu geben, was arvato VVA derzeit alles so in der Pipeline hat.

Blick ins Plenum

Bevor es im Hauptteil der Veranstaltung um die derzeit lebhaft diskutierte Metadatenbank VLB+ ging, berichtete VVA-Chef Stephan Schierke deshalb zum Auftakt der Sortimentertagung erst einmal über die neu gewonnenen Kunden von VVA und Verlegerdienst (z.B. Ulmer, Hueber, Gingko Press und Public Press) und über die „Investitionsoffensive“ in BiC media, Infrastruktur (komplette Überarbeitung des Hochregallagers und Neuprogrammierung der Lager-Software), Umweltschutz und Kartonage.

Besonderes Gewicht legte Schierke auf das soeben auf der Leipziger Buchmesse vorgestellte neue HTML5-Leseproben-Widget, das nunmehr bei den ersten Verlags-und Handelskunden online und „benutzerfreundlich auf allen Plattformen verfügbar“ sei: ohne Verwendung des Adobe-Flash-Players und mit weiterführenden Funktionen im Bereich der Social Networks, einer einfachen Einbindung von YouTube-Links für Video-Trailer und einem neuen Manga-Modus, der auch das Lesen von hinten nach vorne ermöglicht – Interessant natürlich nur für Sortimente mit eigenem Webshop.

Und spätestens an dieser Stelle waren natürlich auch Amazon & Co. auf der 20. Etage des Atlantic Hauses zugegen und sorgten beim eigentlichen Tagungsthema „Die Metadatenbank VLB+ – Wunschtraum oder realisierbare Branchenlösung?“ immer wieder für kontroversen Gesprächsstoff. Dazu kam nach der Kaffeepause, während der sich alle noch einmal am herrlichen Ausblick auch auf die noch immer unvollendete Elb-Philharmonie“ ergötzen konnten, eine durchaus gelungene Referenten-Auswahl aufs Podium: Ronald Schild für die Frankfurter MVB GmbH, Annette Beetz (Rowohlt), Dr. Detlef Bauer, verantwortlich bei Libri für die Katalogdaten, und Irmgard Clausen von der Buchhandlung Riemann in Coburg.

Die machte denn auch gleich den Anfang und verkündete kämpferisch, dass sie den Buchkatalog abbestellt habe, und forderte endlich „einen Katalog, der nur tatsächlich lieferbare Titel und die in allen Formaten angibt“. Dazu wünschte sie sich eine differenzierte Suchmaske mit allen möglichen Zusatzinformationen und einem verbindlichen Hinweis auf den Lieferstatus.

Damit hatte sie ganz offensichtlich Annette Beetz aus dem Herzen gesprochen, die sich danach als Vertreterin der Verlagsseite ebenfalls für eine entschiedene Optimierung der Suchmaschinen stark machte und auf eine amerikanische Studie verwies, nach der sich der Verkauf eines Buches um 268 Prozent erhöht, wenn die Basismetadaten vollständig und korrekt sind. Während mit deren Erstellung in amerikanischen Verlagen ganze Abteilungen beschäftigt seien, gäbe es da in Deutschland – auch in ihrem eigenen Verlag – noch erheblichen Nachholbedarf. Und leider gehöre es hierzulande noch nicht zum Berufsbild des Lektors, suchmaschinenfähige Klappentexte zu schreiben und die entsprechenden Verschlagworte zu erstellen.

Hinreichend Stichworte für Ronald Schild, der als dritter Referent mit der Feststellung begann: „Früher hatte der Verlag die Aufgabe, die Bücher in die Buchhandlung zu bringen in der Hoffnung, dass der die Bücher dann weiter an den Endkunden gibt. Heute hat der Verlag die Aufgabe, die Bücher ins Netz zu bringen und sie online auffindbar zu machen.“ Um die Verlage zu motivieren, an dieser Stelle nachzubessern, schlug Schild ein monetäres Anreiz-System vor, das jene Verlage begünstigt, deren Datenqualität optimal ist. Leider fehle es aber insgesamt noch an einem tragfähigen Geschäftsmodell, das MVB auch und vor allem in Kooperation mit den Barsortimenten noch entwickeln müsse. Vor allem würde das alles natürlich auch Geld kosten, und mindestens 350 Buchhändler müssten dazu noch akquiriert werden.

Richtig und gut, dass als vierter Referent schließlich auch Dr. Detlef Bauer zu Wort kam, der als Praktiker über die Erhebung und Aufbereitung der Katalogdaten berichtete und am Ende darauf verwies, dass VLB+, VVA, Barsortimente und Amazon schließlich Mitbewerber am Markt blieben, und mit seinem Schluss-Satz „Beherztes Ziel, aber halbherziger Gewinn!“ noch einmal ausreichend Stoff für eine rege Diskussion auf der Sortimentertagung lieferte. Denn – das war nicht zu überhören: Nicht wenige der anwesenden Buchhändler und Buchhändlerinnen blieben skeptisch, ob VLB+ tatsächlich zielführend ist. Konsens bestand allerdings über die Notwendigkeit, bessere und verlässlichere Daten als bisher zu haben, um am Markt und gegenüber Amazon & Co bestehen zu können. Kontrovers in diesem Zusammenhang auch die abschließende Debatte über eine Bewertungsdatenbank und über Nutzen und Notwendigkeit digitaler Verlagsvorschauen.

Wie das dann aber so ist: Die Probleme bleiben erst mal – das alles konnte an dieser Stelle allerdings schon deshalb nicht ausdiskutiert werden, weil an den Landungsbrücken schon eine Barkasse wartete, die die Tagungsteilnehmer mit einer abendlichen Hafenrundfahrt in die Speicherstadt bringen sollte, wo dann beim Abendessen in einem historischen Genuss-Speicher kräftig weiterdiskutiert wurde.

Jürgen Christen

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