
Zum Jahresende hat die Jury der KrimiZEIT eine Auswahl aus den Kriminlromanen getroffen, die sie im Laufe des Jahres empfohlen hat: KrimiZEIT – Die zehn besten Kriminalromane des Jahres 2013
Die drei besten Krimis des Jahres 2013 sind
Patrícia Melo Leichendieb (Tropen bei Klett-Cotta)
Die Brasilianerin Patrícia Melo erhielt 1998 den Deutschen Krimipreis für O Matador, in Brasilien erhielt sie den bedeutendsten Literaturpreis des Landes für Inferno, auf der Frankfurter Buchmesse 2013 wurde Leichendieb mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet. Leichendieb ist eine moralische Groteske. Der namenlose Icherzähler verstrickt sich immer tiefer ins Verbrechen, während seine Rechtfertigungen dafür immer fadenscheiniger werden. Dieser Antiheld ist der Mitläufer par excellence: Nie ist er verantwortlich für das, was er tut. Stilistisch scharf zugespitztes Porträt, zugleich sehr spannend. (Original 2010: Ladrão de Cadáveres)
Friedrich Ani M (Droemer)
Friedrich Ani führt Tabor Süden und die Detektei Liebergesell in eine katastrophische Konfrontation mit der völlig aus dem Ruder laufenden Münchner/bayerischen Naziszene. Und stellt zugleich die Frage nach der Macht der Liebe über alle ideologischen Parteiordnungen hinweg. „Jemand ist verschwunden, auf diese Formel lassen sich die meisten der Ani’schen Tabor-Süden-Romane bringen. Welch welthaltigen Wahnsinn und einsamkeitsverliebten Tiefsinn Ani aus dieser einfachen Konstellation zieht, verblüfft jedes Mal wieder.“ (Andreas Ammer)
Warren Ellis Gun Machine (Heyne)
Gun Machine ist eine der wenigen ästhetisch und inhaltlich überzeugenden Serienkiller-Novels der letzten Jahre. Der abgehalfterte Detective Tallow mobilisiert die Reste seiner erschöpften Bullenschlauheit, um mit Unterstützung zweier völlig durchgeknallter Forensiker dem „Jäger“ auf die Spur zu kommen. Dieser Serienmörder glaubt sich zurückversetzt in das Manahatta der indianischen Ureinwohner vor Ankunft des weißen Mannes. Polizeigroteske à la Stuart McBride, Großstadthorror vom feinsten. Der Brite Ellis ist Comicautor (Transmetropolitan), sein Kriminalroman Gott schütze Amerika stand 2009 auf der KrimiZEIT-Bestenliste.
Auf den Plätzen 4-10
4 Jerome Charyn: Unter dem Auge Gottes (Penser Pulp bei Diaphanes)
New York/Texas 1988. Isaac Sidel ist designierter Vizepräsident der USA. Die Bronx wird an die Army verscherbelt. Um sie zu retten, fightet Sidel mit dem letzten jüdischen Gangster. Band 11 des größten Crime-Mythos der Gegenwart. Charyn lesen ist Rausch.
5 Sara Gran: Das Ende der Welt (Droemer)
San Francisco/Brooklyn. Fünf Gitarren, ein Pokerchip, Schlüssel – schwach sind die Hinweise auf den Mörder von Paul, Claire de Witts Exliebhaber. Prekäre Autonomie der Detektivin: Claire zerstört sich fast auf der Suche nach Wahrheit, nach dem Kindertraum geliebt zu werden. Gran fasziniert.
6 Lavie Tidhar: Osama (Rogner & Bernhard)
Vientiane/London/New York. Privatdetektiv Joe sucht den Mann, der Osama bin Laden erfand. Plausible Realitätsumkehr: Al-Kaida als Fantasieprodukt eines Serienschreibers. Auf der Suche nach der Wahrheit der Fiktion taumelt Joe wie durch Drogenwelten, gehetzt vom Komitee gegen Gegenwärtige Gefahr KGG.
7 John le Carré Empfindliche Wahrheit (Ullstein)
Gibraltar/London/Cornwall. Unverwechselbar der Sound, kristallklar der Blick: Mit 82 schreibt John le Carré tough wie je. Public-private-Partnership in puncto Sicherheit: Die Unschuldigen enden als Kollateralschäden, die Aufrechten ohne Chance. Der Terror gedeiht.
8 Mike Nicol Killer Country (btb)
Kapstadt. Band 2 der „Rache-Trilogie“. Mace und Pylon, ehemals Waffenhändler des ANC, jetzt Edel-Security, wollen in Frieden Erspartes investieren. Doch Ex-Politiker Ocho und Anwältin February spielen nicht ehrlich. An fette Gewinne kommt man nur durch Mord. 20 Jahre Demokratie haben daran nichts geändert.
9 Daniel Suarez Kill Decision (Rowohlt)
Autonome Drohnen radieren amerikanische Städte, Schiffe und Softwaregenies aus. Ameisenforscherin McKinney und Spezialagent Odin mitsamt helfenden Raben leisten Bond-mäßig Widerstand gegen Cyberwar und militärisch-industriellen Komplex. Science Fiction? No, Sir, Mam: Verschärfte Realität.
10 Don Winslow Kings of Cool (Suhrkamp)
Laguna Beach/Baja California. Ben, Chon und O vor Zeit des Zorns. Revierkriege zwischen mexikanischen Kartell-Fraktionen stören Frieden und Gewinne der lässigen Hydro-Dope-Farmer. „Leck mich am Arsch“, an allem sind die Hippie-Eltern schuld. Winslow betört durch feine Schreibtechnik und schnelle Pointen.
Die Jury:
Tobias Gohlis, Kolumnist der ZEIT, Sprecher der Jury | Volker Albers, »Hamburger Abendblatt« | Andreas Ammer, »Druckfrisch«, DLF, BR | Gunter Blank, »Sonntagszeitung« | Thekla Dannenberg, »Perlentaucher« | Fritz Göttler, »Süddeutsche Zeitung« | Michaela Grom, SWR | Lore Kleinert, Radio Bremen | Kolja Mensing, »Tagesspiegel« | Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR | Jan Christian Schmidt, »Kaliber 38« | Margarete v. Schwarzkopf, NDR | Ingeborg Sperl, »Der Standard« | Sylvia Staude, »Frankfurter Rundschau« | Jochen Vogt, Elder Critic, »NRZ«, »WAZ« | Hendrik Werner, »WeserKurier« | Thomas Wörtche, »Plärrer«, »culturmag«, »DRadioKultur«






