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Franz Mon: Haute Cuisine für Wortschmecker

Franz Mon

Gestern Abend stellte Franz Mon sein Lesebuch Zuflucht bei Fliegen, soeben im Verlag S. Fischer erschienen, in der Frankfurter Romanfabrik vor.

Die Kulturinstitution hatte die Buchpremiere entsprechend vorbereitet: An der Wand hingen zehn Ideogramme, Wortbilder des Künstlers, der auch das Wort Romanfabrik in zweifacher Form gestaltet und Anfang des Jahres vorgestellt hatte [mehr…]

„Man kann den S. Fischer Verlag zu diesem Buch nur beglückwünschen“, leitete Romanfabrik-Chef Michael Hohmann die Buchvorstellung ein. Es ist das zweite Franz Mon-Lesebuch und enthält Arbeiten des Künstlers aus über 60 Jahren.

Sascha Michel aus dem S. Fischer Verlag berichtete von einem Gespräch mit Franz Mon, der sich nach dem Deutschen Buchpreis erkundigte. Leider werden da nur Romane berücksichtigt. „Diese Fixierung ist schade, denn es findet – wie heute Abend in der Romanfabrik – noch anderes statt“, stellte Michel fest. „Endlich ist wieder ein Buch von Franz Mon in einem Publikumsverlag erschienen. Das ist wichtig und gut“, fügte Michel hinzu.

Der vorliegende Band ist sorgfältig und aufwändig gemacht, herausgegeben von Michael Lentz und gestaltet von Katja von Ruville, auch sie ließ sich die Premiere nicht entgehen.

Michael Hohmann ging kurz auf das Leben des 1926 in Frankfurt am Main geborenen Franz Löffelholz, der sich später Mon nannte, ein. Erste Gedichte entstanden in englischer Kriegsgefangenschaft, ein Stück Pappe diente damals als Schreibgrundlage.

Nach Kriegsende studierte der junge Mann Germanistik, Geschichte und Philosophie, beschäftigte sich mit Dadaismus, entdeckte die Artikulation. In der Zimmergalerie Franck in Frankfurt lernte er den Maler Karl Otto Götz kennen, kam mit den Künstlern der Gruppe COBRA in Kontakt. Franz Mon wollte sich ausprobieren – doch zunächst musste ein Brotberuf her. So arbeitete er ab 1956 als Verlagslektor, gründete 1963 den Typos-Verlag.

„Es macht mir großen Spaß, dieses Buch in der Hand zu halten“, gestand Franz Mon dem Publikum, bevor er ausgewählte Texte daraus vortrug. Er liest unaufgeregt, gelassen, fast leise, die Worte wägend, schmeckend. Genügend Zeit für die Zuhörer, auch auf den Geschmack zu kommen, dem Klang zu lauschen, den absurden Wortbildungen, den skurrilen Phantasien und der ganz eigenen, überraschenden Logik des Künstlers zu folgen.

„Ist Franz Mon ein Anarchist, der das Alphabet untergräbt?“, fragte Michael Hohmann nach der Lesung. „So einfach ist das nicht“, erwiderte der Künstler lächelnd. An manchen Bänden habe er zehn Jahre gearbeitet, bezeichnet sein Werk als „durchbuchstabiertes Kuddelmuddel“, sieht es visuell und akustisch. „Artikulieren ist wie ein Tanz der Teile meines Mundes“, verriet der Lautpoet, Hörspielautor und Grafiker.
Das vorliegend Lesebuch enthält längst nicht alle Arbeiten von Franz Mon. „Da gäbe es schon noch ein paar von der Sorte“, schätzte Mon den Umfang seines Gesamtwerks ein.
JF

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