Home > News > Robert Stöppel: Wie kann der deutsche Buchhandel erfolgreich gegen den Kindle anstinken?

Robert Stöppel: Wie kann der deutsche Buchhandel erfolgreich gegen den Kindle anstinken?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an Robert Stöppel, Geschäftsführer der Weilheimer Buchhandlung Stöppel.

Robert Stöppel, geboren in Weilheim/Obb., ist seit über 25 Jahren Buchhändler, immer mit einem großen Interesse an Technik und Computern. Von daher war die von ihm geführte Buchhandlung Stöppel stets als eine der ersten mit dabei, wenn es um technische Neuerungen und deren Anwendung in der buchhändlerischen Praxis ging.

Robert Stöppel, Sie verkaufen leidenschaftlich gern E-Reader und E-Books. Aber lassen Sie mal Zahlen sprechen – wie oft haben Sie diese Woche mit Kunden darüber gesprochen, und wie viele haben Sie verkauft?

Robert Stöppel

Robert Stöppel: Ich habe zwei Geräte verkauft und 5 bis 10 Kunden beraten.

Würde das jeder andere Buchhändler auch schaffen, oder hilft Ihnen Ihre Nachbarschaft zum Münchner Speckgürtel?

Robert Stöppel: Der Speckgürtel-Effekt ist es sicher nicht – wir haben drei Buchhandlungen vor Ort, die Nachfrage abschöpfen. Nein – es liegt an unserem großen Engagement auf diesem Gebiet.

Welche Marge ist der Lohn für die Mühe einer Reader-Beratung?

Robert Stöppel: Die ist unterschiedlich, aber verhältnismäßig gering, 10-25% je nach Anbieter.

Im ungünstigsten Fall also so viel wie der Verkauf eines Hardcovers…

Robert Stöppel: Das Wichtigste ist es, die Leute auf den eigenen Internet-Shop zu bringen und das Folgegeschäft mit den E-Books zu machen.

Gibt es einen „typischen Reader-Kunden“, und wie verhält er sich nach dem Kauf einer Hardware?

Robert Stöppel: Eigentlich nicht, wir haben Frauen, wir haben Männer, wir haben 20-jährige, wir haben 70-jährige, aber die Altersgruppen über 40 dominieren.

Kaufen Reader-Kunden auch ihren elektronischen Lesestoff bei Ihnen?

Robert Stöppel: Nicht alle, aber immer mehr. Die Tendenz ist steigend. Es ist natürlich unser Ziel, sie auf unsere Plattform zu bringen.

Für den digitalen Handel nutzen Sie den Libri-Shop – reicht der Ihnen bzw. Ihren Kunden?

Robert Stöppel: Ja. Das ist der beste White-Label-Shop bis auf Kleinigkeiten.

Was für Marketing macht Stöppel für das elektronische Lesen?

Robert Stöppel: Wir haben eine sehr aktive Homepage, wir hängen Plakate aus, wir produzieren Lesezeichen und Postkarten mit QR-Codes, die der Interessent nur scannen muss, um in unserem Shop auf den gewünschten Artikel zu kommen, und wir betreiben nicht zuletzt eine aktive Präsentation am PoS.

Haben Sie Erfahrungen mit „Device Days“ – markenübergreifenden Präsentationsveranstaltungen nach US-Muster?

Robert Stöppel: Nein, leider nicht! Das könnte aber für die Zukunft ein durchaus interessantes Konzept sein!

Wünschen Sie sich beim Marketing mehr Kooperation innerhalb der Branche, horizontal oder auch vertikal – mit dem Großhandel und mit Verlagen?

Robert Stöppel: Die gegenseitige Unterstützung in den Facebook-Gruppen „Buchhandelstreff“ und „Ebooks /E-Reader /E-Reading“ funktioniert sehr gut. Was ansonsten wichtig wäre, ist flächendeckendes E-Book-Marketing, damit dem Kunden bewusst wird, dass er E-Books auch im Online-Shop seines Buchhändlers kaufen kann. Die Grenzen verwischen sich, das muss auch in die Köpfe der Kunden hinein.

Würden Sie gern den tolino anbieten?

Robert Stöppel: Ich würde ihn gern anbieten, meines Wissens geht das aber momentan nur, wenn man ihn exklusiv anbietet. Für uns scheidet das aus, denn die Kunden wünschen die Auswahl.

Was halten Sie von den eBookCards von Umbreit?

Robert Stöppel: Die Ebook-Karten sind sicher ein guter Einstieg für Buchhandlungen, um überhaupt Ebooks zu verkaufen. Sie sind aber meiner Meinung nach nicht ausreichend, um sich gegenüber dem Kunden erfolgreich zu profilieren.

Was könnten die Verlage besser machen, um mehr Wasser auf die E-Mühlen des deutschen Buchhandels zu lenken?

Robert Stöppel: Wichtig wäre der komplette Abschied vom harten DRM. Den größten Beratungs- und Support-Aufwand haben wir in punkto DRM.

Mit seiner Firma alVoloConsult berät Michael Lemster Verlage, E-Commerce-Unternehmen, Buchhändler und Dienstleister bei Geschäftsentwicklung, Programm, Business- und Datenprozessen. Stammdaten und deren Qualitätssicherung sind sein Spezialgebiet. Daneben publiziert er in Fach- und Publikumsmedien.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige

Die Wissenschaftsbücher des Jahres wurden gewählt

Die Publikumswahl zum besten Wissenschaftsbuch des Jahres ist abgeschlossen unddie Gewinner:innen stehen fest. Eva-Maria Holzleitner, Österreichische Bundesministerin für Frauen,Wissenschaft und Forschung, gratuliert den Autor:innen: „Wissenschaftliche Bücher sind ein Bollwerk gegen

weiterlesen