Die Darmstädter Jury hat Das goldene Kalb. Oder: Die Jagd nach der Million von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow (Die andere Bibliothek) zum Buch des Monats September gewählt.
Begründung der Jury zur Wahl: „Frischer, frecher und fröhlicher kann eine Abrechnung mit korrupter Staatlichkeit, mit Bürokratenmuff und schlecht kaschierter Gier nicht sein als es diese erzkomische Tour de Force der begnadeten Satiriker Ilja Ilf und Jewgeni Petrow ist – wobei die Tour, im Wortsinne zu verstehen, über weite Strecken in einer Schrottkarre namens „Antilope Gnu“ zurückgelegt wird. Dass dieser absolut zeitgenössisch wirkende Road- und Gauner-Roman wundersamer Weise im Jahre 1931 in der Sowjetunion erschienen ist und diese ganz nebenbei in glasklarer Schärfe porträtiert, macht ihn zu einer wahren Kostbarkeit: weit der eigenen Zeit voraus und genial Ideologie gegen Ideologie ausspielend. Natürlich sind die Sympathien des Lesers auf Seiten des renitenten Individualisten, furchtlosen Hochstaplers und großmäuligen Lebenskünstlers Ostap Bender, der einen geradezu rührenden Aufwand betreibt, um einem in der kurzen Phase der Neuen Ökonomischen Politik auf schlau-verschlagene Weise reich gewordenen und nun – den armen Angestellten mimend und dafür insgeheim den Kommunismus verfluchend – im Kollektiv untergetauchten Millionär das Vermögen abzujagen. Der Weg aber erweist sich als Ziel, das Geld, sei es nun da oder fort, als Bürde unserer Zeit. Hier scheitert auf fünfhundert Seiten die gesamte sowjetkommunistische Ideologie, ohne dass der Kapitalismus siegt: Was bleibt, ist der Mensch. Und ein Roman in traumhaft schöner Aufmachung, ein absolut würdiges ‚Buch des Monats‘ im September 2013.“ (Oliver Jungen)
Seit 1952 trifft sich regelmäßig eine unabhängige Jury aus Schriftstellern, Journalisten und Literaturkritikern, um aus der Vielzahl der Neuerscheinungen ein Buch besonders hervorzuheben, dessen literarische Qualität es verdient, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Institutionelle Basis für die ehrenamtliche Arbeit der Darmstädter Jury ist der Verein „Buch des Monats“, der am 4. Oktober 1957 von den Gründungsmitgliedern und Juroren Editha Beckmann, Karl Friedrich Borée, Bernhard von Bretano, Kasimir Edschmid, Rudolf Goldschmidt, Ernst Johann, Heinz-Winfried Sabais, Hans-Joachim Sperr, Franz Thiess, Hermann Trog und Fritz Usinger nach fünfjähriger Jurytätigkeit ins Leben gerufen wurde. Mitglieder dieses Vereins sind außerdem weitere Autoren, auch Buchhändler, Verlage sowie literarische interessierte Personen.







