Ziel erreicht: Seit drei Monaten ist die buchhändlerische Empfehlungsgemeinschaft 5plus endlich auch in der Schweiz vertreten. Denn im April ist die Buchhandlung Librium aus Baden im Kanton Aargau, 20 Kilometer von Zürich entfernt, neues Mitglied der Kooperationsgemeinschaft geworden. Librium wurde im September 1979 von Susanne Jäggi gegründet und zählt zu den hervorragenden Sortimenten des Schweizer Buchhandels. Aufgrund ihrer literarischen Auswahl und Kompetenz ist die Buchhandlung weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.
BuchMarkt: Frau Jäggi, seit April sind Sie Mitglied bei 5plus. Haben Sie sich um die Mitgliedschaft beworben oder wie kam diese zustande?

Susanne Jäggi: Nein, beworben habe ich mich nicht. Ich wurde angefragt, ob ich mitmachen möchte, da die Gruppe ein Mitglied aus der Schweiz suchte, um auch hier vertreten zu sein.
Und da sagten Sie natürlich nicht nein …
… Nein! Für mich persönlich war diese Anfrage wie ein Ritterschlag: Seit vierzig Jahren übe ich meinen Beruf aus und kann mir keine bessere Arbeit vorstellen. Ich freue mich nun auf den Austausch mit ähnlichen Buchhändlern, über die Grenzen der kleinen deutschsprachigen Schweiz hinaus. Das ist die persönliche Seite. Unseren Kunden ein so schön und interessant gemachtes Magazin schenken zu können, ist die andere Seite. Lange hatten wir ein eigenes Magazin, aber seit zehn Jahren fehlten uns einfach die Kapazitäten zur Weiterführung. Ich habe dies immer wieder bedauert. Und nun werden wir also wieder ein Magazin haben, das unserem Angebot entspricht.
Es scheint in letzter Zeit fast so etwas wie ein Revival der kleinen inhabergeführten Buchhandlungen zu geben. Was denken Sie, macht gerade diese so erfolgreich?
Ich beobachte auch eine neue Wertschätzung kleiner Buchhandlungen, kleiner Betriebe überhaupt. Ich denke, das Umfeld, das heißt unsere Konkurrenz am Ort, hat sich mehr verändert als wir uns verändert haben. Im Zentrum unserer Arbeit stehen unsere Kunden. Im Gespräch mit Leitern von Buchketten habe ich dagegen oft beobachtet, dass die Konkurrenz im Fokus steht. Ich bin sicher, das spüren aufmerksame Menschen gut, und unsere Kunden sind eben genau das …
Würden Sie selbst den Schritt von 1979 in der heutigen Zeit noch einmal wagen und eine Buchhandlung eröffnen?
Ja. Und ich verstehe überhaupt nicht, warum das nicht mehr Buchhändler machen!
Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft des Buchhandels aus?
Schwierig zu beantworten, unserer Branche wurde schon so oft der Tod prophezeit.
Ich bin aber optimistisch, dass es noch lange gute Bücher geben wird und neugierige
Leserinnen und Leser. Sie in unsere Läden zu locken, liegt an uns. Es muss ganz einfach interessanter sein, zu uns zu kommen als sich auf irgendeine andere Weise Lesestoff zu beschaffen.
Die Librium Buchhandlung hat auch schon eine bewegte Zeit hinter sich …
Das stimmt, wir sind ganze vier Mal umgezogen, und natürlich war es immer erstmal die letzte Adresse. Für die richtige Lage gibt es mehrere Kriterien: Das Ladengeschäft darf nicht an einer 1A-Lage sein, da das Angebot dann zu beliebig ausfallen würde. Andererseits muss es aber sehr gut erreichbar sein. Außerdem soll es luftig und übersichtlich sein, viel Platz bieten für Begegnungen der Kunden untereinander, voller Überraschungen und Möglichkeiten, etwas zu entdecken. Und bezahlbar sollte es auch sein. Dies war der Grund für unseren letzten Umzug: Am aktuellen Standort bezahlen wir pro Monat Fr.8000 weniger.
Sie werben mit dem Spruch „Das Librium – nicht nur die beweglichste Buchhandlung
in Baden, auch die einzige unabhängige“ – Was genau ist damit gemeint?
Mit beweglich meinten wir schon unsere vielen Umzüge, zweimal davon wurde übrigens alle unsere Bücher von Hand ausschließlich von unseren Kunden ins neue Domizil getragen.
Und mit dem Begriff unabhängig wollten wir darauf hinweisen, dass die beiden anderen Buchhandlungen am Ort im Besitz von großen Unternehmen sind. Und schlussendlich ist mir auch eine geistige Unabhängigkeit wichtig, die sich in der Auswahl der Bücher zeigen soll und von unseren Kunden gesucht wird…